Fotojournalismus
Wo endet der Westen und wo beginnt der Orient? Auf seiner Reise von Wien nach Beirut dokumentierte laif-Fotograf Frederic Lezmi den fließenden Übergang von Europa zum Nahen Osten.
Vier Monate fuhr er dafür mit dem Auto von Österreich bis in den Libanon. Lezmi, als Halblibanese im Schwarzwald aufgewachsen, wollte das „Dazwischen“ untersuchen - das, was zwischen seiner europäischen Heimat und seinem langjährigen Beobachtungsfeld im Nahen Osten liegt.
Lezmi zeigt wie sich Morgen- und Abendland durchdringen und überlagern. Kulturelle Differenzen stellt er in seinen Aufnahmen in Frage und auf die Probe - schleichend kommt uns so die „ferne“ arabische Welt ganz nah.
In seiner Fotogeschichte »Die Wagenburg« zeigt Gordon Welters 11 Menschen, die mit ihren Tieren in einer Wagenburg am Stadtrand von Potsdam leben, wo sie alles haben, was sie benötigen: Ein Windrad und eine Solaranlage sorgen für Strom, es gibt kleine Gemüsebeete, Kinderspielplätze, ein Tiergehege, einen eigenen Badewagen und ein Werkstattzelt.
Vor allem aber erleben sie hier eine Freiheit, wie sie in einer Mietwohnung kaum denkbar ist. Welters wohnte selber in der Gemeinschaft. Seine Serie wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Unicef World Press Foto Award.
Rushhour in Tokyo, jeden Morgen und jeden Nachmittag spielt sich in jedem beliebigen Tokyoter U-Bahnhof dasselbe Schauspiel ab: Dicht gedrängt warten Menschen am Bahnsteig, die U-Bahn kommt, die Türen springen auf, die einen quellen heraus, die anderen strömen hinein, Uniformierte mit weißen Handschuhen helfen und schieben nach, die Türen knallen zu, der Zug fliegt los und ist in maximal zwei Minuten in der nächsten Station, wo sich die Szene wiederholt.
Einen kurzen Moment nur stoppt das Gewusel, der Zustand der Zusammengedrängten friert ein, ein kurzes Innehalten und Einatmen hinter den U-Bahntüren. Und jetzt, kurz vorm Ausatmen und Aussteigen, genau jetzt drückt Michael Wolf auf den Auslöser. Immer wieder zeigt er die eingefrorene Szene, immer gleich und immer anders. - World Press Photo hat ein Foto dieser Serie als eins der besten Pressefotos 2009 ausgezeichnet.
Fast 500 Atombomben zündeten die Sowjets zwischen 1949 und 1989 in der Region von Semipalatinsk - zu Testzwecken. Es war die Zeit des kalten Krieges, auf beiden Seiten des eisernen Vorhanges wurde fieberhaft an der Weiterentwicklung der Bombe gearbeitet.
Die Menschen waren diesen Tests mehr oder minder schutzlos ausgeliefert, dies durchaus auch beabsichtigt, um die Folgen eines möglichen Atomkrieges zu untersuchen.
Heute ist die immense Hitze, welche die Steppe verbrennen lies, längstens verpufft, der kalte Krieg Vergangenheit und Semipalatinsk eine kasachische Stadt im Osten des seit 1991 unabhängigen Staates. Geblieben ist eine Gegend, welche von kranken Menschen gezeichnet ist. Die Krebsrate ist doppelt so hoch wie in vergleichbaren nicht verseuchten Gebieten.
Die Menschen von Semipalatinsk sind gezwungen, die Folgen der Bombe in ihren Alltag zu integrieren. Unter einem riesenhaften Denkmal für die Opfer der Atomtests, welches einen Atompilz darstellt, stellen sich an Wochenenden im Zehnminutentakt die frisch vermählten Paare für das Hochzeitsfoto auf - und niemand scheint sich daran zu stören.
[caption id="attachment_9361" align="alignleft" width="530" caption="2.Platz/Entertainment: Mitwirkende der Passionsspiele warten am Montag (04.10.2010) in einem Friseursalon in Oberammergau (Oberbayern) darauf, Haare und Bart geschnitten zu bekommen. [mehr…]
Interview 2. Teil: Fotografieren im digitalen Zeitalter kann jeder. Wie sehen Sie die Zukunft der Profifotografen im Vergleich zu den Amateuren?
Andreas Trampe: Die Frage führt auf falsches Terrain. Ja, es kann jeder fotografieren und es kann auch jeder ganz gut fotografieren, denn er kann ja immer hinterher leicht checken, wie das digitale Foto geworden ist. Und er kann es einfach wiederholen.
Der Profifotograf wird aber deshalb nicht aussterben, er wird nach wie vor gebraucht: Wenn ich einen Profifotografen und den Amateur für eine Geschichte vier Tage nach Rajasthan schicke, dann wird der Profifotograf eine durchkomponierte Bildstrecke mitbringen, die eine Geschichte erzählt, die einen Anfang und ein Ende hat, die abwechslungsreich ist, umfassend, journalistisch und spannend.
Auch der gute Amateur wird in Teilbereichen gute Ergebnisse erzielen, aber nicht all diese Funktionalitäten erfüllen können, weil er einfach nicht gelernt hat, so zu arbeiten.
Ein Problem für den Profifotografen ist, dass es nicht genug Kunden gibt, die diese Art von hochwertiger Fotografie nutzen. Der Profifotograf hat das Problem, dass er mit hundert anderen um einen Job kämpft und das es zu wenig Abnehmer für diese hochwertige Fotografie gibt. Zu wenige drucken diese Sachen. Und darüber beklagen sich natürlich zu Recht die Fotografen.
Welchen Stellenwert haben für Sie Street Photography und Story Telling?
Story Telling ist sehr wichtig. Der Fotograf überlegt vorher, was für eine Geschichte er erzählen will. Er entwickelt dafür ein Konzept, das er im Kopf hat. Er klopft als allererstes theoretisch ab, ob es überhaupt möglich ist, diese Bilder vor Ort machen zu können und überlässt wenig dem Zufall.
Er braucht Erfahrung für die Umsetzung – das ist solides Handwerk, konzentrierte Arbeit.
Street Photography ist normalerweise nicht journalistisch, weil der Fotograf die Ergebnisse dem Zufall überlässt. Das kann ganz wunderbar sein, er kann aber auch ganz falsch liegen. Im Journalismus werden nicht nur schöne Bilder produziert sondern auch richtige Geschichten erzählt. Das ist bei Street Photography oft nicht der Fall.
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