
Auf der Hinfahrt hatte ich zwei Sorgen: komme ich rein. Ich meine, reicht der Platz für all die Fotografen angesichts eines mit kostenlosem Eintritt lockenden, hochkarätigen Fotoevents. Und meine zweite Sorge: plötzlich wußte ich nichts mehr über Fotos: wie jemand, der auf dem Weg vor die Klasse den Text zu einem Gedicht vergessen hat. Die erste Sorge war ganz unbegründet: Platz war ausreichend. Die URANIA in Berlin hat einen Kinosaal für tausend Leute und all die Plätze waren am Ende nicht einmal zu dreißig Prozent ausgefällt. Die zweite Sorge war durchaus begründet: in Wahrheit habe ich noch nie etwas über Fotos gewußt.
Das mit den freien Plätzen läßt sich erklären: der BFF (Bund Freier Fotodesigner e.V.) ist eine Familie, für eine Familie zwar recht groß, aber eben nicht mehr. Eine Menge Leute schienen sich gut oder besser zu kennen und klopften sich mal hier, mal dort anerkennend auf die Schulter, fachsimpelten beim Kaffee, und spendierten sich gegenseitig Sandwich und Muffin usw. Und der BFF ist elitär. Dem BFF gehören die besten Fotografen an und was mich in diesem Zusammenhang erwartete, war wie der Besuch bei megareichen Verwandten, die von ihrer einjährigen Weltreise berichten.
Was einen richtig guten Fotografen ausmache, wurde zuerst von jemandem rhetorisch in den Saal gegeben und beantwortet mit: ein richtig guter Fotograf gebe sein letztes Hemd für ein gutes Foto. Michael Schnabel aus Hochdorf gab dann einen Bericht, wie für eine Serie von vier Bildmotiven ein Budget von 500.000 Dollar (in Worten fünfhunderttausend) verfotoarbeitet wurde: im Schnitt zwanzig Leute, inklusive Spezialeffekte und Catering vor Ort, tagelange Planung mit fünf Locationscouts und jede Menge Technikern … Wir wünschen einmal, das Michael Schnabel sich am Ende der Aktion das eine oder andere neue Hemd kaufen konnte.


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