6. April 2010 M.R. 8

Fotografie ist eine Mischung aus Technik und Gefühl

Ausbildung, Studium oder Assistenz: zwischen diesen Möglichkeiten wird man als zukünftiger Fotograf wählen müssen. Das ist nicht immer leicht. Der Fotograf Lukasz Wolejko-Wolejszo hat in unserem Interviewbeitrag das Charakteristische für alle drei Wege ziemlich gut herausgestellt – und für sich selbst vor einiger Zeit eine Entscheidung getroffen.

Welchen Weg favorisiert Ihr? Kann man auf eine klassische Fotografenausbildung verzichten? Eure Meinung interessiert mich sehr!

© Lukasz Wolejko-Wolejszo

Ein Motiv, das an die Modeaufnahmen von F.C. Gundlach erinnert. © Lukasz Wolejko-Wolejszo

Worin besteht der Wert einer guten Ausbildung zum Fotografen? Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Fotografie ist eine Mischung aus Technik und Gefühl. Je nach dem in welche Richtung man sich in der Fotografie orientiert nimmt einer der beiden Punkte Überhand.

Eine Ausbildung hat zum Beispiel viel mehr technische Anwendungsszenarien; die Hochschule hingehen orientiert sich stark konzeptuell.

Ich selber habe keinen der beiden Wege in meiner Karriere gewählt. Ich wollte zwar Kommunikationsdesign studieren, jedoch wurde mir von mehreren Dozenten abgeraten den Weg zu gehen.

Beim Vorlegen meines Portfolios im Vorgespräch zur Bewerbung wurde gesagt, dass meine Fähigkeiten in der Farblehre, Komposition, Konzeption schon stark ausgeprägt sind und ich mich während des Studiums langweilen würde. Es wurde mir empfohlen mich bei Fotografen für eine Assistenz zu bewerben, um so Arbeitsabläufe und Kontakte sammeln.

Dies liegt jedoch daran, dass ich ein anderes Studium absolviert habe und in diesem Zusammenhang viel Zeit genutzt habe konzeptuelle Arbeiten zu erstellen.
Damit möchte ich betonen, dass ich eine Ausbildung in der Fotografie sehr wichtig finde, um sich zu orientieren heißt: Was will ich machen? Wie kann ich die Aufgabe lösen?

Was erwarten Sie von Ihren Assistenten? Was erwarten Ihre Assistenten von Ihnen?
Ich finde Teamarbeit sehr wichtig. Hierzu zählen nicht nur die Assistenten oder Digital-Operator, sondern auch alle anderen die einen Job zum Erfolg führen.

Deshalb ist mir wichtig, dass meine Assistenten wissen, was ich will und wie ich es will und mir bei der Realisation unter die Arme greifen.

Diese Art von Beziehung setzt gegenseitiges Vertrauen und Verständnis voraus. Wenn etwas nicht Plan verläuft, ist mir auch die Wahrung der Situation wichtig. Was auch die Assistenten erwarten.

Eine hervorragende Fotografie entsteht eher zufällig oder muss sorgfältig geplant sein?
Dies hängt davon ab, was man fotografiert! Ein geplantes Reportagefoto oder ein zufälliges Produktfoto sind vermutlich weniger hervorragend.

Bei mir in der Modefotografie versucht man sowohl in Jobs aus auch bei Editorialarbeit möglichst viel konzeptuell planen. Doch gelegentlich entstehen ungeplante Motivvariationen, welche das geplante Motiv in den Schatten stellen.

Welches wird Ihr nächster großer (Selbst-)Auftrag, Ihr nächstes, wichtiges Projekt sein?
Es existieren sowohl Aufträge als auch Projekte. Welche es sind, wird man sehen, wenn diese veröffentlicht werden. ;-)

Wen möchten Sie gern einmal fotografieren? Für welche Marke haben Sie sofort eine zündende Idee – in Form eines Bildes?
Menschen. Ihre Geschichten, sowie meine Geschichten.

Dies sollen die Kreativ- und Artdirektoren lieber übernehmen. Ich übernehme dann gern die Realisierung.

Was möchten Sie niemals machen – als Fotograf?
Jemandem oder einer Sache schaden.

Seit wann können Sie als Fotograf von Ihren Einkünften gut leben?
Seit dem ich meine Bedürfnisse herunter geschraubt habe ;)

In welcher Stadt auf der Welt lebt es sich als Fotograf am besten und warum gerade dort? Und natürlich: wo leben Sie heute?
Auch hier spielt das Genre eine entscheidende Rolle. Ich reise zwischen Essen im Ruhrgebiet und Paris um möglichst kommerziell als auch redaktionell Fortschritte zu machen. Hamburg und Berlin sind die besten Orte in Deutschland.

Zeit für Kinder und Familie?

Möglich ist es immer, jedoch bei mir aktuell nicht im Fokus.

Ihr größter Erfolg bisher?
In wenigen Jahren schon viel erreicht zu haben.

Im Moment 8 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Jens sagt:

    Es gibt genügend gute Beispiele, das man auch ohne Ausbildung zu einem sehr großen Photographen werden kann. Allerdings schadet eine fundierte Ausbildung keinesfalls. Und hat man weder die Ausbildung noch ein Studium, ist der Weg über Assistenzen der mit Abstand schwerste den man bestreiten kann. Zumindest wenn man für sehr gute Leute arbeiten will.

    Denn Assistenzen machen auch nur dann Sinn, wenn man wirklich absolut gefordert wird und wirklich Einblick in den gesamten Prozess erhält. Also nicht nur Sonntags im Heimstudio zum Kaffee holen und mal ‘nen Reflektor halten. Wer aber eine feste “First Assistent” Stelle bei einem renommierten Photographen haben will, sollte schon etwas mehr können als nur das übliche.

    Der Weg über die Assistenzen macht oft nur Sinn, wenn man bereits sehr viele Vorkenntnisse hat. Beispiel: Wie soll man bei einem Shooting klarkommen wenn man noch nie mit Analogkameras gearbeitet hat? Wenn man Filmmaterialien nicht unterscheiden kann, die belichteten Filme austauschen soll, nebenbei noch mitzählen muss wie oft noch bis zum nächsten Kamerawechsel Zeit ist und so weiter?
    Thema Beleuchtung: Wer bisher nur mal mit Hensel-Blitzen gearbeitet hat dürfte sich schwer wundern, welche tollen alten Schätze sehr viele Photographen noch haben. Da steht man dann plötzlich vor analogen Balcar Generatoren oder den so gerne falsch bedienten Briese Schirmen.
    Viele Photographen erwarten das der Assistent auch mitdenken kann und selbst auch mal weiß in welcher Jackentasche der Filmschieber für den Rollfilm verschwunden ist. Und natürlich darf man “nie” auch nur Ansatzweise aufgeben. Selbst wenn man 16 Stunden am Stück Equipment auf und umgebaut hat und nacht dann noch Tonnenweise Kisten und Set-Utensilien in den Transporter frachten muss.

    Assistenzen sind das weit aus schwerste aber schönste was man machen kann. Wer gut in seinem Job ist, erhält viel mehr Einblick in die Praxis als man es irgendwo anders könnte. Würde ich noch mal vor der Wahl stehen, ich würde immer wieder diesen schweren Butter und Brot Weg gehen.

  2. Marko sagt:

    Eine analog angehauchte Antwort ;-) Sehr gut! Vielen Dank für dieses praxisnahe Statement.

    Kleiner Einwand: Eine fundierte Ausbildung schadet meiner Ansicht nach dann, wenn der Nachwuchsfotograf durch sie auf eine ganz falsche Fährte geführt wird. Erstens vielleicht durch die nicht passende Art der Fotografie und dann dadurch, dass solch eine Ausbildung verhältnismäßig viel Zeit kostet.

  3. Was meiner Meinung nach auf jeden Fall Sinn macht, ist eine Ausbildung bei Lette, Best-Sabel oder auch der Ostkreuz Schule.
    Von Handwerklichen Betrieben würde ich abraten.
    In den Fotoschulen bekommt man sowohl die Analoge Fotografie als auch die Digitale, Konzeptionelle und selbst Vermarktung gut vermittelt.
    Klar die Ausbildung dauert 3 Jahre aber sie sind wirklich gut angesehen und somit würde ich jeden dazu Raten.

    Best-Sabel ist mit 500€ im Monat sicherlich die teuerste, ist aber auch am Modernsten eingerichtet. Wer also auf Apple steht, ist da auf jeden Fall richtig. :)

    Ich bin auch der Meinung das man mit einem Best-Sabel oder Lette Abschluss, gute Chancen auf eine Assistenzstelle bei den Großen hat.

    Natürlich sollte man sich vorher Informieren, welchen Schwerpunkt die Schulen haben und in welche Richtung man überhaupt gehen will.
    Dazu gibt es Berufsvorbereitende Fotodesign Seminare in Berlin, welche dafür wirklich super sind. Sie sind Kostenlos, EU gefördert und bringen einen auf jeden Fall auf den (für Ihn) richtigen Weg.

    • Marko sagt:

      Der Hinweis auf private Fotoschulen ist sehr gut! Allerdings sollte man sich vor Vertragsschluss – der ja mit Kosten verbunden ist + der Kosten für Unterkunft und Essen und Trinken – tatsächlich überlegen, ob man sich diese Zeit, in der man vor allem praxisfern lernt und sich ausprobieren kann, auch leisten kann.

      Alle diese Institutionen verlangen von ihren Bewerbern Eignungstests – in den meisten Fällen in Form von Mappen und Gesprächen. Das ist richtig und wichtig für die Schule, um sich ein Bild über die Bewerbersituation zu machen und ggf. ungeeignete Bewerber abzulehnen.

      Bewerber sollten anders herum im Vorfeld unbedingt das angebotene Unterrichtsprogramm prüfen und auf jeden Fall die Eignung der Lehrer kritisch beäugen um am Ende vor Enttäuschungen bewahrt zu sein und nicht sinnlos Zeit vergeudet zu haben …

      Gehe ich richtig, dass alle drei von Dir genannten Bildungseinrichtungen in Berlin liegen?

    • Hi Marko,

      ja du hast recht, sie sind alle in Berlin. Berlin ist irgendwie eine Hochburg für so was.
      Mit den Eignungstest hast du auch recht.
      Bei Lette beispielsweise, bewirbt man sich und bekommt dann eine Aufgabe (letztes mal Mentale Landschaften und Klimawandel) welches man Fotografieren muss und bis zu einer gewissen Zeit dort einreichen muss.

      Bei Best-Sabel, macht man einen Eignungstest in schriftlicher Form und händigt eine selbst gestaltete Mappe aus.

      Noch ein kleiner Hinweis zur Finanzierung, sollte man auf einer der Schulen genommen werden, kann man Schüler BAFÖG beantragen.

      Grüße,
      Tristan

    • Marko sagt:

      Danke für den Hinweis mit dem Schüler-BAFÖG. Bedenke sollte man auch, das man bei einem Abschluss auf einer solchen privaten Schule keinen anerkannten Abschluss als Fotograf und kein staatlich anerkanntes Diplom erwirkt.

      So etwas wird nach meiner Überzeugung in der Branche zwar immer unwichtiger, aber man sollte sich an der Stelle nicht täuschen (lassen) …

      Wichtig sind die Ausbildungsinhalte und die Ausbildungsbedingungen!

  4. Jens sagt:

    @marko,
    stimmt, meine Antwort war recht Analog :-)
    Aber das trifft leider auch einen Punkt, denn es gibt in der jetzigen Zeit viele Leute, die eine Mini Canon/Nikon/etc. haben und gerne mal assistieren möchten. Natürlich für einen dollen Stundenlohn und am besten bereits am Anfang fragen wann denn Feierabend ist. Also eigentlich ohne wirkliches Interesse.
    Ich bin immer Dankbar für jede Assistenz-Minute. Man lernt gute Sachen genauso wie schlechte, zum Schluß muss man für sich selbst entscheiden welches der beste eigene Weg ist.

    Bei den Ausbildungen hast Du natürlich Recht. Eine Ausbildung sollte dazu gut sein, fundierte Grundkenntnisse zu bekommen (also auch nicht 3 Jahre lang Photoshop lernen). Sollte man nach 3 Jahren Ausbildung noch immer in einen Laden stolpern um 3 Meter optische Achse kaufen zu wollen hat wohl die Zeit war verschenkt. Ist aber leider mittlerweile die Regel geworden.

    Schade, insgesamt hätte ich mehr Kommentare erhofft. Na, vielleicht kommen ja noch ein paar. Mich würde es schon mal interessieren wie andere das Thema sehen.

  5. Fotofossy sagt:

    @Marko
    das mit dem abschluss stimmt nicht ganz. bei lette und best-sabel bekommt man einen anerkannten berufsabschluss zum staatlich geprüften fotodesigner. nur weil es keine prüfung vor der ihk oder hwk gibt, bedeutet das nicht das es kein richtiger beruf ist. aber bei vielen anderen schulen hast du natürlich recht. da bekommst du dann ein teilnahmebedingung an einer clownschule. das bringt dich dann bei einer bewerbung nicht weiter, da wird eben immernoch auf einen abschluss geachtet. und wer kann am beginn seiner laufbahn schon wissen wohin es einen mal verschlägt. ich würde auch immer auf einen abschluss achten. dabei kann man mitlerweile auf die normale gesellenprüfung wohl wirklich pfeifen. also eben studium oder lette / best-sabel.
    und nach der (hoch)schule 2-3 assistenzen, mindestens.

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