5. Juli 2010 11

Gespielt, gejubelt, fotografiert. Wie entstehen die WM-Bilder

Marcus Brandt, dpa

Bildjournalist Marcus Brandt - im Einsatz für die dpa bei der Fußball WM 2010 in Südafrika

Schauplatz Südafrika, FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2010: Szenen jedes Spiels werden von mehr als 300 Fotografen aufgenommen, dreihundert Fotografen, die am Spielfeldrand oder auf der Tribüne ihre Positionen beziehen und konzentriert dem Spielverlauf folgen und das Geschehen in Bildern festhalten.

Die ersten Bilder sind in weniger als fünf Minuten verfügbar und werden weltweit nachgefragt. Dahinter steckt eine fotologistische Herausforderung: von der Aufnahme über die korrekte Beschriftung des einzelnen Bildes hinüber in die Systeme des einen oder anderen Bildredakteurs.

Die meiste Arbeit fällt bei den Fotografen an. Marcus Brandt ist einer von ihnen. Er ist für die Deutsche Presseagentur (DPA) bei jedem Spiel in Südafrika dabei und er begleitet auch die deutsche Mannschaft während dieser Zeit. Auch wenn Deutschland das Finale am 12.07.2010 in Johannesburg nicht erreicht bleibt Brandt bis zum letzten Spiel. Der Rückflug ist gebucht – für den Tag danach.

© Marcus Brandt/dpa

Neuer rettet das eigentlich nicht mehr zu Rettende: in diesem Moment würde es gegen England 1:1 stehen ... © Marcus Brandt, dpa

weiterlesen …

14. Juni 2010 1

Fotografen sollten nicht allein auf klassischen Fotojournalismus setzen

Im Vorfeld des Lumix Festival (16.06.–20.06. in Hannover) habe ich mit Professor Rolf Nobel von der FH in Hannover gesprochen. Dieses Interview gibt es heute bei Bildwerk3 bevor wir in den nächsten Tagen noch einige fotojournalistische Arbeiten aus dem Umfeld des Festivals zeigen dürfen.

Professor Nobel ist Initiator und Leiter des Festivals und als Professor für den Studiengang Fotografie an der FH in Hannover einer der maßgeblichen Stimmen in der fotojournalistischen Ausbildung in Deutschland. Ich habe ihn nach den Dingen gefragt, die bei der zweiten Ausgabe des Festivals anders und besser laufen sollen aber auch nach den Perspektiven junger Fotojournalisten in Zeiten des medialen Wandels …

Bildwerk3/Marko Radloff: In diesem Jahr findet das Lumix Festival nach 2008 zum zweiten Mal statt. Was haben Sie in diesem Jahr besser gemacht?
Professor Rolf Nobel: Wir werden zum Beispiel die Fotografenvorträge simultan übersetzen lassen. Also von Englisch in Deutsch und umgekehrt. Das machen wir über einen kleinen stationären UKW-Sender. Wer ein kleines Radio mitbringt, kann dann die Stimme des Dolmetschers im Kopfhörer empfangen. Wir verkaufen auch kleine Radios für 3 Euro das Stück, die man dann für alle Übersetzungen während des Festivals nutzen kann.

Wir haben nach Hinweisen diesmal auch ein viel besseres Leitsystem auf dem Expo-Gelände installiert. Man wird sich also gut zurechtfinden können. Und wir haben in diesem Jahr einen Katalog vom Ausstellungsprogramm herausgegeben, der mit etwa 300 Seiten Umfang für unter 20 Euro zu bekommen ist.

Weiterhin haben wir die sogenannten »Begegnungen« eingeführt. Die Fotografen zahlreicher Ausstellungs-Reportagen finden sich zu einer angekündigten Zeit vor ihrer Ausstellung ein und Interessierte können dann mit dem Fotografen ins Gespräch kommen. Und wir haben einige Gesprächsrunden mit jeweils mehreren Fotografen der Ausstellungsarbeiten vorbereitet. Da kann man dann z.B. von mehreren Fotografen, die in Kriegs- oder Krisengebieten gearbeitet haben, alles Wissenswerte darüber erfahren. Weitere Themen dieser Runden werden u.a. Multimedia, Alltagsthemen und das dänische Erfolgsmodell im Fotojournalismus sein. Insgesamt wollen wir diesmal noch intensiver den Austausch und die Begegnung fördern.

weiterlesen …

3. Mai 2010 3

Aspekte der Seenotrettung fotografisch umsetzen

Thomas Steuer hat sich für seine Diplomarbeit mehr als einmal ins Wasser begeben und sich von den Mitarbeitern der DGzRS – der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger herausholen lassen.

In einem Gastbeitrag für Bildwerk3 schildert er die Herangehensweise und die Umstände seiner Arbeit. Wer Fragen zu den Aspekten Überlegung, Planung und Umsetzung einer fotografischen Arbeit hat, kann sie hier gern stellen und ich denke, wir finden gemeinsam auch Antworten.

Vielen Dank schon einmal an den Fotografen Thomas Steuer für seine faszinierenden Aufnahmen und natürlich auch dafür, das wir sie hier zeigen dürfen.

© Thomas Steuer Fotodesign

© Thomas Steuer Fotodesign

Konzept und Planung

In meiner Diplomarbeit beschäftige ich mich mit den Seenotrettern der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS / www.seenotretter.de). Mein Interesse gilt den Menschen, die sich hinter den Seenotrettern verbergen – und der Thematik Meer überhaupt.

Helden, Retter, Seemänner. In meinen Bildern möchte ich Menschen zeigen, die den Naturgewalten trotzen, sie respektieren und mit nötigem Weitblick agieren. Helden, die sich darüber hinaus nicht als Helden fühlen, weil sie Profis sind.

weiterlesen …

30. April 2010 0

Wir haben unseren Finger am Puls der gesamten Bild-Community

Stefan Hartmann sprach mit Pam Grossman, Creative Researcher bei Getty Images in Seattle. Stefan Hartmann ist Chefredakteur von PICTORIAL – Art Buyer’s Digest – eines fast ganz neuen und regelmäßig erscheinenden Magazins über die neuesten Entwicklungen in der Bildbranche.

Das folgende Interview stammt aus der aktuellen Ausgabe (3/2010) und wir dürfen das hier veröffentlichen. Vielen Dank an Stefan Hartmann!

Es geht die Fama, dass vor langer Zeit auf einer gemeinsamen Party von Getty- und Corbis-Mitarbeitern – beide Big Player sind ja Nachbarn in Seattle – einmal eine Wahrsagerin engagiert worden sei. Man wollte von der Dame wissen, welche Bilder im nächsten Jahr trendy und en vogue sein würden. Ob die Kristallkugel wirklich geholfen hat, ist leider nicht verbürgt.

Aber der wahre Kern der Geschichte dürfte sein, dass sie eine Ur-Angst von Bildagenturen thematisiert: Denn nichts fürchtet eine Agentur mehr, als den Trend der Zeit zu verschlafen, mit abgehangenen Bildern abgehängt zu werden. Und bei Kunden mit dem Stempel des „ewig gestrigen“ und angestaubten aussortiert zu werden.

Vorbei sind die Zeiten, in denen eine hochwertige Bildproduktion durchaus einige Jahre am Markt bestehen konnte, die Halbwertzeit von Agenturbildern sinkt mehr und mehr – zumindest in den umsatzstarken Genres wie People, Lifestyle, durchaus aber auch bei Travel-, Architektur oder Food-Fotografie.

Neu produzieren ist also angesagt. Aber was? Welche Themen? In welchen Farben? In welchem Stil? Trend-Scouting lautet das Zauberwort, Research-Teams, die Trendforschung betreiben, die weltweit Medien analysieren oder gar Scouts ausschicken, um die neuesten Entwicklungen zu antizipieren. Und das möglichst frühzeitig, denn das organisierte Produzieren von trendy Bildern braucht einfach seine Zeit.

Jasper White (Getty Images) inszeniert den Wirtschafts-Crash in der Mülltonne.

Jasper White (Getty Images) inszeniert den Wirtschafts-Crash in der Mülltonne.

Stefan Hartmann: Trend-Scouting, für Uneingeweihte klingt das ein bisschen nach Lesen im Kaffeesatz. Was tun Sie, wenn die Kristallkugel einmal dunkel bleibt und die Runen versagen?

Pam Grossman: Glücklicherweise haben Trendanalysen nichts mit übersinnlicher Wahrnehmung zu tun – andernfalls hätten wir ein echtes Problem!

Wir bei Getty Images haben eine bessere Methode entwickelt, um herauszufinden, welche Bilder wir für unsere Kunden produzieren sollten. Wir bezeichnen diese Technik als „Hindsight, 20/20, and the Future” („Hinterher ist man immer klüger – und was bringt die Zukunft“), da sie eine echte 360-Grad-Sicht auf die visuelle Landschaft ermöglicht.

weiterlesen …

8. April 2010 1

Fotobücher machen Fotoarbeiten körperlich

Ein wichtiges Mittel für frei arbeitende Fotografen, um sich einen Namen zu machen sind Fotobücher. Nicht zu verwechseln mit Fotografie-Büchern – Bücher die einem lediglich helfen, die technischen und gestalterischen Aspekte von Fotografie zu verstehen.

Wer als Fotograf bereits ein fertiges Buch in der Schublade hat oder eine Idee für ein Fotobuch und schon erste Vorarbeiten dazu, sollte sich überlegen, es bei einer Dummy-Sichtung zu präsentieren.

Nächste Gelegenheit: anlässlich der Fotobuchtage in Hamburg vom 04. bis 06. Juni 2010. Wie ich von Jasmin Seck – Leiter der Fotobuchtage – erfahren habe sind noch einige Plätze dort frei.

Direkt zur Seite für die Dummysichtungen – vor allem dort die eindrucksvolle Liste der Sichter(!) studieren … Was haltet Ihr von diesem Thema? Hat schon mal jemand über ein eigenes Fotobuch nachgedacht?

Fotobuchtage 2010

Jasmin Seck und ich haben das Thema Fotobuch einmal in Form eines Interviews behandelt. Wobei, wie ich finde, ganz gut raus kommt was Fotobücher eigentlich sind und für wen Fotobücher besonders interessant sind plus einiger Anmerkungen zum Thema Dummysichtung:

Marko Radloff/Bildwerk3: Was ist ein Fotobuch-Dummy?
Jasmin Seck: Ein Fotobuch-Dummy ist für Fotografen, die ihre Arbeit in Buchform veröffentlichen wollen, im Grunde ein Entwurf des späteren Fotobuches. Die Fertigung eines Dummys kann manuell oder digital erfolgen, wichtig ist lediglich, dass er in gedruckter Form vorliegt.

weiterlesen …

22. März 2010 5

Immer weniger Platz für mehrseitige Fotogeschichten. Und dennoch …

Fotografie kann Geschichten über Menschen erzählen. Manchmal vergesse ich das. Manchmal gerät das überhaupt in Vergessenheit, angesichts kaum noch beherrschbarer Bilderfluten, allzu leicht gewordener Inszenierung und technischer Perfektion …

Da hilft ein Blick auf’s Portfolio von Gruppe28einer Fotografenagentur aus Hamburg – die sich zum Ziel gesetzt hat fotografische Individualität und eine eigenständige Bildsprache und vor allem Geschichten herauszustellen.

Ich habe mit Silvia Schwack-Schmitz über das Selbstverständnis von Gruppe28, über die schwierige Lage bei den Magazinen und mögliche Auswege über den Umgang mit dem fotografischen Nachwuchs und ihre Liebe zu Hamburg gesprochen.

© Walter Schmitz/Gruppe28

Ikea Store in Peking: Studenten Wang und Oulei sitzen zur Probe auf einem Bett. - 2003 © Walter Schmitz/Gruppe28

Marko Radloff/Bildwerk3: Seit wann gibt es Gruppe28 und was war der Auslöser, sich zusammen zu tun?
Silvia Schwack-Schmitz/Gruppe28: Die Gründung der Gruppe28 liegt im Herbst 2007 – online gibt es uns seit April 2008. Unser Ziel war es, eine Agentur ins Leben zu rufen die sich von den großen Massenagenturen abhebt.

Wir verstehen Fotografie nicht in erster Linie als ein beliebig austauschbares Produkt und Fotografen nicht als namenloses Herdenvieh sondern suchen hinsichtlich Bildsprache und Thematik nach Individualität und Charakter. Was es nicht unbedingt einfacher macht aber uns Spaß bringt und den wollen wir unbedingt in unserer Arbeit haben, sonst würden wir was anderes tun … ;-)

weiterlesen …

16. Februar 2010 2

Fotografieren im Berlinale-Rhythmus

Akkus geladen, Speicherkarten leer, Blitz in Bereitschaft; ein kurzer Blick auf die Kameraeinstellungen, ein Blick zum Nebenmann und los geht die Show. Die Plätze an den roten Teppichen dieser Welt sind reglementiert und dpa-Fotograf Jens Kalaene gehört berufsmäßig zu denjenigen Fotografen, die vom Rand die Bilder machen, die die Welt sehen möchte, die die Stars für ihren Ruhm benötigen, nach denen Veranstalter und Medien verlangen.

So nicht anders in Berlin, nicht anders zur Berlinale, nicht anders zur Eröffnungsfeier vor dem Berlinalepalast am Potsdamer Platz in der letzten Woche. Es gibt noch fünf weitere Fotografen der Deutschen Presseagentur, die an diesem Abend dabei sind: unmittelbar im Eingangsbereich und im Saal.

© picture alliance/ dpa/ Jens Kalaene

Ein Blick dem Fotografen: Schauspielerin Jessica Schwarz auf der 60. Berlinale © picture alliance/ dpa/ Jens Kalaene

weiterlesen …