Einmalig und nicht retuschiert: 100 Girls auf Polaroid. Fotograf Alexander Gnädinger

© Alexander Gnädinger

Polaroids bringen Authentizität. Fotografie aus ihren Anfängen: Es gibt eine Stelle in Walther Benjamins Kleinen Geschichte der Photographie, in der er die natürliche Skepsis, den natürlichen Trotz beschreibt, die auf den ersten Fotografien von Menschen in ihren Gesichtern, in ihrer Haltung zu erkennen gewesen sei. Soweit zurück gehen Gnädigers Fotografien natürlich nicht; Gnädigers Modelle – allesamt Profis – haben die Pose nicht verlernt.

Später habe sich der Mensch an seine Wirkung auf Fotografien angepasst – und die Fotografie ihre Unschuld verloren, schreibt Benjamin. (ich liebe diesen schwer durchdringbaren Aufsatz und deshalb dieser etwas umständliche Beginn)

© Alexander Gnädinger

© Alexander Gnädinger

Es wird oft beklagt, das kommerzielle Fotografie jedes Wirklichkeitsgefühl verloren hat und billige Traumwelten erzeugt, die allein auf Wirkung hin berechnet werden. Da ist wohl was dran. Und deswegen schaffen es Gnädigers Polaroids ein wenig von dem Flair zurückzuschenken – ein Stück von der Illusion: so und nicht anders ist es gewesen – wiederzubringen.

Polaroids sind einmalig und unvollkommen. Technisch gesehen. Deswegen wirken sie spontan, wie leicht hingeworfene Eindrücke, dabei sind sie doch, in diesem Fall unbedingt, bewusst gewählte Ausschnitte, mit Licht und Schatten arbeitende, auf die Mimik und Gestik der Modelle abzielende kleine Momentkunstwerke – die durch pastellene Farben, schmeichelhafte Kontraste, unscharfe Kanten ganz entzückend rüberkommen.

Heute – 22. September 2010 – ist Vernissage in der G3Gallery in Hamburg.

Zu sehen ist eine Auswahl der Bilder als Prints auf Büttenpapier in einer konzentrierten Galerieausstellung dort noch bis zum 26. November 2010. (das Buch zur Serie 100 Girls auf Polaroid)

Der Fotograf Alexander Gnädinger lebt und arbeitet seit 1998 als freier Fotograf in Berlin – und ist eigentlich mit der Umsetzung ganz anderer Projekte beschäftigt.

3 Kommentare

  1. Schade, dass Hamburg kein Nachbardorf von Dresden ist. Die Ausstellung würde mich echt interessieren!
    Das Buch scheint dagegen leicht überteuert.

    LG
    Ulli

    • Da das Buch bereits 2009 erschienen ist, kann man bereits herabgesetzte Ausgaben bekommen. Ich gebe Dir allerdings recht, der Einstiegspreis ist nicht ohne :-(

  2. Sex Sells – Ist halt wie immer, Fotobände mit Frauen kosten immer 4 mal mehr als Fotobände über Tiere oder Landschaften.

    Böse Zungen würden behaupten, dass sich dieses auch übertragen lässt, wenn man das Wort “Fotoband” weglässt.

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