Bilder machen ist nicht schwer, Fotograf zu sein dagegen sehr …

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Ich kenne Frau Dr. Mettner schon eine ganze Zeit und ich habe mir immer ein Buch von ihr gewünscht. Nun hat Sie es wahr gemacht. Und ich habe es gelesen und finde es prima!

Nun ja, das ist beileibe noch keine begründete Empfehlung und ich stecke mit diesem Buch in folgendem Dilemma: es ließe sich gleichzeitig sehr viel dazu sagen und andersherum würde wenig völlig ausreichen um es zu empfehlen. Unbedingt kaufen und lesen – so lautete die Kurzfassung. Vielleicht mit dem Zusatz: wer immer dort draußen an sich und der Fotografie verzweifelt, erfährt in diesem Buch wenigsten warum.

Die Langfassung einer Empfehlung bedeutete nichts weniger, als sich Kapitel für Kapitel, gelegentlich Absatz für Absatz den überraschenden Auslassungen von Frau Dr. Mettner zu zuwenden und den Inhalt wie einen guten Wein langsam und genussvoll zu zerkauen. Es steckt so viel darin, dass es schwer fällt, den Fokus auf nur einen Aspekt zu richten.

Fotografie und Realität

Versetzen wir uns in die Lage eines Menschen, der zum ersten Mal eine Fotografie sieht – ein Bild von sich selbst beispielsweise, ein Foto von der Straße in der er wohnt, eine Aufnahme von der Kirche, in die er jeden Sonntag geht. Er kannte bisher Stiche oder Zeichnungen – und sich selbst nur aus dem Spiegel. Ganz natürlich werden ihm diese faszinierend detailgetreuen Aufnahmen wie ein Abbild der Realität vorkommen, wie eine Reproduktion der Wirklichkeit.

Wie man ein großartiger Fotograf wird – im Tigerkäfig.

Viele Millionen Aufnahmen später wissen wir, das das der Anfangsirrtum war, an dem die Fotografie bis heute schwer trägt, das jede Aufnahme immer schon eine Interpretation ist, ein mehr oder weniger bewusst gewählter Ausschnitt eines dreidimensionalen Raumes, zu einem mehr oder weniger bewusst gewählten Zeitpunkt, projiziert mit allerlei Hilfsgerät auf die Fläche.

Diesem Anfangsirrtum sind viele Irrtümer gefolgt – unter anderem der des Primats der Technik vor der Konzeption – und jeder Fotograf oder jeder Hobbyist auf dem Weg zum Profi muss sie wohl alle erneut durchleben beziehungsweise durchleiden und scheitert am Ende meist doch. Das dies nicht so sein muss, dazu liefert Wie man ein großartiger Fotograf wird alle nötigen Denkansätze.

Wer in diesem Buch allerdings einen Bauplan oder so etwas ähnliches erwartet, liegt daneben – denken muss man natürlich selber. Aber das geschieht bei der Lektüre wie von selbst und es ist daher ratsam das Buch in kleinen Dosen zu sich zu nehmen.

Am Ende kann man ein großartiger Fotograf sein oder irgendwas dazwischen, in jedem Fall aber wird man für sich wissen, woran man ist. Und das ist schon viel …

Dem Buch noch etwas geben

Da mir das Lesen von Büchern aus Zeitgründen immer schwerer fällt und weil ich beginne, mich an die Häppchenkultur im Internetzeitalter zu gewöhnen, hätte ich dieses Buch zwecks einfacherer Verdaubarkeit gern als Audiofile für meinen iPod, hübsch vorgetragen von der Autorin – als kluge Begleitung bei meinen morgendlichen Laufrunden. Und auch dafür bin ich bereit, den verlangten Preis zu zahlen.

Während Frau Dr. Mettner in vielen Dingen recht hat, in einer Sache irrt die Autorin: Grundsätzlich glaube ich, das das traditionelle Fotografenhandwerk alles andere als am Ende ist. Nirgendwoanders gibt es nach meiner Einschätzung eine so beständige Nachfrage, die eben nicht einfach über das Internet abwandern kann und die auch nicht durch den Eifer noch so vieler Hobbyisten versiegt – und das Fotografenhandwerk nicht gleichbedeutend mit Passbildfotografie sein muss und sich trotzdem an jedermann richtet, beweißt das Beispiel der Hoffotografen in Berlin.

Fazit

Das Buch von Dr. Martina Mettner gehört ohne Zweifel zu den überraschensten deutschsprachigen Publikationen in der letzten Zeit, die sich des Themas Fotografie für Fortschreitende annehmen. Mit etwas Glück und ausreichend talentierter PR wird dieses Buch zu den Klassikern der thematischen Literatur über Fotografie zählen können – vielleicht ähnlich wichtig wie Feiningers Hohe Schule der Fotografie.

Ich wünsche dem Buch schon jetzt, das es den Weg in die Bibliotheken der Hochschulen und in die Regale und auf die Nachttische der wirklichen Fotografen findet und Dr. Martina Mettner jede Menge neue Auflagen 😀

Jetzt habt Ihr Gelegenheit, eines von zwei signierten Exemplaren zu gewinnen! Wer zu diesem Beitrag bis einschließlich Sonntag den 31.01.2010 einen Kommentar schreibt oder auf diesen Beitrag verlinkt, nimmt automatisch an der Verlosung teil. Viel Spaß und viel Erfolg …

Veröffentlicht von Marko Radloff

Marko Radloff ist Gründer und Herausgeber von Bildwerk3. Bei Bildwerk3 Fotoarbeiten zeigen? Submission! Über Marko Radloff: XING Bildwerk3 unterstützen? Über diesen Link einkaufen.

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