4. März 2010 3

Zehn Fragen an Fotografen: Felix Holzer

Fotografie und Geistesblitz

Von Marko Radloff

Felix Holzer – Jahrgang 1973 – studierte Foto-Design in Berlin und machte sich 1999 in München als Fotograf selbstständig. Bereits 2001 wurde er Mitglied im BFF und zählte nach kurzer Zeit zu den führenden deutschen Fotografen für Stills, People und Transportation.

Zu seinen Auftraggebern zählen namhafte Kunden wie der Bayerische Rundfunk, BMW, E.ON, Mastercard, McDonald’s, Siemens und andere national und international bekannte Unternehmen.

Für seine Arbeiten wurden Holzer zahlreiche internationale Preise und Auszeichnungen zuerkannt. Um nur einige zu nennen BFF-Award, Cannes Lions, Clio, Comprix, Communication Arts, Cresta, DDC, Eurobest – und viele weitere.

© Felix Holzer

© Felix Holzer

Marko Radloff/Bildwerk 3: Worin besteht der Wert einer guten Ausbildung zum Fotografen? Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Felix Holzer: Als Basis halte ich ein Studium der Fotografie für sehr empfehlenswert, ich habe Foto-Design am Berliner Lette-Verein studiert. So lernt man mit dem Wissen über Fotografie und dem Beherrschen der Technik seine Visionen toll umzusetzen.

Kreative Begabung hingegen hat man oder hat man nicht. Hier gilt es seinen eigenen Weg zu finden, seine eigene kreative Sprache zu sprechen und diese stets weiter zu entwickeln, schlichtweg einmalig und genial zu werden!

Fotografien

Fotograf Felix Holzer

Was erwarten Sie von Ihren Assistenten? Was erwarten Ihre Assistenten von Ihnen?
Es macht mir große Freude mit jungen Kreativen zu arbeiten. Grundlage für eine inspirierende Zusammenarbeit ist Vertrauen und ein gemeinsames  „inneres“ Feuer für die Projekte.

So sind es neben dem Assistenten auch zahlreiche weitere Partner, wie Special Effects Profis, Stylisten, Hair/Make-Up Artists, Food-Stylisten, Locationscouts und viele andere Spezialisten, die in einem gemeinsamen kreativen Prozess im Team das Ergebnis erarbeiten. So profitiert einer vom anderen.

Eine hervorragende Fotografie entsteht eher zufällig oder muss sie sorgfältig geplant sein?
Sehr gute Frage. Im Laufe der Zeit habe ich bei mir immer wieder zwei Muster feststellen können:

Zu Beginn eines Projekts sammle ich grundsätzlich viele, viele Informationen zum Thema ohne diese großartig zu bewerten, spielerisch, etwa so wie beim Muscheln-Suchen am Strand. Danach widme ich mich einige Zeit ganz anderem, das nach Möglichkeit viel Spaß macht z.B. Sport. Anschließend plane und organisiere ich das Shooting und spiele im Kopf alle möglichen Umsetzungen und Abläufe durch.

Nun folgt eine sehr spannende Phase. Es passiert einfach überraschend z.B. beim Duschen, ganz plötzlich ist er da, der Geistesblitz. Der geniale Einfall ist geboren, wie aus dem Nichts – ein wiederkehrendes Phänomen, erklären kann ich es nicht. Alle unwichtigen Ideen werden nun gnadenlos weggeworfen und der Geistesblitz wird nun gezielt und exakt geplant fotografisch umgesetzt.

Auf einen Geistesblitz kann man sich natürlich nicht verlassen. Auch dann gehe ich sehr gut vorbereitet in die Shootings und bin einfach gespannt was passiert, auf das Unvorhergesehene beim Machen. Das Shooting beginnt,  Du fotografierst, Du begibst Dich auf die Suche nach dem Foto aller Fotos, bist voll im Flow.

Und auch hier, plötzlich passiert es. Es überkommt Dich dieses besondere Gefühl und es sagt Dir: „Das ist es, ja genau, das ist es – diese Fotografie hat Magie!“.

Welches wird Ihr nächstes, wichtiges Projekt sein?
Ich arbeite zur Zeit an meinem ersten freien Buchprojekt. Mehr möchte ich allerdings noch nicht verraten.

Wen möchten Sie gern einmal fotografieren?
Generell besondere Persönlichkeiten, Menschen mit diesem besonderen außergewöhnlichen Glitzern in den Augen. Man muss gut suchen und wird Sie über unseren ganzen Globus verteilt finden.

Was möchten Sie niemals machen – als Fotograf?
Gerade auch als Bildschaffender trägt man eine besondere Verantwortung. So lehne ich es ab, für Firmen und Vereinigungen zu fotografieren, deren Produkte und Überzeugungen ich nicht vertreten kann, sei es für noch soviel Geld.

Seit wann können Sie als Fotograf von Ihren Einkünften gut leben?
Gleich nach dem Abschluss meines Studiums.

In welcher Stadt auf der Welt lebt es sich als Fotograf am besten und warum gerade dort? Und natürlich: wo leben Sie heute?
Ich liebe New York, Paris, London, Berlin, Hamburg. Doch bin ich als geborener Münchner immer und immer wieder in mein kleines und feines München zurückgekehrt. Wie heißt es doch so schön, „In München geboren – in der Welt zu Hause.“

Zeit für Kinder und Familie?
Meine Familie ist der Ruhepol für meinen Beruf, ich verbringe sehr viel Zeit mit Ihr.

Ihr größter Erfolg bisher?
Ich lebe meinen Traum.

Fotograf Felix Holzer

Im Moment 3 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Jo sagt:

    Tut leid, aber mir persönlich sind seine Arbeiten viel zu steril. Das gilt auch und vor allem für seine Porträts – nach einem “außergewöhnlichen Glitzern in den Augen” suche ich vergeblich.

    Trotzdem vielen Dank für das tolle Interview!

    • Moses sagt:

      Grandiose Fotos, klar und geil gestaltet, sensationelle Ideen.
      Im Interview gefällt mir der Prozess der Ideenfindung, habe ich auch schon so ähnlich erlebt! Wurde selten so gut formuliert.

      Rock n Roll

    • ebaer sagt:

      schließe mich Jo an, da fehlt mir die Tiefe. Das ist wohl auch gerade gefragt diese Kühle und an der Oberfläche bleiben.

Diesen Beitrag kommentieren



XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Zuletzt kommentiert

  • B()ris: Diesen Gleisschleifer finde ich nicht so gelungen, zumal das Bild auch noch etwas schief ist. Wobei es zugegebenermaßen schwierig ...
  • Markus: Ich würde mir dort etwas mehr Transparenz wünschen. Wenn ich dort eine Serie einstelle und nur ein Bild daraus der leider nicht n...
  • Marko: Äh, Deutschland hat den dritten Platz gemacht und diese Aktion hier war ein – wie sag ich's freundlich – Rohrkrepierer? Ich habe l...
  • Christian Ernst: Hallo Marko, vielen Dank, der Katalog ist bei mir angekommen. Werde ihn mir die nächsten Abende mal anschauen. Viele Grüße,...
  • tina: halleluja, da treiben die Fotografen ja fast genauso Hochleistungssport wie die Jungs auf dem Spielfeld. Respekt! Und vielen Dank ...
  • Walter: Sehr beeindruckender und interessanter Einblick....

Bildwerk3 on facebook