29. März 2010 4

Zufällige fotografische Ergebnisse sind wunderbar aber schwer zu wiederholen

Von Marko Radloff

Kristian Schuller ist ganz sicher einer der spannendsten Modefotografen der Gegenwart und er hat das Zeug zu einem Klassiker – sofern das Genre solche Begriffe für seine Protagonisten noch zulässt. Seine Bilder sind voller Ideen und faszinierender Räume, in denen Frauen wie Fabelwesen kleine Geschichten zelebrieren.

© Kristian Schuller

© Kristian Schuller

Obwohl von den attraktivsten Frauen umgeben, betont Schuller in unserem Interview seine Familienseite und nennt als seinen größten Erfolg das Ja-Wort seiner Frau. In dieser Hinsicht ist Schuller einem anderen Fotografen nicht unähnlich: auch Helmut Newton hatte ein sehr enges Verhältnis zu seiner Frau und hat dies immer hervorgehoben.

Worin besteht der Wert einer guten Ausbildung zum Fotografen? Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Viele Wege führen nach Rom. Gelerntes Wissen – egal wie – ob Uni oder Ausbildung oder jahrelange Assistenz – ist unbedingte Voraussetzung für ein kreatives Arbeiten. Ein großartiger Musiker kann auch nur improvisieren wenn er sein Instrument beherrscht.

Ich habe an der Hochschule der Künste in Berlin Mode bei Vivienne Westwood und Fotografie bei F.C. Gundlach studiert.

Was erwarten Sie von Ihren Assistenten? Was erwarten Ihre Assistenten von Ihnen?
Motivation, Engagement, Begeisterung für Fotografie und natürlich ein fundiertes technisches Grundwissen.

Eine hervorragende Fotografie entsteht eher zufällig oder muss sorgfältig geplant sein?
Zufällige Ergebnisse können wunderbar sein sind aber sehr schwer zu wiederholen. Wenn man sich Lebenswerke von einzelnen Fotografen ansieht, so sieht man, dass in allen großen inszenierten Bildern viel konzeptionelles Denken und Vorbereitung dahinter steckt.

Welches wird Ihr nächster großer (Selbst-)Auftrag, Ihr nächstes, wichtiges Projekt sein?
Ein komplett eigenständiges Buchprojekt mit inszenierten Fotografien, das ich mit den Mädchen mit denen ich gerade arbeite, realisiere. Sprich: die viele Zeit, die man mit ihnen zusammen ist, kreativ und konstruktiv nutzen.

Wen möchten Sie gern einmal fotografieren? Für welche Marke haben Sie sofort eine zündende Idee – in Form eines Bildes?
Als Kind wollt ich immer Maryline Monroe fotografieren. Die lebt ja leider nicht mehr, daher würde ich mich heute wahnsinnig darüber freuen, David Bowie vor der Kamera zu haben.

Was möchten Sie niemals machen – als Fotograf?
Unehrlich zu mir sein, meine Träume verleugnen und nur des Geldes wegen – ohne Passion – zu fotografieren.

Seit wann können Sie als Fotograf von Ihren Einkünften gut leben?
Seit dem Hauptstudium (für die Berliner Tagespresse gearbeitet) lebe ich von der Fotografie

In welcher Stadt auf der Welt lebt es sich als Fotograf am besten und warum gerade dort? Und natürlich: wo leben Sie heute?
In Europa ist die momentan spannendste Stadt, um Leben und Arbeit zu verbinden, Paris. Das herrliche Zusammentreffen aus dem Gesamtumfeld der Mode, der Kreativen, Fotografen, Hair&Make up Artists, Stylisten und Künstlern. Und nicht zu Vergessen das herrliche Essen.

Ich lebe in Paris. Eine wunderbare und spannende Alternative sehe ich in New York.

Zeit für Kinder und Familie?
Das Kinderglück ist noch nicht da. Aber mit meiner Frau verbinden wir das Praktische mit dem Vergnügen und arbeiten regelmäßig zusammen; so können wir glücklicherweise viel zusammen durch die Welt reisen.

Ihr größter Erfolg bisher?
Dass meine Frau „Ja“ gesagt hat.

Fotograf Kristian Schuller

Im Moment 4 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Ich kenne Kristian Schuller seit der vorletzten Germanys Next Top Model Staffel und war immer wieder fasziniert von seinen Bildideen und den Umgang mit den Models.
    Die Bilder mit dem Gerüst und den Ringen kamen in der letzten Folge und ich war echt begeistert. Auf eine energische Weise mit leicht schreiendem Ton, holt er echt einiges aus den Models heraus.

    Schönes Interview und cool das er in Berlin studiert hat, das mache ich nämlich auch.

    grüße,
    Tristan

  2. Ich hatte ja damals in meinem Interview schon mal erwähnt, wie großartig ich Schuller finde, daher freue ich mich natürlich umso mehr über so ein seltenes Interview mit ihm, ganz großes Kino, vielen Dank!!!
    Die Geschichten, die seine Bilder erzählen, in dieser dynamischen Ausdrucksweise, sind einfach nur einzigartig!
    Die Schulzeit kann gerade nicht schnell genug vorüber gehen, um mich bei ihm um eine Assistenzstelle zu bewerben :)

    lg,
    phil

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