17. Juli 2008 0

Zur Geschichte der Bildagenturen: Die Entwicklung des Bildermarktes (Teil 4)

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Matthias Bruhn: Die Entwicklung des Bildermarktes (Teil 4.)

Es bleibt daher von der Perspektive und Fragestellung abhängig, wie man die Entwicklungen des Bildmarktes deuten will. Der gegenwärtige Medienumbruch wird in der Literatur gerne mit Schlagwörtern wie „postfotografisch“ belegt; während die einen eine technische Revolution im Gange sehen, hat sich für die anderen wenig geändert, da Bildmotive und Bildfunktionen in weiten Teilen unverändert bleiben und auch der Streit vor Gerichten um Autorschaft und Tantiemen derselbe bleibt.

Neue Kampagnen und Absatzversuche wie Magnum in Motion, oder die Gründung von View (durch Gruner+Jahr) oder Best Picture (durch Keystone Schweiz) stellen sich aus der Sicht des Historikers wohl als Renaissance der Bildreportage dar, während sie anbieterseitig eine konkrete technologische und ökonomische Krise überwinden helfen sollen. Wenn neuerdings, nun aber auch schon seit gut 10 Jahren, in kunsthistorischen Kreisen die Rede vom Iconic Turn, von der „neuen Macht der Bilder“ zirkuliert, so wird hier als Wende oder Modernisierungsschub begriffen, was zufällig genau den Zeitpunkt einer multimedialen Branchenkrise trifft.

Der Bildagenturvertrieb steuert seit gut einhundert Jahren ein gewaltiges Angebot und verdichtet daraus die kleineren Tagesangebote, die die Bildwelt bestimmen. Zugleich wird der Beruf des professionellen Bildredakteurs heute weiter zurückgedrängt, wenn ich dies richtig beobachte. Die verbleibenden Redakteure in Print oder Fernsehen sind in vielen Fällen auf Konsumerfahrungen angewiesen und müssen aus ihrer eigenen Erfahrung als Konsument ableiten, was ein gedachtes Publikum sehen möchte oder die Textredaktion für bildwürdig hält.

Die Veränderungen der Redaktions- und Verlagsstrukturen wirken sich dabei insgesamt beschleunigend auf die Motiv- und Anbieterkonvergenzen aus. Der Betrieb aus Fotografen, Agenturen und Redakteuren kann dadurch blind gegen das Detail werden und sich auf eingeübte Strukturen und Wege verlassen. Sie können Indikator von professionellen Kurzschlüssen und Eilentscheidungen sein.

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14. Juli 2008 2

Zur Geschichte der Bildagenturen: Was sind Bildagenturen (Teil 3)

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Matthias Bruhn: Was sind Bildagenturen (Teil 3.)

Was Bildagenturen sind, lässt sich eigentlich nicht verbindlich bestimmen, denn sie sind aus Fotoarchiven, Kunstverlagen und Telegrafenbüros hervorgegangen, verbinden Prinzipien des Versandhandels mit Verlagsaufgaben, den Bildaustausch mit der Textnachricht. Das Foto steht in Konkurrenz zum transitorischen Fernsehbild und der multimedialen Information.

Je nach Definition beginnt die Geschichte der Nachrichtenagenturen also mit dem Illustrationswesen um 1830 und ihrem Bedarf nach Nachrichten, mit den Anfängen der reproduzierbaren Fotografie, mit dem Aufbau von Nachrichtennetzen (Havas, Reuter, Wolff, AP) Mitte des 19. Jahrhunderts oder mit dem Weltmarktvertrieb für Bilder, wie er durch Keystone oder Underwood großgemacht wurde.

Im Sinne individueller Bildleistungen fahndet die Forschung bevorzugt nach prominenten Vertretern einer Zunft oder legt Chroniken einzelner Unternehmen, vor allem AP, Keystone und Magnum vor. Damit folgt sie weiterhin der Idee eines geistigen Urhebers, der auch in einem agenturmäßig organisierten Betrieb noch seine Autorität und Eigenart hat. Der Markt ist das Feld, auf dem sich eine unternehmerische, journalistische oder künstlerische Idee bewähren muss.

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11. Juli 2008 2

Zur Geschichte der Bildagenturen: Fotorecht als Leistungsschutz – Die Entstehung der Bildagenturen (Teil 2)

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Matthias Bruhn: Fotorecht als Leistungsschutz – Die Entstehung der Bildagenturen (Teil 2.)

Jetzt musste das Verhältnis von Kunst und Bild, der Kunstwert der Fotografie und die Autorschaft und Originalität technisch reproduzierbarer Darstellungen neu ausgehandelt werden. Als technisch erzeugtes, vermeintlich interventionsfreies Bild, nach den Regeln industrieller Produktion, arbeitsteilig, unter Zeitdruck und auf Vorrat hergestellt, sollte auch die instantane Fotografie – zumindest nach dem Willen ihrer Hersteller – Schutz genießen und Grundlage urheberrechtlicher Ansprüche sein. Dies wurde zum Beispiel im deutschen Sprachraum in den Jahren 1876 und 1907 im Kunstrecht geregelt. Die Schweizer Technikhistorikerin Monika Dommann hat diese durchaus schwierige Geburt des Fotorechts als eines Leistungsschutzes in sehr lesenswerten Aufsätzen rekonstruiert und gezeigt, wie sich der Begriff des Autors gerade im Zeitalter der fotografischen Bildproduktion aufrechterhalten und verfestigen konnte.

Dass Bilder eine Bewertung auch im gewerblichen Sinne erfahren, dass sie überhaupt einen bestimmbaren Preis haben, beruht auf dieser längeren Geschichte der Bildkunst. Hier entfaltet sich das System der Kunst konsequent weiter, in einer ganz spezifischen Weise, über Tarifordnungen, Berufsbilder, Rechtskodifizierungen.

Die Hochphase moderner Kunst, die vor hundert Jahren in den Arbeiten der klassischen Avantgarde kulminierte und einen grundlegenden Bruch mit den repräsentativen Aufgaben der Bildkunst markierte, fällt damit zugleich in die Anfänge eines Bildversorgungssystems, das die heutige Gesellschaft durchzieht: das System der Bildagenturen. Sie sind das Produkt eines Kommunikations- und Organisationsschubes, der zur Jahrhundertwende hereinbrach und einen Wandel von Geschäftsmodellen und Märkten mit sich brachte. Theorien der Absatzsteigerung, der Wertschöpfung und der Betriebsoptimierung dürften in besonderem Maße für die Entstehung von Bildagenturen verantwortlich gewesen sein, weil ihr Produkt, die Fotografie, nun massenhaft fabrizierbar, aber auch alterungsfähig war und daher der ausgeklügelten Logistik und der Investition bedurfte.

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10. Juli 2008 1

Zur Geschichte der Bildagenturen: Vom Bild und vom Bildner (Teil 1)

Matthias Bruhn ist Kunsthistoriker und hat nach seinem Studium zeitweilig für eine international tätige Stock-Agentur gearbeitet, ehe er für eine Forschungsstelle der Universität Hamburg tätig wurde. Deren Schwerpunkt widmet sich dem Feld der sogenannten „Politischen Ikonographie“, eine besondere Ausrichtung der jüngeren Kunstgeschichte.

Ich habe Matthias Bruhn auf der PICTA 2008 in Hamburg kennengelernt und von ihm die Erlaubnis erhalten seinen Vortrag zur Geschichte der Bildagenturen, der in den nächsten Tagen in drei Teilen hier erscheinen wird, zu veröffentlichen. Der Vortrag wurde auf Anregung von Bernd Weise, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Pressebild-Agenturen und Bildarchive e.V. angeregt. Herzlichen Dank auch an ihn, für die Genemigung zu einer Veröffentlichung.

Matthias Bruhn: Vom Bild und vom Bildner (Teil 1.)

Durch die Rolle, die den Künsten für die Kommunikation von Anschauungen, von politischen Verhältnissen oder von Rechtsvorstellungen im Laufe der Geschichte zuwuchs, wurde schon vor Jahrhunderten festgelegt, welch hoher Stellenwert dem Bild ganz grundsätzlich zukommt, sei es als repräsentativer Schmuck, als Mittel der Propaganda oder als Übermittler von Nachrichten. Ohne diese gesellschaftliche Aufwertung des Bildlichen gäbe es auch das heutige konkrete Interesse am Bildlichen nicht, nicht den Bildermarkt, nicht die Bewertungskriterien und Honorarlisten für Bilder, den benennbaren Autor, das besondere Motiv oder die messbare Originalität eine bestimmten Darstellung.

In dauernder Konkurrenz hat sich allerdings neben dem Auftraggeber, also etwa einem Regenten und seinen Abzeichen, auch die Signatur des Gestalters etabliert, der sich dem Dargestellten unmittelbar an die Seite stellt, indem er als geistiger Urheber eines Bildes auftritt, eine bestimmte Gestaltung zu verantworten hat, ja sogar den Namen des Dargestellten vollständig überschreiben und auch überdauern kann – unübersehbar wird dies bei den zahllosen Beispielen berühmter Bildnisse der europäischen Kunst, bei denen zwar Van Dyck oder Rembrandt als Hersteller überliefert sind und allgemein geschätzt werden, vom Dargestellten aber nur noch der Bildtitel „Bildnis eines Unbekannten“ übrig ist.

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  • Christian Ernst: Hallo Marko, vielen Dank, der Katalog ist bei mir angekommen. Werde ihn mir die nächsten Abende mal anschauen. Viele Grüße,...
  • tina: halleluja, da treiben die Fotografen ja fast genauso Hochleistungssport wie die Jungs auf dem Spielfeld. Respekt! Und vielen Dank ...

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