Available Light Fotografie – Teil 2
Text und Fotos Oliver Rüther

1/20 Sekunde f 2.0 bei 640 ASA (Leica M8) – Der helle Hintergrund der Katze macht es mögliche. Damit dunkel auch dunkel bleibt kann man oft erstaunlich kurz belichten; der Belichtungsmesser hatte 1/4 Sekunde eingefordert.
Das wenige Licht zwingt natürlich zu offenen Blenden – 2,0 oder 2,8 ist normal. Das ergibt eine wunderbar selektive Schärfe, die dem Bild ein Stück mehr Glaubwürdigkeit gibt. Offene Blende! Da müssen sehr viele Zoomobjektive passen. Sie haben, wenn man überhaupt von Schärfe reden kann bei offener Blende deutliche Rand-Unschärfen. Deshalb befinden wir uns hier ganz klar in der Domäne der Festbrennweiten. Und damit sind wir bei der nächsten Strategie: Festbrennweiten verwenden. Festbrennweiten haben höhere Lichtstärken und meistens wesentlich bessere Abbildungsleistungen als Zoomobjektive und sie sind oft leichter. Mein Lieblings- und Standardobjektiv für Raumsituationen ist das 50er (an Kleinbildformat). Das einfache 1,8er Normalobjektiv ist meistens von der Schärfe her grandios, Gegen- und Streulichtunempfindlich und in der Regel ziemlich preiswert.
Licht und Draußen
So, jetzt habe ich die ganze Zeit Innenaufnahmen geschrieben. Dort fotografiere ich auch am meisten. Die Strategie mit dem Luft anhalten nehmen wir jetzt mal kurz mit nach draußen an die frische Luft, in die Dämmerung oder Nacht oder einfach nur einen dunklen Wintertag. Dazu möchte ich noch folgendes festhalten: Dunkel soll Dunkel bleiben. Der Belichtungsmesser weiß ja nicht, dass Du in der Dämmerung oder in der Nacht fotografierst. Für ihn ist Licht gleich Licht. Die klassische Belichtungsmessung führt im Dunkeln zu völlig überbelichteten Ergebnissen und macht die Nacht zum Tag, auch die Dämmerung. Und dann ist die Atmosphäre hin. Hier hilft eine gezielte Unterbelichtung, oder Spotmessung. Deshalb muss man sich überlegen, was für das Motiv wichtig ist: Muss es völlig durchgezeichnet abgebildet werden? Wo soll die Schärfe liegen? Was muss erkennbar sein und was nur zu erahnen? Das Histogramm ist da Nebensache. Viele Dinge sind auch als Silhouette wunderbar zu erkennen. Das gilt für jede dunkle Situation. Es kommt immer drauf an, wo sich das Licht (und der Schatten befindet).
Bildwichtige Elemente lassen sich durch Veränderung des Kamerastandpunktes leicht gegen den Abendhimmel positionieren, oder gegen eine von Laternenlicht beschienene Fläche, oder eine Reflektion des Himmels in einem Fenster oder, oder, oder …






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