7. Mai 2010 0

Im Vorfeld planen und sich beim Fotografieren auf die Situation einlassen

Von Marko Radloff

Die Fotografin Anne Gabriel-Jürgens kenne ich vom Dokfünf-Fotowettbewerb – gemeinsam mit Ingo Taubhorn (Deichtorhallen), Guido Schmidtke (STERN) und Klaus Plaumann (CEPIC) waren wir als Juroren für den Wettbewerb eingeladen. Die Gewinner werden demnächst in Hamburg zu sehen sein.

Anne Gabriel-Jürgens hat mir von ihrem Leben als Fotografin zwischen Hamburg, Berlin und Zürich erzählt und ich habe sie bei dieser Gelegenheit gebeten, unsere zehn Fragen an Fotografen zu beantworten:

© Anne Gabriel-Jürgens

aus der Serie swiss woman © Anne Gabriel-Jürgens

Marko Radloff/Bildwerk3: Worin besteht der Wert einer guten Ausbildung zur Fotografin? Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Anne Gabriel-Jürgens: Es ist hilfreicher an eine Uni zu gehen oder eine feste Zeit zu Assestieren, da dort ideale Vorraussetzungen sind um zu lernen mit Bildern umzugehen, Kontakte zu bekommen und sich gegenseitig zu kritisieren.

Ich denke es ist immer wichtig dass man sich informiert, aus Fehlern lernt und andere Menschen hat, mit denen man einen regelmäßigen und ehrlichen Austausch über seine Arbeiten hat. Ich kenne aber auch viele hervorragende Autodidakten.

Ich selber habe zuerst Illustration/freie Kunst und dann Fotografie bei Ute Mahler in Hamburg an der HAW studiert und dort mein Diplom gemacht. Danach war ich bei Arno Fischer als Meisterschülerin an der Ostkreuzschule in Berlin.

Fotografien

Anne Gabriel-Jürgens

Was erwarten Sie von Ihren Assistenten?
Einfühlungsvermögen für die Situation und eine schnelle Auffassungsgabe. Einfach eine gute Zusammenarbeit und dass man voneinander lernt.

Was erwarten Ihre Assistenten von Ihnen?
Ich denke, dasselbe was ich von Ihnen erwarte und hoffe, dass sie was lernen wollen von mir.

Eine hervorragende Fotografie entsteht eher zufällig oder muss sorgfältig geplant sein?
Es ist eine Mischung aus beidem. Eine gute Planung im Vorfeld um sich dann auf die Situation einlassen zu können.

Welches wird Ihr nächster großer (Selbst-)Auftrag, Ihr nächstes, wichtiges Projekt sein?
Ich habe vor, dieses Jahr noch ein Buch zu realisieren über die russische Gemeinschaft in Brighton Beach NYC, welches ich mit Hilfe eines Stipendiums die letzten 3 Jahre fotografiert habe.

Dazu arbeite ich gerade an einem Langzeit-Projekt welches „At home“ heißt, und stelle wahrscheinlich dieses Jahr noch die Serie Greina in Köln und Zürich aus.

Wen möchten Sie gern einmal fotografieren? Für welche Marke haben Sie sofort eine zündende Idee – in Form eines Bildes?
Schwierig! Es gibt so viele Menschen die ich noch fotografieren möchte. Ich würde gerne mal bestimmte Schauspieler oder Politiker in Ihrem Alltag begleiten und fotografieren. Oder eine Serie über Schriftsteller machen.

Was möchten Sie niemals machen – als Fotografin?
Sachen wo ich persönlich oder politisch nicht hinter stehe oder wo ich mich verbiegen müsste.

Seit wann können Sie als Fotografin von Ihren Einkünften gut leben?
Eigentlich gleich nach dem Studium seit 2004. Ich hatte enormes Glück, dass ich gleich zu Anfang wirklich schöne Aufträge bekommen habe und dadurch der Start einfach war.

In welcher Stadt auf der Welt lebt es sich als Fotografin am besten und warum gerade dort? Und natürlich: wo leben Sie heute?
Ich glaub das muss man immer selber entscheiden und es kommt immer darauf an was man macht.

Ich pendle gerade zwischen Hamburg, Berlin und Zürich. Hamburg ist meine Heimat, Berlin mein kreativer Austausch und in Zürich sind u.a. die spannenden Aufträge und die Natur. Dazu kommt, dass ich beruflich hauptsächlich Dokumentar- und Reisereportagen fotografiere und somit sowieso ständig irgendwo bin.

Zeit für Kinder und Familie?
Nein, gerade nicht, leider!

Ihr größter Erfolg bisher?
Ich habe letzten Herbst Robert Frank für das DU Magazin in NYC fotografieren dürfen. Ich glaube das war auf jeden Fall mit einer der aufregendsten Begegnungen.

Und spannend war auch eine Reportage in Honduras letztes Jahr.

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