Zehn Fragen an Viewer: Stephanie Bunk
Die studierte Kulturwissenschaftlerin kennt das Spannungsfeld zwischen Kunst und Fotografie aus praktischer Erfahrung als Beraterin und Kuratorin und aus der Theorie durch ihre Lehrtätigkeit an der Universität Lüneburg. In der Galerie ‘raum für photographie‘ berät sie gemeinsam mit Friedrich Heinze leidenschaftliche Fotosammler, aber auch Einsteiger in dieses Fach, wobei der Schwerpunkt von ‘raum für photographie’ einerseits in der Vermittlung junger Fotokunst und andererseits in der Präsentation von thematisch aufgearbeiteten anonymen Vintage-Photographien liegt.
Um Photographien sinnvoll zu sammeln und in dem großen Angebot die für das jeweilige Interesse passenden Bilder herauszufiltern, benötigt man Wissen oder Gefühl. Wir versuchen beides zu vermitteln: ein Wissen über die Photographie und die Leidenschaft des Entdeckens und Sammelns von Photographien.
Last but not least: Stephanie Bunk ist auch Kuratorin der FREELENS Galerie in Hamburg, in der regelmäßig fotojournalistische Ausstellungen aus dem Umfeld von FREELENS stattfinden. (Steinhöft 5 in Hamburg) FREELENS ist die größte Fotojournalistenvereinigung in Deutschland. Stephanie Bunk war eine der Viewer bei der Portfoliosichtung am Samstag im G + J Pressehaus.

unsere zehn Fragen an Stephanie Bunk:
Frage 01: Mit welchen Erwartungen fahren Sie zu einer Portfoliosichtung?
Weniger mit konkreten Erwartungen, als mit Lust am Schauen und an der Begegnung.
Frage 02: Wie helfen Sie dem Fotografen oder der Fotografin, den ersten Eindruck wieder gut zu machen?
Die Frage geht davon aus, dass man zunächst einmal enttäuscht wird. Aber es geht bei einer Sichtung weniger darum, dem Viewer zu gefallen oder seine Erwartungen zu befriedigen, sondern darum, ehrlich mit seiner eigenen Leistung umzugehen und dafür ein Feedback zubekommen.
Frage 03: Ist sofort erkennbar, ob sich jemand in der Wahl seines Viewers geirrt hat?
Ich denke auch, dass es keinen „falschen“ Viewer gibt, sondern das jeder Rat wertvoll sein kann. Es sei denn, man erhofft sich gleich einen Job oder eine Ausstellung, aber darin sehe ich nicht in erster Linie die Funktion einer Portfoliosichtung. Ihr Reiz liegt gerade darin, dass es sich nicht um eine Bewerbungssituation handelt.
Frage 04: Was ist der häufigste Fehler den Fotografen machen, wenn Sie zu einer Portfoliosichtung fahren?
Sich und auch den Viewer in die Situation zu bringen, dass es sich um ein Bewerbungsgespräch handelt, denn das führt auf beiden Seiten zu einer gewissen Verklemmtheit. Ich schätze mehr Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang mit der eigenen Arbeit auf der Seite des Fotografen und ein Wissen um die Subjektivität aller Ratschläge und Einschätzungen auf beiden Seiten.
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