BerlinPhotoWorkshops – Interview mit Peter Oehlmann

Noch bis zum 20. Mai haben Fotografieinteressierte Gelegenheit, sich für die einwöchigen Sommerworkshops bei BerlinPhotoWorkshops zu melden. Ich wollte vom Fotografen Peter Oehlmann wissen, was und wer sich hinter den BerlinPhotoWorkshops verbirgt, ob Fotografie ein Beruf mit Zukunft ist, warum Profis Ihr Wissen an Einsteiger weitergeben und welche Rolle Berlin spielt; und habe ungewöhnlich spannende Antworten erhalten …

BerlinPhotoWorkshops

bildwerk3 – Fragen an Peter Oehlmann:

Was ist BerlinPhotoWorkshops, seit wann gibt es BerlinPhotoWorkshops und sind alle Dozenten bei BerlinPhotoWorkshops aktive Fotografen?
BerlinPhotoWorkshops ist eine 2007 gegründete Arbeitsgemeinschaft von vier Fotografen, die ihre Erfahrungen in Seminaren und Workshops weitergeben: Mark Curran (IR), Kai-Olaf Hesse (D), Robert Lyons (US) und Peter Oehlmann (D). Daß das Zusammenspiel dieses internationalen Quartetts ohne allzugroße Reibungsverluste funktioniert, verdanken wir der organisatorischen Unterstützung von Jörg Steinbach.

Wir alle sind als Fotografen und temporär als Dozenten tätig. Während die Arbeitsschwerpunkte von Mark Curran und Robert Lyons eher beim Porträt liegen, bei der Darstellung von Menschen in ihren sozialen und politischen Bezugsfeldern, sind es bei Kai-Olaf Hesse und mir verschiedene Aspekte der gebauten Umwelt, die uns umtreiben: Stadt als sozialer Organismus und als Ort geschichtlicher Überlagerungen, der menschliche (oder unmenschliche) Umgang mit Natur und Landschaft …

Was uns eint, ist unsere Affinität zur dokumentarischen Fotografie. Das meint nicht einen Stil oder eine Attitüde, sondern eine Haltung, die sich in ihrer Art, Welt zu reflektieren deutlich von Inszenierung und Fiktion unterscheidet. Daß dies keineswegs den Verzicht auf Subjektivität und Emotionalität bedeutet, belegen die Arbeiten unserer Seminarteilnehmer.

Sie helfen anderen das Medium Fotografie zu verstehen, Sie helfen anderen die Technik als Fotograf zu beherrschen. Haben Sie keine Sorge, das all die neuen Fotografen Konkurrenten im eigenen Geschäft werden?

Jeder Lehrende bildet immer auch die eigene Konkurrenz heran. Das gehört zum Prinzip der Wissensvererbung seit jeher dazu, ob im Handwerk oder im akademischen Sektor.

Doch das Lehren ist ja keine Einbahnstraße. Der Austausch mit den Schülern bringt auch dem Lehrenden Gewinn; die Auseinandersetzung mit anderen Weltsichten gibt mir neue Impulse, bringt mich dazu, die eigene Position kritischer zu betrachten.

Auch der Konkurrenzdruck hat eine produktive Komponente: Er zwingt mich, mich zu bewegen, mich mit aktuellen Entwicklungen auseinanderzusetzen, besser zu werden. Ob allerdings die Berliner Verhältnisse – Hunderte von Fotografieabsolventen, die gekommen sind, um zu bleiben und sich mit Dumpingpreisen die wenigen Jobs streitig machen – in diesem Sinne noch produktiv zu nennen sind, sei dahingestellt.

Ist Fotograf also ein Beruf mit Zukunft?
Es gilt für Fotografen im Wesentlichen zwei große Krisen zu bewältigen: eine technische – wir haben gestern schon darüber gesprochen – und eine Absatzkrise, die aus dem Überangebot an Fotografien und ihrer gleichzeitigen weltweiten Verfügbarkeit resultiert.

BerlinPhotoWorkshops - Interview mit Peter Oehlmann

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Nicht alles tun was möglich ist – analog vs. digital Fotografie

Ein Thema, das alle Fotografen in den letzten zehn Jahren wie kein anderes beschäftigt hat: Werde ich digital? Für die meisten angewandten Kolleginnen und Kollegen hat sich diese Frage längst erübrigt und sie sind ganz selbstverständlich im digitalen Zeitalter angekommen und können sich gar nichts anderes mehr vorstellen.

Ohne den Inhalt des folgenden Beitrags vorwegzunehmen kann man sagen: Digital ist normal! Aber, das war ein Prozess, der in den letzten Jahren die Szene stärker bestimmt hat als die Diskussion über Bildinhalte und Bildsprache. Erst langsam scheinen wir in der neuen Realität anzukommen.

Ich habe den Fotografen Peter Oehlmann nach seinen Einschätzungen und Erfahrungen zu diesem Thema befragt und ungewöhnlich ausführlich Antwort erhalten, so ausführlich, dass daraus dieser eigenständige Text wurde; ein Beleg dafür, das die Frage ins ‘Schwarze’ getroffen hat und das Thema aktuell bleibt:

Wie haben Sie als Fotograf die Jahre des Übergangs von der analogen zur digitalen Fotografie empfunden und erlebt? Denken Sie, es gibt eine Chance, das beide Aufnahmemedien dauerhaft parallel existieren?

Zu diesem Thema werden ganze Dissertationen geschrieben, hier nur einige Gedankensplitter: Ich erinnere mich noch gut an die Unkenrufe, die das Ende der „Schwarzen Kunst“ prophezeiten, als im Druckgewerbe der Bleisatz durch den computergesteuerten Lichtsatz abgelöst wurde. Und doch werden noch immer jede Menge wunderbare Bücher produziert – und immer noch jede Menge Mist.

Firmen, die die Entwicklung verschlafen haben, sind auf der Strecke geblieben. Andere, oft Quereinsteiger, haben sich an ihre Spitze gestellt. Und einige Enthusiasten haben die alten Technologien wie Handsatz, Buchdruck oder Lichtdruck in ein elitäres und mehr oder minder lukratives Nischendasein hinüber gerettet.

© Peter Oehlmann aus ‘Winterreise’
© Peter Oehlmann aus ‘Winterreise’

Eine vergleichbare Entwicklung macht seit mehr als zehn Jahren die Fotografie durch – mit allen Verwerfungen und Irritationen, unerwarteten Gewinnen und unwiederbringlichen Verlusten. Während lange Zeit die mangelhafte Qualität digital erzeugter Fotografie dem Film zumindest im Profisektor das Überleben sicherte, haben sich in den letzten Jahren die Verhältnisse gewandelt. Eine Qualität, die die analoge Kleinbildfotografie längst hinter sich gelassen hat und teilweise mit dem Mittelformat konkurrieren kann, hat in Verbindung mit gefallenen Preisen dazu geführt, daß heute in der professionellen Fotografie überwiegend digital fotografiert wird.

Zwar gibt es genrespezifische Abweichungen, die teils in den astronomischen Preisen für digitale Mittel- und Großformatrückteile, teils in noch nicht zufriedenstellend gemeisterten technischen Problemen begründet sind. Aber die Richtung der Entwicklung scheint unumkehrbar, zumal das gewinnträchtige Consumersegment praktisch durchgängig digitalisiert ist.

Ich habe 2001 begonnen digital zu fotografieren, als ich einige Aufträge bekam, die ausschließlich auf die Veröffentlichung im Web zielten. Die erste Kamera war irgendeine Minolta mit 7 Megapixeln, mit einer für damalige Verhältnisse recht brauchbaren Bildqualität, aber mit einem äußerst gewöhnungsbedürftigen Digitalsucher und einer Auslöseverzögerung, die immer wieder für Überraschungen gut war – wenn die Kamera sich endlich zur Aufnahme bequemte, war das Leben immer schon ein Stück weiter gegangen.

© Peter Oehlmann aus ‘Winterreise’
© Peter Oehlmann aus ‘Winterreise’

Seitdem hat sich einiges getan, siehe oben. Ich habe mich auf die digitale Technik eingelassen und ich möchte einige der Möglichkeiten, die sie mir bietet, nicht mehr missen – trotz mancher Nachteile.

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Noch bis 20. Mai anmelden – Fotografie SommerWorkshops in Berlin

Die von Fotografen initiierten und geleiteten BerlinPhotoWorkshops bieten in diesem Jahr eine Reihe von einwöchigen SommerWorkshops an. Die Stadt Berlin bietet hierbei nicht nur die Gelegenheit zu einer Sommerreise, sondern ist auch urbaner Hintergrund und thematische Klammer der angebotenen Workshops:

Arwed Messmer: Bodenhaftung – mit Stativ und Kamera durch die Stadt

Göran Gnaudschun: Das fotografische Portrait

Wolfgang Bellwinkel: Abbild – Konstrukt

Peter Oehlmann, Kai-Olaf Hesse: WalkOn – Digitale Metaphern der Stadt

Karl-Ludwig Lange: Stadtfotografie

Interessenten können sich bis zum 20. Mai per eMail bewerben. Informationen unter www.berlinphotoworkshops.de

Wir bringen morgen – am 14.05.2008 – hier auf bildwerk3 ein Interview mit Peter Oehlmann zu Berlin und natürlich zu den BerlinPhotoWorkshops.

BerlinPhotoWorkshops

DESIGNKLICK heißt jetzt seen.by

… und kommt nach dem Relaunch ganz aufgeräumt und webkonform daher. Immernoch ist seen.by ein Webtool für Kreative zum Präsentieren ihrer Werke, wobei zwischen Fotografie, Grafik & Illustration, Fashion & Style und Design unterschieden wird. Kreative können kostenlos ihre Lieblingsbilder hochladen, die Bilder werden geprüft, ob sie den Anforderungen und Qualitätskriterien entsprechen und entweder zugelassen oder abgelehnt.

So kann sich jeder nach und nach ein kleines Portfolio zusammenbauen – erlaubt sind maximal 20 Bilder – und bei nächster Gelegenheit darauf verweisen. Neu und praktisch ist die Verwendung suchmaschinenfreundlicher URL’s und die Verwendung von suchmaschinenlesbarem Content. Man hat also weitgehend – mal abgesehen vom Banner auf der Startseite – auf Flash verzichtet. Eine geglückte Neuauflage würde ich sagen. Mein Portfolio heißt jetzt: seen.by/marko-radloff

seen.by - international fine art

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FOTOBILD 2008 – VIEWING – Das Interview

Heute starten auf der FOTOBILD in Berlin die Portfoliosichtungen. An dieser Stelle war eigentlich das Interview mit Jonas Braus von der Edition Braus geplant, das aber leider aus Termingründen nicht mehr hingehauen hat und das wir verschieben bzw. nachreichen … Stattdessen gibt es noch einmal den Hinweis auf unsere Interviews mit Dr. Enno Kaufhold und Thomas Kellner, die zur FOTOBILD 07 unsere Interviewpartner waren und denen wir unsere ‘Fragen an Viewer’ gestellt haben. Allen Sichtern und allen Fotografen megamäßige Einblicke bzw. Einsichten!

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