In meinen Fotos stehen die Produkte nicht vor den Menschen
Die Fotografien von Diana Scheunemann sind mir nicht nur durch ihre leichte und sehr emotional wirkende Umsetzung aufgefallen sondern auch durch die ungeheuer geringe Distanz, die die Fotografin zu ihren Modellen einnimmt.
Dazu und über einige anderen Dinge habe ich mit der Fotografin gesprochen:

© Diana Scheunemann
Marko Radloff/Bildwerk3: Worin besteht der Wert einer guten Ausbildung zum Fotografen? Welche Ausbildung hast Du gemacht?
Diana Scheunemann: Ich denke, dass das Leben und praktische Erfahrung die beste Ausbildung sind. Es ist sehr wichtig, seinen eigenen Stil zu finden und dabei kann einem so leicht keiner helfen.
Deine Fashion- und Lifestyle-Aufnahmen spielen alle mit einem sinnlichen, um nicht zu sagen lasziven Moment. Als Versuch einer Grenzüberschreitung?
Bisher habe ich noch keine meiner Grenzen überschritten. Vertrauen und Nähe sind für mich sehr interessante Themen, die ich gerne immer wieder neu entdecke. Mit jedem Fotografierten ist es anders. Wenn man dann an den Punkt gerät, dass alles passt, ist das ein ganz tolles Gefühl.
Besteht bei dieser Art Fotografie die Gefahr einer Abnutzung? Ich meine durch Überreizung des Betrachters – und schlussendlich durch Ermüdung der Sinne?
So, wie man in einer langen Ehe keinen Sex mehr hat? Sich ihn aber dann trotzdem durch Seitensprünge holt, um Anerkennung zu bekommen? Ich denke, das ist sehr individuell…
Ist es daher für Dich leichter Anti-Aids-Werbung umzusetzen, als beispielsweise eine Kampagne für Berufsbekleidung zu bebildern?
In meinen Bildern stehen die Produkte nicht vor dem Menschen. Ich schiesse Bilder, die Emotionen hervorrufen und somit auf etwas aufmerksam machen. Eine Lebensweise zeigen.
Gibt es Deiner Meinung nach eine klar definierte fotografische Grenze zwischen Pornografie und Nicht-Pornografie – ich meine indem was gezeigt wird?
Wenn das Hauptanliegen des Produzenten pornografischen Ursprungs ist und somit alles allein darauf ankommt, dass der Betracher sexuell erregt wird, ist es in meinen Augen pornografisch. Sobald andere Ebenen eingezogen werden, kann etwas sexuell erregend sein, ohne pornografisch zu sein. Auch der Kontext ist wichtig.

© Diana Scheunemann
Was erwartest Du von Deinen Modellen? Was erwarten Deine Modelle von Dir?
Ich caste bewusst Modelle, die offen sind und full of energy. Menschen, die schön sind, aber nichts zu sagen haben, interessieren mich nicht. Mir ist es wichtig, dass ich Lebensfreude zeigen kann. Ich mache es den Modellen so einfach wie möglich, offen zu sein vor der Kamera und sich gehen zu lassen.
Trägst Du Deine Fototasche bei den meisten Shootings noch selber?
Es ist sehr wichtig, ein gutes Team zu haben. Jeder hat seine Aufgabe und doch entsteht ein gutes Bild nur, wenn alle an einem Strick ziehen. Beantwortet das meine Frage? Ja, ich denke schon. Das ist der Kern …
Mit welchem Gepäck bis Du überhaupt unterwegs, wenn’s ans arbeiten geht?
Kommt drauf an, wo und für wen ich schiesse. Manchmal fliege ich nur mit Handgepäck von NYC nach London. Manchmal bringe ich mein eigenes Equipment. Hängt von diversen Faktoren ab.
Welches wird Dein nächster großer (Selbst-)Auftrag, Dein nächstes, wichtiges Projekt sein?
Ich habe vor, im Sommer einen Roadtrip durch Amerika zu machen. Exploring America.
Was wirst Du niemals machen – als Fotografin?
Stillife von langweiligen Objekten. Weil es ist echt schwierig Emotionen aus Objekten zu locken ;o)
In welcher Stadt auf der Welt lebt es sich als Fotografin am besten und warum gerade dort? Und natürlich: wo lebst Du heute?
Ich habe in Paris gewohnt, dann 5 Jahre in London und mittlerweile lebe ich in NYC und ich liebe es. Man trifft einen Haufen verrückter Leute, die ich bisher nirgend wo anders in dieser Dichte gefunden habe.
Zeit für Kinder und Familie?
Wir möchten keine Kinder. Das wäre zuviel Stress. Mit meinem Partner habe ich einen Hund adoptiert. Der ist toll. Und mein Partner auch.
Dein größter Erfolg? Diana Scheunemann in zehn Jahren?
Melde Dich in zehn Jahren wieder ;o)

© Diana Scheunemann


Mit der Kamera sehen Konzeptionelle Fotografie im digitalen Zeitalter
Ein Tag Deutschland:
Das Wesen der Fotografie: Ein Elementarbuch Stephen Shore erklärt, wie man Fotografien richtig beurteilt und versteht.
Erfolg als Fotograf: Wie man sein Können optimal präsentiert Autorin: Dr. Martina Mettner
Danke für das tolle Interview!
Gern gemacht!
wirklich sehr schöne fotos und tolles interview. finds immer wieder gut zu erfahren wie kollegen aus anderen beireichen der fotografie denken