Bildagenturen
Im offiziellen Pressetext zum Start von Polylooks taucht der Begriff 'Microstock' nicht auf. Im Grunde aber ist Polylooks nichts weniger als ein Microstock-Angebot und versteht sich auch als solches. Wir haben's von Norbert Weber – Chef von Polylooks – bestätigt bekommen und gleich auch ein paar andere Sachen gefragt: Unter anderem ob nicht 35 Prozent – der Einnahmen – für den Fotografen etwas wenig sind und warum Polylooks in einem Markt antritt, der von anderen schon bedient wird. Aber lest selbst ...
Marko Radloff/Bildwerk3: Zum Verständnis, Polylooks ist keine selbständige Tochter, sondern ein Produkt der Deutschen Telekom AG?
Norbert Weber: Das stimmt, Polylooks ist die Online-Bildagentur der Deutschen Telekom. Neben dem Verkauf von lizenzfreien Bildern bieten wir ein Online-Magazin sowie eine Community, in der Nutzer ihre Arbeiten präsentieren und sich untereinander austauschen können.
Wie passt Polylooks in die Produktpalette der Telekom, die man ja zuerst als Telefonanbieter kennt?
Die Deutsche Telekom ist weit mehr als nur ein reiner Telekommunikationsanbieter. So ist www.t-online.de bereits seit einigen Jahren Foto-affin, denn hier finden Fotowettbewerbe in den verschiedenen Rubriken statt. Zudem ist auch das Polylooks-Magazin „Augenblicke“ in diesem Umfeld gewachsen.
Wie sind Sie Verantwortlicher für Polylooks geworden? Fotografieren Sie selbst?
Ich bin ein klassischer Hobby-Fotograf. Das Thema Microstock-Fotografie hat mich seit der ersten Projektidee fasziniert.
Wenn man sich Polylooks anschaut, wird man den Eindruck nicht los, da wird ein Produkt hinterher geschoben und versucht in einem Wachstumsmarkt, der längst von anderen erfolgreich bedient wird, im letzten Moment Fuß zu fassen. Entkräften Sie diesen Eindruck.
Wir finden den Microstock-Markt sehr attraktiv, sonst würden wir uns hier nicht engagieren. Hierbei sehen wir vor allem den Bedarf als auch die Chancen für ein in Deutschland ansässiges Angebot.
Wenn Sie zu ihren Konkurrenten schauen, blicken Sie in Richtung Corbis und Getty oder in Richtung iStock und Fotolia?
Im Moment sind wir klassischen Microstock-Anbietern näher als Rights-Managed-Bildagenturen. Allerdings befindet sich der Bildagentur-Markt im Wandel. Denken Sie nur an die Übernahme von iStockphoto durch Getty Images. Deshalb beobachten wir den gesamten Bildermarkt – von „Freestock“ über Microstock und den klassischen Royalty-Free-Bereich bis hin zum Rights-Managed-Segment.
Polylooks erfüllt die klassischen Voraussetzungen für eine Microstock-Agentur: User Generated Content, kleiner Preis für Bildeinkäufer. Verstehen Sie sich also als Microstock-Bildagentur?
Ja, wir verstehen uns als Microstock-Bildagentur. Aber wir möchten professionellen und Hobby-Fotografen mit dem Mediastore, der Community und dem Magazin ein ganzheitliches Portfolio anbieten, das sich ergänzt und bereichert. Warum machen wir das so? Weil wir in vielen Gesprächen und Marktforschungsanalysen festgestellt haben, dass Bildeinkäufer und Fotografen oft nach einer Möglichkeit zum Austausch suchen.
Auch sind Bildeinkäufer vielfach an internationaler Top-Fotografie interessiert, die wir in unserem Magazin präsentieren. Mit der Einbindung der Community- und des Magazins unterscheiden wir uns demnach deutlich von den etablierten Microstock-Angeboten bieten mit dieser Kombination etwas Neues.
Wird sich Polylooks auch in Zukunft allein auf den deutschsprachigen Markt konzentrieren?
Derzeit fokussieren wir uns auf den deutschsprachigen Markt.
Fotografen, die bei Polylooks verkaufen möchten, müssen einen Fotografentest bestehen. Wie müssen wir uns das vorstellen? Was passiert genau?
Der Test unterstützt uns in unserem Bestreben, den Bildkäufern ein qualitativ hochwertiges Angebot zur Verfügung zu stellen. Wir bieten ein Online-Handbuch für Fotografen, in dem wir Informationen zu den Themen Belichtung, Bildschärfe, Bildrauschen, Verschlagwortung, Beschriftung sowie zu rechtlichen Rahmenbedingungen erläutern.
Anschließend muss der Fotograf zehn Fragen zu genau diesen Themen beantworten. Der Test funktioniert nach dem Multiple-Choice-Prinzip. Neun Fragen müssen richtig beantwortet werden, um zu bestehen. Falsch beantwortete Fragen werden natürlich erläutert.
35 Prozent des Netto-Verkaufspreises gehen an den Fotografen oder an die Fotografin. Klingt nicht gerade viel. Zumal doch die Fotografen auch die Arbeit machen: fotografieren, Bilder uploaden, Keywords vergeben?
Polylooks ist ein attraktives Angebot, mit dem wir dem Wettbewerb in nichts nachstehen. Für exklusiv über Polylooks vertriebenes Bildmaterial erhalten Fotografen 50 Prozent des Netto-Verkaufspreises. Findet der Vertrieb nicht exklusiv statt, bekommen sie 35 Prozent.
Über den Umsatzanteil, den wir einbehalten, finanzieren wir unsere Leistungen. Dazu gehört, dass alle Bilder hinsichtlich Qualität und rechtlicher Aspekte überprüft werden, die technische Infrastruktur bereitgestellt wird sowie Vertrieb und Vermarktung vorangetrieben werden.
Die Szene der Bildagenturen kommt nicht zur Ruhe. Jetzt kommt ein neuer Player hinzu: die Deutsche Telekom. Mit Polylooks will man den deutschsprachigen Microstockmarkt erobern [mehr…]
Schon seit einiger Zeit verspreche ich dies: Einen zusammenfassenden Beitrag zum Themenmonat der Bildagenturen. Und hier kommt er nun: der Beitrag, der noch einmal alle Artikel auflistet und eine inhaltliche Zusammenfassung bringt. [mehr…]
Veer versteht sich als Material-Agentur für Kreative und bietet neben dem klassischen Fotografie-Portfolio auch Illustrationen und Schriften an. Veer ist eine Marke von Corbis und richtet ihr Angebot nicht zuerst an Endkunden, sondern will mit besonderen Bildern Art Direktoren und Gestalter erreichen, die 'sich von der Norm abheben'.
Jetzt hat Veer eine Kollektion von zweitausend neuen Bildern im 'grünen Stil' aufgelegt, Fotografien zum Thema Umwelt. Wie und warum? Sven Kröncke, Director Production Management bei Veer: „Die neuen, spannenden Motive sind durch eingehende Trendanalysen unserer Creativ Research-Abteilung entstanden. Fünfzehn Art Direktoren haben die vielen Facetten zum Thema „Grün“ mit Top-Profifotografen aus Europa und Nordamerika in aktueller Bildsprache umgesetzt.“
Steffen Peine ist 2008 von Getty Images zur traditionsreichen Agentur Bilderberg gewechselt und hat dort in denkbar schwierigen Zeiten das Ruder übernommen – als Mitgesellschafter und Geschäftsführer. Ich wollte von ihm wissen, warum man soetwas macht, was heute für ihn anders läuft und welche Zukunft er für kleine und mittelständische Bildagenturen in der gegenwärtigen Lage sieht und welche Chancen Fotografen haben.
Marko Radloff/bildwerk3: Sie waren bis vor einiger Zeit in verantwortlicher Position bei Getty Images zuständig für den Verkauf und sind heute Geschäftsführer und Mitgesellschafter bei der Agentur Bilderberg. Sind Sie als Mensch nicht nur verantwortungsbewusst, sondern auch risikofreudig?
Steffen Peine/bilderberg: Verantwortungsbewusstsein schließt ja eine gewisse Risikofreudigkeit nicht aus! Das richtige Maß und der Zeitpunkt spielen eine entscheidende Rolle. Den Entschluss Getty Images zu verlassen, um in die Selbständigkeit zu gehen, hatte ich mir genau überlegt. In den annähernd vier Jahren lernte ich viel über die Bildbranche und deren Kundenstrukturen. Führungserfahrung hatte ich schon aus meinen vorherigen Jobs mitgebracht, aber das ist ja ein ständiger Prozess und man lernt andauernd hinzu.
Lebenserfahrung sowie der berufliche Werdegang lassen die eigene Person reifen – dies ist gut für den Job, die Mitarbeiter, die man führt, und das Unternehmen für das man arbeitet. Getty Images prägte mich sehr in Puncto „Zahlen“ und „Verkaufen“. Ohne dieses Handwerkszeug hätte ich den Schritt nicht gewagt.
Auf welchem Weg ist Steffen Peine in die Bildbranche gekommen?
Wie immer und oft im Leben durch einen „netten Zufall“. Eine Kollegin hatte mir den Tipp gegeben, mich bei Getty Images zu bewerben. Und da ich Kunstgeschichte studiert hatte und immer etwas mit einem kreativen Produkt machen wollte, passte das gerade.
Darüber hinaus arbeitete ich schon zu Studienzeiten in einem Fotoarchiv und hatte damit einen praxisnahen Bezug zur Fotografie.
Was läuft heute bei Bilderberg für Steffen Peine ganz anders – im Vergleich zu seinem Job bei Getty Images?
Ich bin ein freier Mensch! Ich freue mich jeden Morgen über meine Unabhängigkeit und das ich mir den Arbeitstakt selbst vorgeben kann.
Ich kann eigenständig ausprobieren und werde nicht mehr „irgendwie“ beurteilt und mit – in meinen Augen – unsinnigen Projekten betraut. Ich lerne neue Stärken an mir kennen und bin immer motiviert bei der Sache – trotz der vielen Arbeit, und der Ungewissheit, ob sich die Anstrengung denn auch wirklich rechnet.
Seit Mitte letzten Jahres gibt es für die Traditionsagentur ‚Bilderberg’ eine neue Firmierung und eine neue Gesellschafterstruktur – ein Teil der Mitarbeiter hat den Laden übernommen und so aus der Insolvenz geführt. Insgesamt ein schwieriger Prozess?
Ja, natürlich war das ein schwieriger Prozess, der noch andauert. Wir mussten uns finden; nach innen wie nach außen. Aufgaben sollten neu verteilt und Arbeitsprozesse neu gestaltet werden.
Eine Phase der Konsolidierung. Businesspläne wurden erstellt, um die Kosten im Auge zu behalten. Visionen und Ideen wollen entwickelt und koordiniert werden. Darüber hinaus ist die Kontaktpflege, neudeutsch „Networking“ sehr bedeutend und bei alldem dürfen die Kunden nicht vergessen werden.
Was macht die Agentur Bilderberg besser oder anders als andere Bildagenturen? Was ist ihr Alleinstellungsmerkmal?
Bilderberg kann das Rad nicht neu erfinden. Bildagentur bleibt Bildagentur. Wir sind aber ein kleines, sympathisches Team, das sehr flexibel auf Marktgegebenheiten reagieren kann.
Darüber hinaus bieten wir ein Premium-Produkt, das nach wie vor gefragt ist.
Wer kauft bei Bilderberg? Wer kauft nicht bei Bilderberg?
Alle großen Redaktionen, die im deutschen Markt Gewicht haben, bis zu kleinen, kreativen Verlagen. Vom Freelancer und unabhängigen Bildredakteur bis zum Werber. Gerne möchten wir aber noch viel stärker in den Werbemarkt einsteigen.
Gibt es Kunden, von denen jeder Sales Manager einer Bilderagentur träumt?
Natürlich die großen und bedeutenden Magazine, wie Geo, Merian etc.
Angesicht fallender Preise, fortschreitender Internationalisierung und Marktkonzentration im Bildergeschäft: Welche Chancen hat eine mittelständische Agentur mit starkem nationalem Background derzeit und in Zukunft?
Schwierige Frage. Wir möchten das Besondere Bild anbieten, das man eben nicht bei jedem x-beliebigen Billiganbieter bekommt. Im Vordergrund stehen immer noch Reportage- bzw. Autorenfotografie.
Bilder müssen vermitteln und erzählen, Emotionen einfangen können. Der richtige Moment, die richtige Kameraeinstellung eben. Qualitativ hochwertige Fotografie ist nach wie vor gefragt, dennoch ist das keine Garantie mehr.
Hinzu kommen ein gutes Marketing und Verkaufsstrategien. Bilderberg hat einen starken Namen und das hilft uns sicherlich. Bilderberg steht für höchste Qualität und Tradition. [mehr…]
Was von plainpicture kommt, was bei plainpicture, der kleinen aber feinen Bildagentur aus Hamburg über die Theke geht, beziehungsweise im Portfolio steckt, muss man beachten! [mehr…]
ist auf keinen Fall aufgehoben: die längst versprochene Zusammenfassung zum Themenmonat 'Bildagenturen' habe ich noch einmal nach hinten verlegt, da ich Steffen Peine von der [mehr…]


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