14. April 2010 3

Als Autodidakt in die glitzernde Werbewelt

Von Marko Radloff

Als seinen größten Erfolg bezeichnet der Fotograf Dominik Pietsch, dass er sein Hobby zum Beruf machen konnte.

Mit beachtlicher Energie, einem gut gewählten Standort – eben nicht Berlin oder Hamburg sondern Köln – und innerhalb kurzer Zeit hat es Pietsch geschafft, in seinem Traumjob Fuß zu fassen – und das ohne Ausbildung und Assistenz sondern lediglich durch Selbststudium und Praktika.

Dominik Pietsch schildert in unserem Interview sehr ausführlich seinen Ausbildungsweg und wir können an dieser Stelle erneut über den richtigen Weg – den jeder für sich finden muss – diskutieren.

© Dominik Pietsch

Für den nächsten Relaunch in meinem XING-Profil fahre ich zu Dominik Pietsch nach Köln, um mir von ihm ein individuelles Foto machen zu lassen – © Dominik Pietsch

Marko Radloff: Worin besteht der Wert einer guten Ausbildung zum Fotografen? Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Fotograf Dominik Pietsch: Das kann ich nicht beurteilen, denn ich selber bin so der klassische Quereinsteiger. Gelernt habe ich Bürokaufmann, war dann ein Jahr im Einkauf tätig und bin dann zum Studium nach Köln gekommen: BWL.

Das habe ich auch immerhin zwei Jahre durchgehalten! In den zwei Jahren habe ich mich nebenher intensiv mit Fotografie beschäftigt, und habe dann das Studium, sehr zum Leidwesen meiner Eltern, an den Nagel gehängt. Ich wollte Fotograf werden, nur hatte ich keine Ahnung, wie man das anstellt.

Ich hab dann zwei Monate Praktikum gemacht, bei einem Werbefotografen in Düsseldorf. Er hat mir dann später attestiert, dass ich mal ein „guter Stilllifer“ würde. Nun gut. Vielleicht war Fotografie doch nicht das richtige für mich?

Danach bot sich mir eine Praktikumsstelle in einer kleinen Kölner Werbeagentur an – das habe ich dann auch gemacht. Ich wollte ja schon in der glitzernden Werbewelt bleiben. Da habe ich dann einiges gelernt: unter anderem auch den richtigen Umgang mit Photoshop.

In der Zeit habe ich privat immer weiter fotografiert, und habe irgendwann dann auch angefangen im Studio zu fotografieren. Das Praktikum war zu Ende, ich hatte mir einiges selber beigebracht und beschloss ganz blauäugig, Fotograf zu werden.

Gesagt, getan. Ich hatte Glück und kann mittlerweile ganz gut davon leben. Mal von den zwei Monaten Praktikum in Düsseldorf abgesehen, habe ich mir also alles selber beigebracht. Ob mir was fehlt, weil ich beispielsweise nicht assistiert habe, kann ich nicht sagen.

Was erwarten Sie von Ihren Assistenten? Was erwarten Ihre Assistenten von Ihnen?
Da ich selber nie assistiert habe, habe ich anfangs auch gar nicht mit Assistenten zusammengearbeitet. Ich wusste gar nicht wozu – das kam erst später. Mittlerweile weiß ich einen guten Assi sehr wohl zu schätzen.

Was für mich einen guten Assistenten ausmacht ist die Fähigkeit, Arbeit selber zu erkennen und technisch fit zu sein. Klar, Kisten schleppen und Kaffee kochen gehört auch mit dazu. Und was für mich noch wichtig ist – ich suche Leute nicht nur nach ihren Fähigkeiten aus, ganz wichtig ist, dass die Chemie stimmt.

Ich arbeite nur mit Leuten zusammen, bei denen ich das Gefühl habe, dass ich mich auch gerne auf ein Kölsch mit ihnen treffen würde.

Was meine Assistenten von mir erwarten, weiß ich nicht. Ich frag sie mal! Was sie aber auf jeden Fall erwarten ist, dass ich ihre Rechnungen zeitig begleiche.

Eine hervorragende Fotografie entsteht eher zufällig oder muss sorgfältig geplant sein?
Ich plane meine Jobs immer sorgfältig, aber es kommt oft genug vor, dass es am Ende doch alles ganz anders läuft. Es gibt halt oftmals Unwägbarkeiten. Man muss also gut planen, aber eben auch Raum für Improvisation lassen.

Welches wird Ihr nächster großer (Selbst-)Auftrag, Ihr nächstes, wichtiges Projekt sein?
Da ich gerade eine Reihe von freien Arbeiten und Jobs hinter mir habe, steht erst einmal nichts größeres an.

Mein nächster großer Selbstauftag heißt – Akquise! Mappe zeigen, Klinken putzen. Ich mach das gerne. Viele sträuben sich dagegen, das weiß ich, aber es gehört dazu, und mir macht das auch Spaß. Leute kennenlernen und Feedback bekommen.

Und aus fotografischer Sicht – ich fange an, mich auch für Architektur und Landscape zu interessieren, und es steht eine Reise in die Dolomiten an. Das ist das nächste Fotoprojekt. Ansonsten, wie ein Blick auf meine Website verrät, ist in den letzten drei Monaten sehr viel passiert.

Wen möchten Sie gern einmal fotografieren?
Den Opa meiner Freundin – aber der will nicht! Der hat ein echt starkes Gesicht …

Was möchten Sie niemals machen – als Fotograf?
Hochzeits- und Bewerbungsfotos!

Seit wann können Sie als Fotograf von Ihren Einkünften gut leben?
Angefangen habe ich vor drei Jahren, im Frühjahr 2007. Seither kann ich auch davon leben. Gut, am Anfang hat mich der Existenzgründugszuschuss mit über Wasser gehalten, aber danach konnte ich mich durch Fotografie selber versorgen.

Das war und ist ein super Gefühl: mit dem, wo sein Herzblut drin steckt auch Geld zu verdienen.

In welcher Stadt auf der Welt lebt es sich als Fotograf am besten und warum gerade dort? Und natürlich: wo leben Sie heute?
Da fehlt mir bislang der Vergleich. Ich bin ja damals zum Studium nach Köln gekommen und bin immer noch hier. Und ich bin gerne hier!

Ich bin damals nach dem Studium schnell in ein funktionierendes Netzwerk gerutscht, woraus sich erste Jobs ergeben haben. Hier nennt man das den kölschen Klüngel. Das hat mir den Start sehr erleichtert, und ich weiß nicht, ob ich in Hamburg oder Berlin auch so einen Start hätte hinlegen können.

Davon abgesehen, gefällt mir Köln als Stadt sehr gut. Die Stadt ist freundlich und nicht zu groß, aber groß genug, um eine eigene Kunst- und Kulturszene zu haben. Ich hab hier Freunde und das Bier schmeckt mir gut.

Zeit für Kinder und Familie?
Ja, schon. Kinder hab ich noch keine – aber Freizeit im Allgemeinen habe ich schon. Aber jeder Freiberufler kennt das. Mal hat man keine Freizeit, und mal hat man zuviel davon. Eine Regelmäßigkeit an Jobs hat sich bei mir noch nicht eingestellt.

Ihr größter Erfolg bisher?
Dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte.

Im Moment 3 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Es ist interessant von Fotografen mit Ihren unterschiedlichen Ausbildungswegen zu hören.
    Mich würde mal interessieren, wie es mit jungen Einsteigern ist, die weder Ausbildung noch Assistenz gemacht haben.
    Ich denke nämlich das man so fast nur Chancen ab einem Gewissen alter hat.
    Es ist durchaus so, das man mit 20 Jahren vielleicht genauso gut Fotografiert wie Quereinsteiger mit Mitte 30, jedoch einfach nicht diese Erfahrung auf Grund des Alters ausstrahlt.

    Schöne Fotos Dominik, man erkennt auf jeden Fall, das du aus der Werbung kommst.

    Grüße.

  2. Eleonora sagt:

    Objektiv gesehen, darf ich schnell einmal festhalten, dass ich nicht so schlechte Fotos mache. Und ich kann keine große Erfahrung vorweisen. Ich habe erst vor etwa 2 Jahren damit begonnen und mache halbwegs ansprechende Fotos. Ich fotografiere gerne und das spiegeln meine Bilder wider! Ich glaube, man sollte einfach Spaß haben und sich Zeit dafür nimmt, auch die Dinge wieder aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

  3. [...] Marko erscheint ein gutes Interview mit dem Fotograf Dominik Pietsch, der nach einer Ausbildung zum Bürokaufmann und einem BWL-Studium als Quereinsteiger zur [...]

Diesen Beitrag kommentieren



XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Bildwerk3 on facebook

Zuletzt kommentiert

  • Beate: Ich mag diese Selbstportraits sehr! Tolle Ideen, einfallsreich und kreativ umgesetzt - wunderbare Technik, schau ich mir gerne an...
  • Marko: Stimmt - Vielen Dank für den Hinweis....
  • Annette: Der Link zu Erwin Olaf hat sich offensichtlich verändert. Hier geht es zu ...
  • Beate: Was für ein wunderbares Projekt, auch wenn "nahe ans Gesicht" nicht unbedingt mein Stilrichtung ist, finde ich es interessant und ...
  • Marko: An alle: ich denke ja ;-)...
  • Anne: Also wunderschön ist echt was anderes. Aber ich finde man kann nicht sagen das es schlecht ist. Auf den ersten Blick sieht es zwar...