Die Krise der Bildbranche hat aus Sicht von Lars Bauernschmitt zwei Ursachen: eine die aus der Krise der Weltwirtschaft resultiert und die mehr oder weniger alle Branchen betrifft und eine strukturelle, unter der nur die Bildbranche leide. Der Umgang mit Bildern hat sich in den letzten zehn Jahren grundlegend gewandelt. Eine der Antworten von Lars Bauernschmitt darauf: eine neue Bildagentur unter dem Label imagetrust.
Wir bringen heute den zweiten Teil des Interviews mit dem Professor für Fotografie, Vorstandsvorsitzenden beim BVPA und Director of Photography bei imagetrust. (den ersten Teil lesen)
Bildwerk3/Marko Radloff: Einige Verlage versuchen mittels Buy-Out-Klauseln in den Verträgen mit Fotografen, sich die Verwertungsrechte über das übliche Maß hinaus zu sichern, mit dem Ergebnis, dass Fotografen das Recht zur Zweitverwertung verlieren würden. Die Verlage – insbesondere der Jahreszeiten Verlag – argumentieren, das dies lediglich Produktionen betreffen würde, welche ohne einen Auftrag durch den Verlag ohnehin nie fotografiert worden wären. Wie schlüssig ist diese Argumentation?
Lars Bauernschmitt: Wer so argumentiert glaubt vermutlich auch dass die Erde eine Scheibe sei. Im Ernst: Der Vertrag, den der Jahreszeiten-Verlag da vorlegt, ist ein massiver Eingriff in die Rechte der Fotografen. Ein faires Miteinander sieht anders aus.
Wie dem auch sei. Wer einen Buy-Out braucht soll ihn bezahlen. Es gibt genug Fotografen, die bereit sind einem Kunden so weitgehende Rechte einzuräumen, wie sie die Ganske-Gruppe zu brauchen glaubt. Das geschieht dann aber für Honorare im vierstelligen Bereich und nicht für ein Almosen.
Angesichts allgegenwärtiger digitaler Verwertungsmöglichkeiten: wie zeitgemäß ist das angewandte Urheberrecht?
Das Urheberrecht spricht auch auf die Umstände der Verwendung von Werken in digitaler Form einen Schutz aus, nicht nur national sondern auch international und damit absolut auf der Höhe der Zeit ist.
Wie in jedem anderen Medienbereich sind die Rechte, die ein Wirtschaftsgut darstellen, zu beachten. Unkenntnis schützt vor Strafe nicht. Wegen der Herstellung von Plagiaten wird auch nicht das Patentrecht abgeschafft. Und durch ständiges Falschparken wird auch nicht die Straßenverkehrsordnung überflüssig. Problem ist nicht das Urheberrecht, sondern die (ge)wissenlosen Teilnehmer an der digitalen Medienwelt.
Als Vorstandsvorsitzender des BVPA: Wie schätzen Sie die Lage der mittelständischen Bildagenturen in Deutschland ein?
Die Lage ist für viele nicht rosig. Das liegt zum einen an der weltwirtschaftlichen Situation unter der alle Branchen zu leiden haben und zum anderen an langfristigen Entwicklungen, die nur die Bildbranche betreffen. Die Weltwirtschaft wird sich wieder erholen. Die Werbeumsätze werden zurückkehren und damit wird sich auch der Bedarf an Fotos wieder vergrößern. Die Entwicklungen aber die nur die Bildbranche betreffen, die sind unumkehrbar. weiterlesen …
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