Mit überbelichtetem Filmmaterial und digitaler Nachbearbeitung. Nachwuchsfotograf Daniel Müller Jansen

© Daniel Müller Jansen - Diffuse Vertrautheit
© Daniel Müller Jansen - Diffuse Vertrautheit

© Daniel Müller Jansen - Diffuse Vertrautheit

Daniel Müller Jansen murmelt seine Kamera an, bevor er auslöst. Warum? Die Antwort im Bw3-Nachwuchsinterview:

Bildwerk3: Studium, Ausbildung oder Assistenz: Was hast Du selbst unternommen? Was hast Du selbst noch vor?
Daniel Müller Jansen: Von 2004 bis 2009 habe ich an der Hochschule für Künste in Bremen Fotografie bei Professor Peter Bialobrzeski studiert. In der Mitte meines Studiums hoffte ich einmal ein guter journalistisch arbeitender Fotograf zu werden.

In dieser Zeit habe ich ein Praktikum in der Bildredaktion der Zeitschrift GEO gemacht. Im Verlauf meines Studiums habe ich mich jedoch immer mehr der künstlerischen Fotografie angenähert und besuchte daher Seminare der Fotogeschichte sowie der Kunsttheorie bei Professor Michael Glasmeier.

Heute bewegen sich meine Arbeiten zwischen künstlerischer und dokumentarischer Fotografie.

Wie würdest Du Deine bisherigen fotografischen Arbeiten charakterisieren? Nenne fünf Adjektive.
Statisch, distanziert, konzeptionell, seriell, sich auflösend oder leuchtend

Gibt es etwas, das Du als Dein fotografisches Thema bezeichnen würdest?
Urbane Strukturen plus Architekturen! Ich nutzte die Möglichkeiten der Fotografie, um gesellschaftliche Veränderungsprozesse oder politische Strukturen anhand von Architekturen zu thematisieren.

Die Frage die ich mir dabei immer wieder stelle: Wie kann ich durch das Fotografieren von Architekturen etwas über unsere Gesellschaft erzählen – etwas, dass über die gezeigten Oberflächen hinaus geht?

Ist Fotografie Deine Hauptsache? Oder gibt es für Dich noch andere Kreativtechniken?
Meine Arbeiten sind sehr fotografisch. Sie sagen viel darüber, wie die Dinge aussehen, wenn sie auf eine ganz bestimmte Art und Weise und durch eine bestimmte Technik entstehen. Und die Arbeiten sind stark in unserer Zeit behaftet, weil wir uns erst durch die technischen Möglichkeiten die Dinge so ansehen können.

So entstehen alle meine Arbeiten durch eine Kombination aus überbelichtetem Filmmaterial und digitaler Nachbearbeitung. Nicht die bestmögliche Detailwiedergabe, sondern gleißende oder sich auflösende Bilder sind entstanden, die auf diese Weise einen unverbrauchten Blick liefern.

So fotografiere ich zum Beispiel bei starkem und direktem Sonnenlicht oder bei zu diffusem und nebeligem Wetter.

Nenne fünf Eigenschaften, die eine Kamera, mit der Du arbeitest, unbedingt haben sollte.
Es gibt zwei Eigenschaften: Sie muss analog sein um die gewünschten Effekte in meinen Bildern zu erreichen.

Und ich arbeite gerne mit einer Großbildkamera, da sich die ruhige und statische Arbeitsweise in die Bildsprache überträgt.

Trägst Du Dein Equipment in einem Rucksack oder in einem Koffer mit Dir herum?
Meine Großbildkamera befördere ich fast ausschließlich mit dem Auto. Einige meiner Arbeiten entstehen aber auch mit einer Mittelformatkamera. Mit dieser habe ich für mein Diplomprojekt in südafrikanischen Townships fotografiert. Dort mit einer Großbildkamera zu arbeiten war unmöglich.

Machen Vorbilder die Arbeit schwerer oder leichter? Hast Du jemanden, an dessen Arbeit Du dich orientierst?
Es gibt nicht den einen Fotografen als Vorbild, aber immer wieder einzelne Fotografien, die ich auf einer Ausstellung oder in einem Buch für mich entdecke. Diese können als eine Inspirationsquelle für eine neue Serie dienen.

Generell halte ich ein breites und tiefes Bilderwissen für sehr wichtig. Wer viele Bilder kennt, versteht auch mehr über ihre Zusammenhänge – ihre Hintergründe – warum sie so sind, wie sie sind.

Breiteres Spektrum oder Spezialisierung: Worauf willst Du Dich in Zukunft einlassen?
Ich sehe meine Arbeiten an der Wand. Daher spreche ich auch eher von Bildern als von Fotografien. Mein Hauptanliegen ist diese Bilder auszustellen.

Im vergangenen Jahr hatte ich das Glück erste wichtige Ausstellungen, wie beispielsweise beim 4. Leipziger F/Stop zu haben. Eine feste Galerie, die mich dauerhaft vertritt und mit mir zusammen Ausstellungen plant, ist mein nächstes Ziel.

Wann hast Du das letzte Mal einfach nur so fotografiert? Und, ist etwas dabei heraus gekommen?
Selten fotografiere ich einfach nur so. Es gab ein Motiv, für das ich bereits zum dritten mal quer durch Deutschland gefahren bin, um es im „richtigen“ Licht zu fotografieren. Als das Licht wieder nicht stimmte, habe ich die Bilder trotzdem geschossen, obwohl ich wusste, dass es viel zu sonnig war.

Nicht die bestmögliche Detailwiedergabe, dafür aber gleißende und sich auflösende Bilder waren die Folge. Diese Bilder waren der Auslöser weitere Architekturen bei starkem und direktem Sonnenlicht zu fotografieren. Das tue ich nun schon fünf Jahre.

Ein besonderes Foto: Zufall oder Planung?
Ich erstelle mir für jede Serie eine individuelle Liste mit Dingen, die auf die späteren Bilder zutreffen sollen. Kurz vor dem Auslösen überprüfe ich, ob alle gewünschten Faktoren zutreffen.

Diese Faktoren murmel ich dann vor mich hin. So zum Beispiel bei der Serie Diffuse Vertrautheit: Industriearchitektur plus Wohnort, unbelebt, diffuses Licht, Nebel, Überbelichtung, … dann löse ich aus.

Fotograf Daniel Müller Jansen

Veröffentlicht von Marko Radloff

Marko Radloff ist Gründer und Herausgeber von Bildwerk3. Bei Bildwerk3 Fotoarbeiten zeigen? Submission! Über Marko Radloff: XING Bildwerk3 unterstützen? Über diesen Link einkaufen.

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