26. Dezember 2007 3

Available Light Fotografie – Teil 2

Das wenige Licht zwingt natürlich zu offenen Blenden – 2,0 oder 2,8 ist normal. Das ergibt eine wunderbar selektive Schärfe, die dem Bild ein Stück mehr Glaubwürdigkeit gibt. Offene Blende!

Da müssen sehr viele Zoomobjektive passen. Sie haben, wenn man überhaupt von Schärfe reden kann bei offener Blende deutliche Rand-Unschärfen. Deshalb befinden wir uns hier ganz klar in der Domäne der Festbrennweiten. Und damit sind wir bei der nächsten Strategie: Festbrennweiten verwenden.

Oliver Rüther - Available Light Fotografie

1/20 Sekunde f 2.0 bei 640 ASA (Leica M8) - Der helle Hintergrund der Katze macht es mögliche. Damit dunkel auch dunkel bleibt kann man oft erstaunlich kurz belichten; der Belichtungsmesser hatte 1/4 Sekunde eingefordert.

Festbrennweiten haben höhere Lichtstärken und meistens wesentlich bessere Abbildungsleistungen als Zoomobjektive und sie sind oft leichter.

Mein Lieblings- und Standardobjektiv für Raumsituationen ist das 50er (an Kleinbildformat). Das einfache 1,8er Normalobjektiv ist meistens von der Schärfe her grandios – für Gegen- und Streulicht unempfindlich und in der Regel ziemlich preiswert.

Licht und Draußen

So, jetzt habe ich die ganze Zeit Innenaufnahmen geschrieben. Dort fotografiere ich auch am meisten. Die Strategie mit dem Luft anhalten nehmen wir jetzt mal kurz mit nach draußen an die frische Luft, in die Dämmerung oder Nacht oder einfach nur einen dunklen Wintertag. Dazu möchte ich noch folgendes festhalten: Dunkel soll Dunkel bleiben.

Der Belichtungsmesser weiß ja nicht, dass Du in der Dämmerung oder in der Nacht fotografierst. Für ihn ist Licht gleich Licht. Die klassische Belichtungsmessung führt im Dunkeln zu völlig überbelichteten Ergebnissen und macht die Nacht zum Tag – auch die Dämmerung. Und dann ist die Atmosphäre hin. Hier hilft eine gezielte Unterbelichtung oder Spotmessung.

Deshalb muss man sich überlegen, was für das Motiv wichtig ist: Muss es völlig durchzeichnet abgebildet werden? Wo soll die Schärfe liegen? Was muss erkennbar sein und was nur zu erahnen? Das Histogramm ist da Nebensache. Viele Dinge sind auch als Silhouette wunderbar zu erkennen. Das gilt für jede dunkle Situation. Es kommt immer drauf an, wo sich das Licht (und der Schatten befindet).

Bildwichtige Elemente lassen sich durch Veränderung des Kamerastandpunktes leicht gegen den Abendhimmel positionieren oder gegen eine von Laternenlicht beschienene Fläche oder eine Reflektion des Himmels in einem Fenster oder, oder, oder …

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25. Dezember 2007 6

Available Light Fotografie – Teil 1

Wie fotografiert man ein gutes Foto in Umgebungslichtsituationen? Diesem Thema hat sich Oliver Rüther als Gastautor angenommen.

Oliver Rüther hat als Fotograf unsere Zehn Fragen an Fotografen beantwortet und für uns einen Beitrag mit Tipps für werdende Fotografen verfasst: Ein gutes Foto kann man immer und überall verkaufen

Foto Oliver Rüther

1/2 sek f 2,0 abgestützt aus der Hand (Leica M8) - Druckpunkt suchen, einatmen, vorsichtig auslösen

Vielleicht vorneweg, für mich gibt es zwei heikle Lichtsituationen: Kein Licht (also gar keins) und “High Noon” (also knalliger Sonnenschein) – viel Licht. In diesem fiesen, hellen Sonnenlicht kneift jeder die Augen zu und hat diese dunkeln Augenhöhlen, die man mit einem Aufheller nur sehr stark aufhellen kann (das heißt immer noch Schatten in den Augenhöhlen und dazu ein stechender, heller Reflex in den Augen).

Ein bewährtes Rezept für “High Noon”, wie überhaupt alle schwierigen Freiluftlichtsituationen: Man geht mit dem Modell in den Schatten.

Den besten Schatten findet man gegenüber einer sonnenbeschienenen, weißen Wand. Das ist das schönste Licht überhaupt: hell, gleichmäßig und doch modulierend. – Aber Vorsicht, nicht auf den Rasen. Der reflektiert ins Gesicht und man fragt sich hinterher warum der Mensch so krank und dessen Zähne so gelbgrün aussehen.

Wenig Licht

Der Fluch der dunklen Jahreszeit. Ich habe in diesem Jahr meinen High-Tec-Aufsteck-Blitz noch überhaupt nicht eingesetzt, meine Blitzanlage erst ein einziges Mal. Weil: Blitzlicht ist der Killer jeglicher Atmosphäre und Authentizität.

Gerade wenn wenig Licht vorhanden ist und wir mit hohen ISO-Zahlen und langen Belichtungszeiten kämpfen ist es besonders schwierig das Blitzlicht gezielt so stark herunter zu regeln, dass es die Atmosphäre nicht zerstört.

Dazu kommt, dass Blitzlicht eine andere Farbtemperatur hat, als das in dieser Zeit vorherrschende Kunstlicht und sofort als Fremdlicht auffällt.

Mindestens eine Grünfolie (Leuchtstoffröhre) oder einer Orangefolie (Glühlampe/Kerze) sollte man vor den Blitz kleben (http://www.leefilters.com) bevor man ihn als Aufheller oder vorsichtig direkt einsetzt (Kamerablitz -2 bis -3 einstellen, also 2-3 Blenden drunter blitzen – evtl. über die Decke oder Wand).

Im richtigen Licht

Wer mit Available Light Fotografie sein Geld verdient, kann möglicherweise nicht 3 Monate auf die Bahamas fliegen; nur weil es dunkel wird in Deutschland. Folgende Strategien helfen weiter:

Möglichst viele Foto-Termine auf die Kernzeit von 09.30-15.00 Uhr (ver)legen. Das geht nicht mit allen Terminen, aber doch mit sehr vielen. Manchmal muss man den Auftraggeber überzeugen (Am besten mit guten Fotos, die unter ähnlichen Bedingungen entstanden sind).

Auch in diesem Zeitraum kommt man bei Innenaufnahmen oft auf 800-1000 ASA und Blende 2,8 bis 4 bei 1/60 Sekunde. An dunklen Tagen landet man auch bei 1/15 bis 1/30 Sekunde und bis zu 1250 ASA. Spätestens jetzt leidet die Dynamik der Fotografie natürlich etwas. Aber wenn das Objekt einigermaßen stillhält sollte man scharfe Aufnahmen hinkriegen wenn man folgende Schritte beachtest:

1. fokussieren
2. an den Druckpunkt des Auslösers herantasten
3. einatmen
4. vorsichtig auslösen, dabei Luft anhalten (am besten gleich 2-3 Fotos in Serie)
5. ganz wichtig: weiteratmen.

Außerdem unbedingt Wände, Stühle, Tische als Stütze nehmen! Das hilft. Wer das für Schwachsinn hält, dem sei gesagt, dass man auch eine 1000stel Sekunde verreißen kann, wenn man zu heftig auslöst.

Stativfreaks haben es natürlich leichter. (Ich selber verwende meistens keine Stativ, weil ich meine Position Foto für Foto leicht verändere bis ich schließlich den besten Bildaufbau zusammen habe).

Außerdem empfehle ich (nicht nur im Winter), das Kunstlicht in Innenräumen abzuschalten. Und zwar um eine weitere heikle Situation zu vermeiden: Mischlicht. Klar, dadurch wird es noch dunkler und man bekommt ein starkes Gegenlicht. Aber das machen wir uns zum Freund. Wir nehmen einen schönen großen Aufheller (Sunbouncer) und reflektieren das einfallende Licht in die Schatten.

Dieses Licht ist ein Traum. Es hat durchgehend eine Farbtemperatur (erleichtert so die Farbabstimmung) und moduliert Gesichter, betont Konturen, wischt den Gilb von den Wänden und Möbeln und das Foto erhält in einem gewissen Sinne den Stempel der Glaubwürdigkeit.

Jeder Mensch weiß wie Tageslicht fließt, läuft, nuanciert und erkennt es instinktiv. Tageslicht erreicht mit seiner Intensität auch die tiefste Ecken. Es kommt aus dem Unendlichen, aus der Sonne, vom Himmel und das obwohl auch hier das Gesetz gilt, dass das Licht im Quadrat der Entfernung abnimmt.

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