Dieter Degler ist CEO bei seen.by und seen.by ist eine der ganz wichtigen Online-Präsentations-Plattformen für alle Kreativen. Nicht nur, aber in erster Linie Fotografen. Ich habe mit Dieter Degler über die Auswahl von Fotografen, über die Partnerschaft mit SPIEGEL ONLINE und auch über die neuen Möglichkeiten bei seen.by seine eigenen Bilder zu präsentieren, zu drucken und zu verkaufen gesprochen und unter anderem erfahren, wie international seen.by tatsächlich ist.

© Lena Beleke. #0 – Edition. 100 Exemplare
bildwerk3/Marko Radloff: Wie viele Fotografen, Designer oder Illustratoren melden sich täglich neu an? Wie viele davon werden von der seen.by-Redaktion für eine Präsentation zugelassen?
seen.by/Dieter Degler: Zur Zeit melden sich im Schnitt rund 40 Leute pro Tag an, im Monat sind es etwas mehr als 1000. Die Plattform ist und bleibt unverändert offen für alle, aber nur einer von zehn Neuzugängen wird von der Redaktion für den öffentlich sichtbaren Bereich zugelassen.
Gibt es Kriterien die für und Kriterien die gegen eine Aufnahme bei seen.by sprechen?
Entscheidend ist zunächst der Gesamteindruck eines Portfolios bzw. der Bilder. Man erkennt sehr schnell, ob der Fotograf oder Grafiker eine eigene Handschrift hat und eine konzeptionelle Fähigkeit. Handwerk spielt eine Rolle, aber ebenso die künstlerische Intention, die Fähigkeit, eine Idee umzusetzen, mit dem Motiv Interesse oder Emotionen zu wecken. Da wir Werke aus vielen Bereichen haben – Reportage, Mode, Architektur, um nur einige zu nennen –, sind die Kriterien entsprechend differenziert. Also: Ein schöner Sonnenuntergang allein oder Gisela im Gegenlicht reicht nicht.

© Peter Franck. Suite 106 – Edition. 100 Exemplare
Hat seen.by schon einmal von sich aus Fotografen und Kreative eingeladen, ihre Werke auf der Plattform zu präsentieren?
Das kommt vor, wenn sich die Redaktion in einen Fotografen verguckt, ist aber die Ausnahme.
seen.by wird von SPIEGEL ONLINE ‚supported’. Was heißt das in der Praxis?
Wir produzieren redaktionelle Beiträge zu den Themen Fotografie, Grafik und Ästhetik für Spiegel online, dafür haben wir einen festen Platz auf der besten und reichweitenstärksten europäischen News-Website, für den wir sehr dankbar sind.
Wie viele Mitarbeiter arbeiten an dem Projekt? Gibt es aktuelle Stellenausschreibungen?
Wir sind derzeit zu sechst und wollen nur langsam wachsen. Aber Platz für clevere Hospitanten, am liebsten angehende Journalisten, haben wir immer.
Gibt es Überlegungen externe Werbepartner für das Projekt zu gewinnen?
Das handhaben wir sehr zurückhaltend. Wir haben eine gewachsene Partnerschaft mit Hasselblad. Ansonsten werden unsere Werbeflächen vom Quality-Channel der Spiegel-Gruppe vermarktet, mit den Ergebnissen sind wir sehr zufrieden.
Aus DESIGNKLICKS wurde seen.by und bei seen.by kann man heute Abzüge, Prints ausgewählter Fotografen beziehungsweise Autoren kaufen oder seine eigenen Bilder finishen. Leidet unter dieser Entwicklung nicht das Profil des Projekts, das als kreative Präsentationsplattform gestartet ist?
Im Gegenteil, das Profil ist durch Professionalisierung geschärft worden, und das findet auch Anerkennung. Obwohl die Auswahl strenger geworden ist, sind wir zwischen Mai und heute von 5.000 auf mehr als 17.000 aktive Mitglieder gewachsen, die Reichweite stieg von einer Million auf 7,5 Millionen Seitenabrufe pro Monat.
Wenn Sie heute die auf seen.by publizierten Gespräche lesen, finden Sie spannende Einschätzungen von unbekannten jungen Wilden ebenso wie von Bigshots – von Arno Fischer über Bettina Rheims bis zu Wim Wenders. Wir haben uns von einer nicht sehr klar konturierten Web-2.0-Plattform zu einem Ort für professionelle und semiprofessionelle Fotografen und Grafiker entwickelt, in der das Kreative weiterhin seine Bedeutung hat.
Das sehen Sie übrigens auch daran, dass immer mehr Kuratoren, Zeitschriften und Werbeagenturen über seen.by Kontakt zu unseren Mitgliedern suchen. weiterlesen …
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