Hamburg
Andreas Trampe ist Ressortleiter Bildredaktion beim STERN und verantwortlich für die Auswahl der Fotografien, die als Bildstrecken oder Einzelmotive ins Blatt kommen.
Im ersten Interview-Teil geht es um den Wert journalistischer Bilder, um die Merkmale herausragender Fotografie und um das Thema Authentizität im Bildjournalismus.
Außerdem erfahren wir etwas über den Unterschied bei der Verwendung und Wahrnehmung von Bildern Online und Print und auch, wie viele Bilder tatsächlich täglich die Bildredaktion erreichen.
Das Interview mit Andreas Trampe hat Bernd Wohlert von DOK5 geführt. DOK5 ist eine Firma aus Hamburg, deren Spezialgebiet die Verschlagwortung, das sogenannte Keywording von Bildern ist.
Wozu brauchen wir Fotos?
Andreas Trampe: Es ist eigentlich simpel. Fotos transportieren Informationen in Sekundenschnelle. Sie sind global, das heißt es ist die einzige Sprache, die um den ganzen Erdball herum gesprochen und verstanden wird. Man kann Sachzusammenhänge extrem schnell erfassen. In bestimmten Bereichen sind Bilder auch ein Beweis für eine Schilderung und sie transportieren diese Informationen und Emotionen innerhalb von Sekunden. Nichts ist so emotional wie ein gutes Bild. Ein Bild ist einfach schneller als Texte. In unserer Häppchengesellschaft ist das natürlich erwünscht.
Die französische Illustrierte „Paris Match“ startete 1949 mit der Devise: „Das Gewicht der Wörter und der Schock der Fotos“. Eine zutreffende Charakterisierung des Verhältnisses von Text und Bild?
Es ist natürlich marketingmäßig sehr zugespitzt. Im Fotojournalismus ist es so, dass man Geschichten schnell erzählen, Sachverhalte auf den Punkt bringen, Emotionen vermitteln will.
Wenn man dann global aufgestellt ist wie der STERN, und z.B. mit einem Fotografen aus Thailand oder Brasilien produziert, der nicht im STERN sozialisiert wurde, dann ist es natürlich sehr schön, wenn der seine Inhalte veröffentlichen kann in einem Medium, das universell funktioniert.
Ein gutes Foto schafft im Gegensatz zum Film auch noch etwas Bleibendes, weil es die Zeit anhält.
Gute Bilder fressen sich ins Hirn. Gute Fotos sind in der Lage, Geschichte einzufrieren.
Bereits zur Ausstellung »Gute Aussichten« haben die Arbeiten von Tine Reimer und André Hemstedt einen starken Eindruck gemacht. Kurzer Bw3-Bericht
Aus diesem Grund die Empfehlung [mehr…]
Nach seinem Studium an der Hochschule für Film und Fotografie in Brüssel, arbeitete der Fotograf Jo van den Berg in der Künstlerhochburg Haarlem bei Amsterdam (Niederlande) und bei international renommierten Fotografen in London.
Seit über 20 Jahren ist er als Werbefotograf in seinem eigenen Studio für Agenturen und für Magazine in Paris und in Mailand tätig. Seine Arbeiten sind unter anderem mit dem Black & White Spider/ Fashion- und ADC Award ausgezeichnet worden.
Jo van den Berg lebt in Hamburg.
Worin besteht der Wert einer guten Ausbildung zum Fotografen? Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Der Wert ergibt sich aus der Qualität der Ausbildung. Eine Ausbildung ist gut, wenn sie wissenschaftlich fundiert, kunsthistorisch ausgerichtet, technisch vielseitig, inspirierend kreativ, realitätsnah bezogen auf die Herausforderungen der Selbstständigkeit ausgerichtet ist. Dabei sollte sie mit einem Herzschlag beim klassischen Können sein und gleichzeitig den Auslösefinger an den Puls der Zeit legen.
Meine Ausbildung: Studium an der Foto- und Filmhochschule NARAFI in Brüssel. Zwei Jahre Assistenz bei international tätigen Fotografen in Amsterdam und London. Danach zwei Jahre Juniorfotograf bei Reinhart Wolf und dann ab in die Selbstständigkeit.
Der Fotograf Olaf Ballnus hat die besonderen Typen vor der Kamera gehabt. Ausnahmeerscheinungen wie Marcel Reich-Ranicki, Peter Kraus, Moritz Bleibtreu, Siegfried Lenz, Ute Lemper oder Sebastian Koch und Margot Kässmann – und immer gelingt Ballnus ein besonderes Bild.
Geboren und aufgewachsen in Bochum lebt und arbeitet Ballnus heute in Hamburg. Olaf Ballnus hat unter anderem bei Wolfgang Wilde und Walter Scheels assistiert.
Worin besteht der Wert einer guten Ausbildung zum Fotografen? Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Grundlagen in Grafik, Farben, Zeichnen, Kunst + Geschichte ... Studium in Essen und Kiel und fast 5 Jahre Assistenz
Was erwarten Sie von Ihren Assistenten? Was erwarten Ihre Assistenten von Ihnen?
Ich habe nicht so den einen klassischen Studiobetrieb ... Führerschein und er sollte mein Equipment kennen ... fahre viel durchs Land. Letztendlich muss man sich mögen – habe mal eine ganzen Weile mit einem Rockmusiker gearbeitet.
Paul Ripke hat bereits für Tchibo, IWC, EnBW, SONY ERICSSON, Hermes, GAULOISES Fotoaufträge abgewickelt. Der gebürtige Heidelberger lebt in Hamburg und hat BWL studiert – von der aktuellen Fotografenausbildung hält er nicht viel.
Wer wissen möchte, was bei einem Shooting mit Paul Ripke abgeht, verirrt sich am besten später auf die Life of Paul Seite des Fotografen – dort gibt's eine ganze Reihe cool gedrehter Makings Ofs. Dort ist dann unter anderem zu sehen, dass Fotografen heutzutage viel herumkommen, sobald sie einmal im Geschäft sind. Doch zunächst hier bei Bildwerk3 die zehn Fragen an Fotografen.
Worin besteht der Wert einer guten Ausbildung? Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Ich selbst habe BWL studiert, die aktuelle Ausbildung zum Fotografen macht überhaupt keinen Sinn, da sie veraltet und umständlich ist.
Was erwarten Sie von Ihren Assistenten? Was erwarten Ihre Assistenten von Ihnen?
Mein Assistent muss zu hundert Prozent für mich arbeiten, nicht für sich oder den Kunden. Ich muss mich auf ihn verlassen können, dafür bekommt er kompletten Einblick in mein berufliches Leben.
Polaroids bringen Authentizität. Fotografie aus ihren Anfängen: Es gibt eine Stelle in Walther Benjamins Kleinen Geschichte der Photographie, in der er die natürliche Skepsis, den natürlichen Trotz beschreibt, die auf den ersten Fotografien von Menschen in ihren Gesichtern, in ihrer Haltung zu erkennen gewesen sei. Soweit zurück gehen Gnädigers Fotografien natürlich nicht; Gnädigers Modelle – allesamt Profis – haben die Pose nicht verlernt.
Später habe sich der Mensch an seine Wirkung auf Fotografien angepasst – und die Fotografie ihre Unschuld verloren, schreibt Benjamin. (ich liebe diesen schwer durchdringbaren Aufsatz und deshalb dieser etwas umständliche Beginn)
Das Ungleichgewicht ist beispiellos: in den strukturschwachen Regionen in Ostdeutschland kommen auf einhundert Männer nur noch fünfundsechzig Frauen. Tendenz fallend.
Die Hamburger Fotografin Gesche Jäger hat die Dagebliebenen aufgesucht und porträtiert. Herausgekommen ist eine faszinierende Sozialreportage – bestehend aus Bildern und Bildunterschriften, kurzen, erläuternden Texten die zusammen Geschichten erzählen.
Ich habe Gesche Jäger nach den Intentionen zu ihrer Arbeit befragt, nach den ganz praktischen Unwägbarkeiten und auch nach der technischen Realisierung dieses Projektes.
Aus meiner Sicht ungewöhnlich wahr und offen: Gesche Jäger schätzt Themen, die ohne Krieg und Krise auskommen und dennoch fesselnd sind. Das ist gelungen!
Marko Radloff/Bildwerk3: Viel mehr Männer als Frauen in Osdeutschland. Warum gerade dieses Thema?
Gesche Jäger: Damit ich ein Thema authentisch umsetzen kann, muss es für mich persönlich interessant sein. Als Frau fühle ich mich gerne von Themen angesprochen, die das klassische Gesellschaftsbild mit dem Mann als starkem und der Frau als schwachem Geschlecht infrage stellen.
Trotzdem ist ein Thema nur dann auch für andere wichtig, wenn es nicht nur meine privaten Innenansichten, sondern auch Hintergründe zeigt und gesellschaftliche Bedeutung hat. Ich schätze Themen, die ohne den notwendigen Spannungsfaktor von Krieg oder Krise auskommen und trotzdem fesselnd sind.
Schon länger interessierte ich mich für den demografischen Wandel innerhalb Deutschlands. Bei Recherchen stieß ich auf eine ausführliche Studie, die genau das von mir thematisierte Phänomen beschreibt.


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