18. August 2010 15

Ohne Frauen in Ostdeutschland. Eine Fotoreportage von Gesche Jäger

Das Ungleichgewicht ist beispiellos: in den strukturschwachen Regionen in Ostdeutschland kommen auf einhundert Männer nur noch fünfundsechzig Frauen. Tendenz fallend.

Die Hamburger Fotografin Gesche Jäger hat die Dagebliebenen aufgesucht und porträtiert. Herausgekommen ist eine faszinierende Sozialreportage – bestehend aus Bildern und Bildunterschriften, kurzen, erläuternden Texten die zusammen Geschichten erzählen.

Ich habe Gesche Jäger nach den Intentionen zu ihrer Arbeit befragt, nach den ganz praktischen Unwägbarkeiten und auch nach der technischen Realisierung dieses Projektes.

Aus meiner Sicht ungewöhnlich wahr und offen: Gesche Jäger schätzt Themen, die ohne Krieg und Krise auskommen und dennoch fesselnd sind. Das ist gelungen!

© Gesche Jäger: Was tun?

© Gesche Jäger: Was tun?

Marko Radloff/Bildwerk3: Viel mehr Männer als Frauen in Osdeutschland. Warum gerade dieses Thema?
Gesche Jäger: Damit ich ein Thema authentisch umsetzen kann, muss es für mich persönlich interessant sein. Als Frau fühle ich mich gerne von Themen angesprochen, die das klassische Gesellschaftsbild mit dem Mann als starkem und der Frau als schwachem Geschlecht infrage stellen.

Trotzdem ist ein Thema nur dann auch für andere wichtig, wenn es nicht nur meine privaten Innenansichten, sondern auch Hintergründe zeigt und gesellschaftliche Bedeutung hat. Ich schätze Themen, die ohne den notwendigen Spannungsfaktor von Krieg oder Krise auskommen und trotzdem fesselnd sind.

Schon länger interessierte ich mich für den demografischen Wandel innerhalb Deutschlands. Bei Recherchen stieß ich auf eine ausführliche Studie, die genau das von mir thematisierte Phänomen beschreibt.

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21. Mai 2010 3

“Entweder man liebt oder man hasst Benidorm”

Zur Fotoreportage von Nicole Strasser – gestern in diesem Beitrag – gibt es eine Bild-Ton-Version die den Eindruck, den schon die Bilder hinterlassen noch einmal verstärkt. Im Film kommen ein paar bizarre Toneinspielungen vor während man gleichzeitig auf die anziehend-abstoßenden Motive blickt und seinen Ohren wie seinen Augen nicht traut.

Dennoch wirkt das Ganze ungeheuer aufrichtig und es ist wohl das Verdienst Strassers, den Abstand gewahrt zu haben und jedem auch die Möglichkeit zu bieten, die Sache anders zu beurteilen.

Einfach anschauen und anhören und gemeinsam verreisen … ;-)

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20. Mai 2010 5

Paradies anderswo. Nicole Strassers Fotoreportage über den spanischen Ferienort Benidorm

Benidorm klingt bereits nach Schrecken – nach Schrecken und nach Heiterkeit. Wie machen Menschen Urlaub? Eng zusammengedrängt in Betonwüsten mit Meereszugang: die Verlagerung des Kleingartenprinzips in die Höhe – ohne Garten.

Am stärksten wirken die Fotografien von Nicole Strasser sobald sich der Blick weitet und das gesamte Ausmaß sichtbar wird. Als ob der Einzelne nicht nur im Areal verschwindet sondern ihm diese urbane Entgleisung auch noch gleichgültig ist.

Nicole Strasser hat mit ihrer Arbeit über den spanischen Ferienort Benidorm bereits viel Aufmerksamkeit erfahren – unter anderem durch eine Platzierung beim Leica Oskar Barnack Preis und durch ein Stipendium bei der VG Bild Kunst auch bezahlte Veröffentlichungen hat es bereits gegeben.

Wir dürfen die Reportage hier in ganzer Länge zeigen. Vielen Dank dafür! Außerdem hat Nicole Strasser für Bildwerk3 ein paar Fragen zu ihrer Arbeit beantwortet:

Benidorm © Nicole Strasser

Benidorm © Nicole Strasser

Ihre Serie heißt im Untertitel: Das verlorene Paradies. Wie ist das gemeint?
Benidorm ist in sehr kurzer Zeit von einem kleinen Fischerort zu einer Touristenmetropole gewachsen. Es gibt beeindruckenden Fotos von Benidorm aus den 50er Jahren, auf denen es noch sehr idyllisch aussieht.

Leider ist davon nicht mehr allzu viel übrig geblieben. Benidorm hat sich (stellvertretend für andere Orte des Massentourismus) sozusagen vom paradiesischen wegentwickelt. Daher dieser Titel.

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7. Mai 2010 0

Im Vorfeld planen und sich beim Fotografieren auf die Situation einlassen

Die Fotografin Anne Gabriel-Jürgens kenne ich vom Dokfünf-Fotowettbewerb – gemeinsam mit Ingo Taubhorn (Deichtorhallen), Guido Schmidtke (STERN) und Klaus Plaumann (CEPIC) waren wir als Juroren für den Wettbewerb eingeladen. Die Gewinner werden demnächst in Hamburg zu sehen sein.

Anne Gabriel-Jürgens hat mir von ihrem Leben als Fotografin zwischen Hamburg, Berlin und Zürich erzählt und ich habe sie bei dieser Gelegenheit gebeten, unsere zehn Fragen an Fotografen zu beantworten:

© Anne Gabriel-Jürgens

aus der Serie swiss woman © Anne Gabriel-Jürgens

Marko Radloff/Bildwerk3: Worin besteht der Wert einer guten Ausbildung zur Fotografin? Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Anne Gabriel-Jürgens: Es ist hilfreicher an eine Uni zu gehen oder eine feste Zeit zu Assestieren, da dort ideale Vorraussetzungen sind um zu lernen mit Bildern umzugehen, Kontakte zu bekommen und sich gegenseitig zu kritisieren.

Ich denke es ist immer wichtig dass man sich informiert, aus Fehlern lernt und andere Menschen hat, mit denen man einen regelmäßigen und ehrlichen Austausch über seine Arbeiten hat. Ich kenne aber auch viele hervorragende Autodidakten.

Ich selber habe zuerst Illustration/freie Kunst und dann Fotografie bei Ute Mahler in Hamburg an der HAW studiert und dort mein Diplom gemacht. Danach war ich bei Arno Fischer als Meisterschülerin an der Ostkreuzschule in Berlin.

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5. Mai 2010 1

Ich versuche mich selbst zurückzunehmen, um die anderen zu sehen

Die Bilder der Fotografin Nele Martensen haben etwas nordisch-hanseatisches … Im Interview erzählt die Hamburger Fotografin über ihre große Achtung gegenüber Menschen und über ihren Einstieg bei der Hamburger Morgenpost.

Noch bis zum 14.05.2010 sind ihre Bilder unter dem Titel: “Von kleinen und großen Menschen” in der kulturreich-Galerie in Hamburg zu sehen.

© Nele Martensen

Greta und Paul aus der Serie 'greta und paul 1' – © Nele Martensen

Nele, seit wann fotografieren Sie?
Durch mein kreatives Elternhaus – Mutter Hutmacherin, Vater Grafiker – waren viele Freunde meiner Eltern Fotografen. Als kleines Mädchen hatte ich großen Respekt vor ihnen. Ich habe immer gedacht, dass sie in einem Menschen mehr sehen können als andere. Mich hat das fasziniert und zugleich beunruhigt.

Und was sagen Sie heute? Sehen Fotografen wirklich mehr?
Nein, heute denke ich das nicht mehr. Und trotzdem versuche ich immer wieder, das zu sehen und zu erfassen, was man sonst nicht sieht. Ich bin nicht sicher, ob mir das gelingt. Es gibt Menschen, die das behaupten, weil sie sich wiederfinden in meinen Bildern.

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18. April 2010 0

Eine eigene(!) Bildsprache

Verglichen mit anderen Fotografen hat Tania Reinicke früh den eigenständigen Ausdruck gesucht und früher als manche Kollegen ihre Arbeiten in Ausstellungen und Büchern präsentiert. Herausgekommen ist ein akzentuiertes und facettenreiches, in seiner Vielfalt nicht gerade homogenes Portfolio.

Höhepunkt sind aus meiner Sicht die Aufnahmen aus der Serie Lost Spaces Beijing,China – zu sehen auf den Seiten von derfreiraum.com – auf diesen Bildern wird die Wechselbeziehung von Fotografin und Metropole, Fotografin und Ballungsgebiet besonders greifbar und ist stilistisch sehr fein abgestimmt – Tania Reinicke lebt und arbeitet im Ruhrgebiet.

© Tanja Reinicke

© Tanja Reinicke

Marko Radloff/Bildwerk3: Worin besteht der Wert einer guten Ausbildung zum Fotografen? Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Fotografin Tania Reinicke: Die theoretische und praktische Auseinandersetzung mit dem Medium Fotografie in den unterschiedlichsten Ausdrucksformen sollte Wissen vermitteln, das in die zukünftige Arbeit des Fotografen fließt.

Im Mittelpunkt dieser Rückkopplung von theoretischer Auseinandersetzung und praktischer Anwendung sollte dabei die Konzeption einer eigenen fotografischen Sprache stehen.

Ich habe an der Fachhochschule Dortmund bei Prof. Heiner Schmitz und Prof. Gerald Koeniger studiert. Neben dem Studium habe ich assistiert, um meine praktischen Kenntnisse zu vertiefen.

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12. März 2010 3

Als Fotografin ganz am Anfang

Die Fotografin Kerstin Weiss lebt und arbeitet in Stuttgart und ist BFF-Junior Mitglied. (kleiner Hinweis: auch der BFF – Bund Freier Fotodesigner e.V. – hat seinen Sitz in Stuttgart) Als junge Fotografin hat sie bereits ein recht umfangreiches Portfolio. Sicherlich wird in den nächsten Jahren noch einiges – vor allem aber individuelles Material hinzukommen.

Ich habe Weiss unsere Bildwerk3-Fotografenfragen geschickt und mit ihr verabredet, es in spätestens zwanzig Jahren ;-) noch einmal zu tun. Erinnert mich ruhig!

© Kerstin Weiss

© Kerstin Weiss

Marko Radloff/Bildwerk3:Worin besteht der Wert einer guten Ausbildung zum Fotografen? Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Kerstin Weiss: Ich habe an der Lazi Akademie in Esslingen meine Ausbildung zum Foto- und Kommunikationsdesigner absolviert. Eine gute Ausbildung ist sehr wichtig, aber nicht nur das.

Man muss sich selbst weiterbilden, indem man Dinge ausprobiert, schaut was Fotografen auf der Welt so für Bilder machen und so weiter … Beides gehört dazu, um ein guter Fotograf zu werden.

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