6. September 2010 M.R. 3

Einen Kunden mit einem Foto glücklich gemacht zu haben, rechtfertig den mühsamen Weg. Fotograf Karsten Thormaehlen

Der Fotograf Karsten Thormaehlen spricht im Bildwerk3-Interview über seinen ungeraden Weg ins Fotografie-Business, seine Anforderungen an Assistenten, über seine größten persönlichen Erfolge und über den ganz besonderen Wert guter Kundenbeziehung.

Karsten Thormaehlen ist für den Bund Freischaffender Foto-Designer stellvertretender Regionalbeirat für die Region Frankfurt.

Cockpit Concorde © Karsten Thormaehlen

Cockpit Concorde © Karsten Thormaehlen

Worin besteht der Wert einer guten Ausbildung? Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Eine gute Ausbildung finde ich für die Entwicklung der Persönlichkeit sehr wichtig. Es muss auch nicht unbedingt eine Ausbildung zum Fotografen sein. Ich selbst habe eine Bankkaufmannslehre gemacht, ein Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Politikwissenschaften angefangen, um dann Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Wiesbaden für mich zu entdecken.

Während dessen jobbte ich als Pizzafahrer, Verpacker, Wäscher bei Autovermietungen. Nach meinem Diplom heuerte ich bei einer Werbeagentur als Artdirector an, zog mit der gleichen Agentur nach New York und wieder zurück nach Deutschland, bevor ich mich 2003 als Fotograf selbstständig machte.

Was erwarten Sie von Ihren Assistenten?
Ein Assistent sollte vor allem eines können: assistieren, d. h. meine Arbeitsweise insofern verstehen, dass er oder sie meine nächsten Schritte erahnt und schon die Klammer, Lampe oder den Aufheller bereit hält.

Auch halte ich Vorbereitung für ein Plus. Steht Stillife-Fotografie auf der Tagesordnung, könnte er/sie mich fragen, ob wir genug Spiegelchen, weiße oder schwarze Schaumpappe vorrätig haben, sind wir on Location sollte er mir und nicht ich ihm/ihr den kürzesten und besten Weg dorthin erklären und die Parkmöglichkeiten schon ausgelotet haben.

Weitere Talente, die ich bei Assistenten sehr zu schätzen gelernt habe, sind Kommunikationsfähigkeit und Humor. Das kann die Situation mit Kunden und Agentur am Set sehr auflockern.

Was erwarten Ihre Assistenten von Ihnen?
Nun, ich denke, dass sie bei mir Dinge lernen, die nicht ausschließlich mit den technischen Aspekten eines Auftrages zu tun haben. Da sind die meisten ja bereits sehr fit.

Wie geht man mit Kunden um, dass sie wiederkommen, wie mit Stylisten oder Make-up Artisten, dass sie Spaß an ihrer Arbeit haben? Bei mir kann man z. B. auch lernen wie aus einem Projekt eine Ausstellung, ein Bildband oder ein Dokumentarfilm werden kann.

Eine hervorragende Fotografie entsteht eher zufällig oder muss sorgfältig geplant sein?
Beides ist zutreffend. Gerne spreche ich von “kontrolliertem Zufall”. Damit meine ich, dass die innere Haltung, der “Rahmen” einer Situation, die richtige Tageszeit mit dem günstigsten Lichteinfall vorhersehbar bzw. kontrollierbar sind.

Was dann in dieser Situation passiert, um ein hervorragendes Bildergebnis zu liefern, kann man dann dem Zufall überlassen … oder „bestellt es beim Universum“.

Welches wird Ihr nächster großer (Selbst-)Auftrag, Ihr nächstes, wichtiges Projekt sein?
Es geht um ein hochinteressantes, weltweit in dieser Form und Ausführung bisher einmaliges Bauvorhaben. Mehr kann ich dazu nicht verraten …

Wen möchten Sie gern einmal fotografieren? Für welche Marke haben Sie sofort eine zündende Idee – in Form eines Bildes?
Ich begreife jeden Menschen, den ich fotografieren darf als Herausforderung. Meine Erfahrung lehrt mich, dass je geübter (oder ungeübter) jemand vor der Kamera agiert, desto erfreulicher das Arbeiten miteinander ist. Schwieriger ist es mit Leuten, die glauben, ihre Schokoladenseite zu kennen …

Bei Marken ist es nicht anders: Als ich gefragt wurde, für einen Hausgerätehersteller die Kampagne “puristisch zu inszenieren”, dachte ich, der Aufgabe niemals gewachsen zu sein. Mittlerweile freue ich mich auf mein nächstes Dunstabzugshauben-Shooting.

Ich würde mich aber auch gerne mal an einer echten Luxusuhren- oder Schmuckmarke wie Rolex oder DeBeers versuchen.

Was möchten Sie niemals machen – als Fotograf?
Es gibt wenig, was ich nie machen würde, vielleicht Aufträge, die alle sechs Monate radikal anders inszeniert werden müssten oder solche, wo es ausschließlich um Freisteller mit technischem Hintergrund geht. Wenn es sich dann noch um mehrere hundert Seiten starke Kataloge handeln würde, wäre mein Kummer groß.

Ich glaube, dass das Fotografieren Spaß machen muss, dass Neugier ein wichtiger Aspekt ist und die geht bei pausenloser Wiederholung verloren.

Seit wann können Sie als Fotograf von Ihren Einkünften gut leben?
Meine Frau Michaela, die sich mittlerweile “fulltime” um unsere Produktionen kümmert und ich sind nun im achten Jahr selbstständig und konnten bisher ganz gut von der Fotografie leben. So gut, dass wir auch weitere freie Projekte wie Ausstellungen mit sozialrelevanten Themen (Jahrhundertmensch, Silver Heroes) oder Buch- und Kunstkataloge produzieren konnten.

Die Wirtschaftskrise hat uns leider nicht verschont und unseren Kundenstamm ausgedünnt, aber das Schlimmste scheint überstanden und da wir fast nur mit Freien zusammenarbeiten, können wir flexibel reagieren.

In welcher Stadt auf der Welt lebt es sich als Fotografn am besten und warum gerade dort? Und natürlich: wo leben Sie heute?
Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Ich antworte gerne auf diese Frage mit einem Zitat von Xavier Naidoo, der in einem Hamburger Taxi, das ich kurz nach ihm auf dem Weg zum Flughafen bestieg, dem Fahrer erzählte, warum er als Popstar von Weltrang in Mannheim bliebe, antwortete: Er könne nur da gut sein, wo er sich wohl fühle.

Deshalb leben wir schon geraume Zeit in Wiesbaden. Wir genießen es aber berufliche mit privaten Reisen zu verbinden um die Veränderung von Orten bewusster zu erleben.

Zeit für Kinder und Familie?
Nein … aber ich mache Fortschritte und plane bewusste Auszeiten. Wochenendtrips mit meiner Frau und unserer Foxterrier-Hündin oder Touren zu alten Freunden, Kollegen, auf Ausstellungen, oder in Konzerte.

Oder einfach mal früher Schluss machen, in den Biergarten gehen oder – wie gestern – ins Cineplexx und drei Filme hintereinander anschauen.

Ihr größter Erfolg bisher?
Mein erster Erfolg war sicherlich als ich mit 8 Jahren auf dem Schulhof den Klassenstärksten mittels eines “O’Soto Gari”, eines gerade erlernten Judogriffes, zu Boden zwang.

Zu den beruflichen Erfolgen, würde ich meinen Diplomabschluss zählen, den ich “summa cum laude” abschloss, nachdem ich als Abiturient ziemlich versagt hatte, den Sieg, zusammen mit Helmut Bednarczyk (1965 – 1995) bei einem bundesweit ausgeschriebenen Fotowettbewerb über Island, mein allererster professionell begleiteter Fotoauftrag, den ich mit dem von mir erwählten, großartigen Hans Hansen realisieren durfte … und als Peter Lindbergh während eines Shootings in New York meinen Rat befolgte und die Studiovorhänge aufriss um bei Tageslicht zu fotografieren. Und … mein Foto auf einem Billboard mitten auf dem Times Square zu sehen – auch wenn es sich nur um eine abfotografierte Holzoberfläche handelte.

Aber Spaß beiseite: mich im Pitch gegen zwei internationale Top-Stillifer durchzusetzen um das Kampagnenmotiv für Porsche Design Parfum The Essence fotografieren (und filmen) zu dürfen, eine 14 -seitige Bildstrecke einer freien Arbeit im Stern am Kiosk zu kaufen, Tom Buhrow während der Tagesthemen meinen Namen aussprechen zu hören oder bei einem Lufthansa Flug das Titelmotiv des WorldShop Kataloges in der Sitztasche vor mir und allen anderen Fluggästen zu sehen, fühlt sich – zumindest für einen kurzen Moment – ziemlich gut an.

Als Krönung meiner Arbeit empfinde ich es allerdings, dass Kunden auch wieder zurückkommen. Das Gefühl den Kunden mit meinen Fotos glücklich gemacht zu haben, rechtfertigt bisweilen den langen, mühsamen Weg zum Erfolg in diesem wunderbaren Beruf.

Im Moment 3 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Bergfreunde sagt:

    Ich finde ihren Eintrag sehr informativ…

  2. dirk sagt:

    Wenn es mich als ehemaligen Hessen nun auch nach Köln verschlagen hat, Wiesbaden ist wirklich eine schöne Stadt und ich kann verstehen warum sich Karsten Thomaelen dort wohl fühlt. Die Bilder sprechen uneingeschränkt die Sprache die in dieser Liga gebracht wird, Kompromisslosigkeit. Vielen Dank für die ehrlichen Antworten und diesen informativen Beitrag. Wünsche weiterhin viel Erfolg und alles was glücklich macht. Gruß aus Köln, dirk baumbach

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