Fotobücher machen Fotoarbeiten körperlich
Ein wichtiges Mittel für frei arbeitende Fotografen, um sich einen Namen zu machen sind Fotobücher. Nicht zu verwechseln mit Fotografie-Büchern – Bücher die einem lediglich helfen, die technischen und gestalterischen Aspekte von Fotografie zu verstehen.
Wer als Fotograf bereits ein fertiges Buch in der Schublade hat oder eine Idee für ein Fotobuch und schon erste Vorarbeiten dazu, sollte sich überlegen, es bei einer Dummy-Sichtung zu präsentieren.
Nächste Gelegenheit: anlässlich der Fotobuchtage in Hamburg vom 04. bis 06. Juni 2010. Wie ich von Jasmin Seck – Leiter der Fotobuchtage – erfahren habe sind noch einige Plätze dort frei.
Direkt zur Seite für die Dummysichtungen – vor allem dort die eindrucksvolle Liste der Sichter(!) studieren … Was haltet Ihr von diesem Thema? Hat schon mal jemand über ein eigenes Fotobuch nachgedacht?
Jasmin Seck und ich haben das Thema Fotobuch einmal in Form eines Interviews behandelt. Wobei, wie ich finde, ganz gut raus kommt was Fotobücher eigentlich sind und für wen Fotobücher besonders interessant sind plus einiger Anmerkungen zum Thema Dummysichtung:
Marko Radloff/Bildwerk3: Was ist ein Fotobuch-Dummy?
Jasmin Seck: Ein Fotobuch-Dummy ist für Fotografen, die ihre Arbeit in Buchform veröffentlichen wollen, im Grunde ein Entwurf des späteren Fotobuches. Die Fertigung eines Dummys kann manuell oder digital erfolgen, wichtig ist lediglich, dass er in gedruckter Form vorliegt.
Kaum ein Verleger wird über einen Dummy auf dem Bildschirm seines PC’s erfreut sein. Da würden auch einfache JPG’s oder PDF’s ausreichen.
Bei der Dummy-Erstellung geht es darum, dass Fotografen anhand des Materials die Möglichkeiten und Grenzen ihrer fotografischen Arbeit in Buchform austesten können. Darüber hinaus eignen sich Dummys bestens, um damit bei Verlegern und Ausstellungsmachern vorstellig zu werden.
Wie finde ich mein Fotobuch-Konzept?
Gute Frage. Vermutlich so wie man auch das Konzept für seine fotografische Arbeit findet. Das Fotobuch ist lediglich das Medium, das den Arbeiten einen Körper verleiht, so wie der Ausstellungsraum.
Wenn die Fotografie inhaltlich überzeugt, dann ist es nicht schwer, dies auch im Fotobuch zu vermitteln. Nichts ist langweiliger und enttäuschender, als wenn ein Fotobuch eine belanglose Aneinanderreihung von Bildern bietet.
Ein Fotobuch ist ein künstlerisches Sprachrohr, das wie ein Musik- oder Literaturstück eine Dramaturgie vorweisen sollte. Es sollte den Betrachter unterhalten und einzelne Bilder zu komplexen Geschichten verdichten.
Was unterscheidet Fotobücher von Fotografie-Büchern?
Ganz einfach gesagt: Fotobücher sind von Fotografen. Sie sind Ausdruck ihrer künstlerischen Identität. Fotografie-Bücher sind Bücher über oder zur Fotografie. Ihre Autoren oder Herausgeber verstehen sich selbst in der Regel nicht als Künstler.
Diese Art von Büchern sind keine Kunst-, sondern Referenzmedien, also wissenschaftliche Werkzeuge, wie z.B. fototheoretische, fotohistorische Abhandlungen oder fotopraktische Lehrfibeln.
Für welche Fotografen sind Fotobücher interessant?
Zum einen sind Fotobücher sicherlich für die künstlerisch arbeitenden Fotografen sehr interessant, da sie Werk und Name des Fotografen in alle Welt tragen können. Fotobücher sind beständiger und mobiler als die Ausstellung.
Für alle Fotografen, die ich kenne, stellte sich das Fotobuch stets als „Türöffner“ heraus. Damit meine ich allerdings die Fotobücher, die professionell von einem Verlag produziert und vertrieben werden.
Eine andere Variante kann für die Dienstleister unter den Fotografen eine interessante Alternative zum ausgedienten Fotoalbum sein: das digitale Fotobuch. (Das „digital“ bezieht sich hier auf den digitalen Gestaltungs- und Druckprozess!)
Mit dem Siegeszug der digitalen Fotografie und den digitalen Speichermedien in den Privathaushalten, hat sich auch die Bewertung des fotografischen Abzuges geändert. Der einzelne Abzug ist uninteressant geworden. Der Kunde möchte seine Urlaubsbilder im digitalen Bilderrahmen im Dauer-Stream betrachten können.
Die Form des digitalen Fotobuches kommt dem Wunsch nach Bündelung des Bildmaterials sehr entgegen. Es ermöglicht Laien zudem nun endlich wieder echte Bilder in den Händen zu halten. Die Anbieter digitaler Fotobücher schossen in den letzten Monaten wie Pilze aus dem Boden. Ein Fotograf bzw. Fotostudio, kann sich diesem Hype wohl kaum entziehen und sollte seine Angebotspalette unbedingt um digitale Fotobücher erweitern, wenn bisher noch nicht geschehen.
Was bringt eine Dummy-Sichtung?
Ich habe immer wieder beobachtet, dass der Rat von Experten Fotografen auf ihrem Weg zum eigenen Fotobuch ungemein voranbringt. Bei vielen Publikationsvorhaben handelt es sich um sehr persönliche, emotionale Projekte. Da ist es gut, wenn jemand mit einem freien Blick von Außen darauf schaut und auf Unstimmigkeiten und Unbedachtes aufmerksam macht.
Viele Fotografen landen dann erst einmal auf dem Boden der Tatsachen, aber können diesen gleich als Basis für eine realistische Neubewertung des Projektes nutzen, um das Ganze vielleicht von einer anderen, sachlicheren Seite anzugehen.
Es gibt so vieles, was Fotografen nicht bedenken, allein weil sie nicht das Wissen und die Erfahrung haben. Da sind solche Sichtertermine tatsächlich Gold wert!
Warum kostet eine Dummy-Sichtung Geld?
Es wäre großartig, wenn wir kein Geld dafür nehmen müssten! Wir verdienen an den Sichtungen keinen Cent, im Gegenteil: wir legen kräftig drauf und arbeiten zudem alle ehrenamtlich, damit die Fotobuchtage ein Erfolg werden.
Unser ehrgeiziges Ziel ist es, dass das Medium Fotobuch an Popularität gewinnt und viele talentierte Fotografen die Chance haben ihr Projekt zu publizieren.
Jedoch müssen z.B. die Reisekosten der Sichter gedeckt werden. Es reisen Sichter aus den USA, aus Österreich und ganz Deutschland an. Da kommt schon einiges zusammen. Und wenn ich bedenke, dass die Fotografen für 60 € zwei Sichter zur Seite gestellt bekommen, ohne dafür keine teure Reise auf sich nehmen zu müssen, ist das doch ein fairer Preis.



Mit der Kamera sehen Konzeptionelle Fotografie im digitalen Zeitalter
Ein Tag Deutschland:
Das Wesen der Fotografie: Ein Elementarbuch Stephen Shore erklärt, wie man Fotografien richtig beurteilt und versteht.
Erfolg als Fotograf: Wie man sein Können optimal präsentiert Autorin: Dr. Martina Mettner
[...] in diesem Beitrag habe ich das Thema Fotobuchtage 2010 und Dummysichtungen ausführlich besprochen. Hier noch einmal der Hinweis auf einige freie Plätze bei den [...]
Hallo!
Besten Dank für den schönen Beitrag!
Mfg.
Anna
Liebe Anna, gern gemacht …