
Marko Radloff/bildwerk3: Lieber Denis Brudna, wie fühlt man sich als Initiator und Herausgeber einer Zeitung für Fotografie, die es seit nunmehr zwanzig Jahren gibt?
Denis Brudna: Ganz normal. Man wundert sich nur, wie schnell die Zeit vergeht. PHOTONEWS absorbiert natürlich viel Zeit, auf der anderen Seite ist es auch sehr spannend, daran zu arbeiten. Ich bin aber nicht nur mit PHOTONEWS beschäftigt, wodurch sich das Ganze noch etwas relativiert.
Wie kamen Sie auf die Idee zu einer eigenen Zeitung für Fotografie und wie ist der Name PHOTONEWS entstanden? Gab es damals vergleichbare Publikationen?
Ich hatte schon vorher viel mit Fotografie zu tun, organisierte seit 1972 Ausstellungen und schrieb sporadisch für andere Zeitschriften. Doch das, was es damals an Zeitschriften gab, hat mich inhaltlich und zum Teil auch optisch nicht wirklich überzeugt.
Und so hat sich bei mir der Wunsch verstärkt, eine Alternative zu schaffen. Vergleichbare Publikationen gab es, zumindest in Deutschland, nicht. Sonst hätte ich mich auch dort engagieren können.
Mit dem Titel ist es ganz einfach. Es musste aus rechtlichen Gründen (für Deutschland) ein neuer Name sein. Einiges war bereits vergeben. Dann sollte das Wort NEWS den Zeitungscharakter signalisieren. Leider gab es dann nur die englische Version, weil der Titel “Fotonachrichten” nicht sonderlich attraktiv ist.
Unter allen deutschsprachigen Publikationen ragt PHOTONEWS heraus: sowohl hinsichtlich der Qualität der Beiträge als auch vom äußeren Format – eine ungewöhnliche Größe? Sind Sie immer ganz glücklich damit? Gab es Überlegungen, etwas daran zu ändern?
Das Format ist uns wichtig. Zum einen soll PHOTONEWS ansatzweise den Charakter einer Zeitung haben. Zum anderen lässt sich auf den großen Seiten besser bzw. fotogerechter gestalten.
Obgleich PHOTONEWS kein Zeitgeist-Blatt werden sollte, wo man immer die neuesten grafischen Spielereien ausprobiert, finde ich das Format doch angenehmer, als die genormten und zum Teil austauschbaren Fotopublikationen.
Gott sei Dank, gibt es bei den Printmedien noch andere größere Publikationen, so dass es auch im Vertrieb ganz gut klappt. So lange das besondere Format keine wesentlichen logistischen Probleme mit sich bringt, bleiben wir dabei. Das ist kein Dogma, aber die vorherrschende Uniformität ist auch keine Lösung. Das Motto lautet: Mut zu Nische.
Ist PHOTONEWS heute eine Zeitschrift in erster Linie für Abonnenten oder für Spontankäufer?
Wir haben von Anfang an darauf geachtet, dass PHOTONEWS für jeden bezahlbar bleibt. Somit erreicht die Zeitung sowohl den Abonnenten als auch den Spontankäufer. Bewusst kostet das Heft im Abo genauso viel wie beim Einzelkauf. Uns ist es wichtig, im Handel präsent zu sein und so auch immer wieder neue Käufergruppen anzusprechen.
Welche Zielgruppe hatten Sie von Anfang an im Blick – und mit welchen Werbekunden rechnen Sie heute?
Das Konzept von PHOTONEWS beinhaltet, dass wir möglichst breite Kreise der Fotoszene mit Informationen und interessanten Projekten versorgen. Dazu gehören künstlerisch arbeitende Fotografen ebenso wie Fotojournalisten oder Mode- und Werbefotografen.
Es ist ja eben das Spannende an der Fotografie, dass es hier so viele Arbeitsfelder gibt, die sich zum Teil gegenseitig anregen und befruchten können. Zu unseren Lesern gehören engagierte Amateure ebenso wie Profifotografen, Fotostudenten und ihre Professoren sowie Galeristen, Kuratoren, Redakteure und Art Buyer – aber auch einfach Menschen, die sich für Fotografie interessieren, diese mitunter sammeln und sich informieren möchten.
Was die Werbung betrifft ist die Palette der Kunden auch recht breit. Nachdem sich herausgestellt hat, wie relevant PHOTONEWS in der Fotoszene ist, sind gleichermaßen Kunden aus der Fotoindustrie wie aus dem Fotokulturbereich daran interessiert, ihre Produkte, Dienstleistungen oder Ausstellungen via PHOTONEWS zu kommunizieren.
Als Sie vor zwanzig Jahren begonnen haben, waren die Verhältnisse einigermaßen stabil. Seitdem hat sich fast alles verändert. Von welchen Veränderungen haben Sie für die Zeitschrift in erster Linie profitiert?
Natürlich hat der Fotografie-Boom in der Kulturszene insoweit geholfen, als dass sich inzwischen viele Menschen für Fotografie interessieren. Davon haben wir zweifelsohne profitiert, weil viele nach einer seriösen Informationsquelle gesucht haben.
Angesichts der rasant sich vollziehenden Veränderungen wirkt PHOTONEWS auf beruhigende Art kontinuierlich. Wie wird sich die Zeitschrift in Zukunft dennoch verändern?
Kontinuität ist das Stichwort. Jeder kann nun nach 20 Jahren selbst beurteilen, was wir am Anfang versprochen und wie wir dieses Versprechen praktisch umgesetzt haben. Für uns sind fundierte Inhalte genau so wichtig wie der adäquate Umgang mit den Fotografien.
Mehr Schein als Sein war nie unsere Prämisse. Davon gibt es an den Kiosken mehr als genug. D.h. wir sind bemüht, das erreichte Niveau zu halten und weiter auszubauen. Grafisch wird sich nicht wesentlich etwas ändern. Die Grafik soll den Bildern und den Inhalten dienen und nicht zum Selbstzweck werden.
Bekommen Sie heute noch manchmal Papierbilder für Veröffentlichungen geschickt?
Durchaus. Für den Druck erhalten wir dann meistens Daten, aber manche Fotografen stellen sich auch mit Papierbildern vor.

Zwei Ausgaben 'PHOTONEWS'
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