Fotolese: Fotografie von heute wird nichts Bleibendes hinterlassen
Ein Ereignis, dem man seine Aufmerksamkeit in dieser Woche nicht entziehen kann: die Ausstellung des Fotografen Andreas Mühe in der Galerie Camera Work in Berlin.
Bei • WELT ONLINE gibt es aus gegebenem Anlass ein Interview mit Mühe. Überraschend ist die Antwort Mühes nach seinen fotografischen Vorbildern – ein klares nein – also keine.
Am Ende des Interviews, nach der Fotografie und ihrer Zukunft befragt, antwortet Mühe: “Die Fotografie der heutigen Tage und Jahre wird kein bleibendes Erbe hinterlassen, da sich die Digitalisierung selbst zerstören wird.”
Wir gehen also los und machen schnell noch ein paar Abzüge, in der Hoffnung, dass die den Image-Gau um einige Jahre überdauern. Ach so, auch • SPIEGEL ONLINE widmet der gleichen Ausstellung einen längeren Beitrag.

© Andreas Mühe, Arthur Abraham 3, Rügen, 2008 – bis 06. März 2010 in der Galerie CAMERA WORK in Berlin
• DER FREITAG
In einem langen und schwelgenden aber unbedingt lesenswerten Beitrag schildert Corinna Koch für den Freitag das Leben des amerikanischen Fotografen Ari Marcopoulos – lesenswert, weil eine ganz und gar eigensinnige Fotografen-Karriere zur Sprache kommt.
“Er macht, was ihm gefällt, fotografiert, was ihn interessiert, nimmt die Dinge so, wie sie kommen”, so Koch über Marcopoulos. Kommerziell erfolgreich ist das nicht und wenn man sich die Bilder von Marcopoulos anschaut, ahnt man auch warum. Koch nennt ihren Helden tragikomisch – aber nun werden die Fotografien des Fünfzigjährigen in Kalifornien ausgestellt.
• FRANKFURTER RUNDSCHAU
Dennis Hopper ist nicht nur Schauspieler sondern auch Fotograf. Im vergangenen Jahr ist bei Taschen ein opulenter Band, das fotografische Vermächtnis, Fotografien von 1961 – 1967, in einer Limited Edition erschienen. Preis pro zwanzig Kilo Band: fünfhundert Euro – bei Amazon derzeit nicht auf Lager und zu einem höheren Preis lediglich gebraucht erhältlich.
Der Beitrag von Campino über Hopper in der FR ist nicht gerade brilliant, aber dennoch kommt einiges zusammen, das den Ausnahmekünstler Hopper auch als Fotografen zeigt.
In Apocalypse Now spielt Hopper selbst einen Fotografen – ein kurzer aber sehr eindrucksvoller Auftritt, die Figur des Photoreporters zwiespältig, opportunistisch …
• SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
Einen langen Bericht über einen Besuch bei dem Fotografen Sebastião Salgado liefert uns SZ-Autor Sebastian Beck.
Die Aufnahmen Salgados folgten klassischen Kompositionen, sie seien mit maximalem technischen Aufwand vergrößert. “Wer wissen will”, schreibt Beck, “was Schwarzweißfilme früher zu leisten vermochten, der muss sich nur Salgados Arbeiten aus den 70er und 80er Jahren anschauen. Sie sind in jeder Hinsicht perfekt …”
Leider gibt es zum Beitrag nicht eine Fotografie zu sehen. Aber eine Nachfrage bei der Bildersuche bringt zahlreiche Ergebnisse.
Die aufregendste Bilderstrecke der Woche habe ich bei • SPIEGEL ONLINE gefunden: Aufnahmen des Rock-Fotografen Hannes Schmid


Mit der Kamera sehen Konzeptionelle Fotografie im digitalen Zeitalter
Ein Tag Deutschland:
Das Wesen der Fotografie: Ein Elementarbuch Stephen Shore erklärt, wie man Fotografien richtig beurteilt und versteht.
Erfolg als Fotograf: Wie man sein Können optimal präsentiert Autorin: Dr. Martina Mettner
Das einzige was an Statements wie denen des Herrn Mühe bemerkenswert ist? Das irgendjemand diese Phrasendrescherei noch wahrnimmt. Womöglich sogar ernst nimmt.
Oje, ging das jetzt gegen mich
… Im Ernst: ich finde die Antworten Mühes schon zu den Fragen passend.
Lediglich die Fragen sind ein bisschen dünn und reiten etwas dolle auf der Herkunft Mühes herum.
auch ich finde das interview lesenswert, ähnlich geht es mir mit dem beitrag von “spiegel online”. und ich kann wahrlich keine “phrasendrescherei” erkennen. eher erscheint es mir als “phrase”, einfach so mal etwas in den raum zu werfen.
einem beitrag von marko radloff über einen recht interessanten fotografen wird hier, so scheint es mir, auf recht fragwürde weise und wohl recht bewußt, die diskussionsgrundlage genommen, das einmal vorab …
daß mühe keine vorbilder nennt, mir recht verständlich. wenn man genauer liest, erschließt sich das einem recht gut. bei dem familiären baground, wer würde da nicht ganz gerne eigene, ganz neue wege gehen wollen.
immerhin erscheint es mir, daß mühe durch sein direktes umfeld recht stark geprägt wurde, also kein grund für mich, darauf nicht etwas näher einzugehen.
“die fotografie der heutigen tage und jahre wird kein bleibendes erbe hinterlassen, da sich die digitalisierung selbst zerstören wird” …
sicher klar, daß mühe hiermit nicht die fotografie heutiger tage schlechthin in frage stellt. sein angesprochener aspekt, sicher überspitzt ausgesprochen, treibt bekanntermaßen nicht ganz unbegründet seit jahren museumsleuten, dokumentaren, archivare, konservatoren, restauratoren u.v.m. die sorgenfalten auf die stirn. ich gehöre übrigens auch zu diesen genannten …
deshalb finde ich das “statement” von uwe mayer schon etwas arg.
Vielen Dank für Deinen Zuspruch. Weit davon entfernt, hier an irgendeiner Stelle eine Zensur einführen zu wollen, gibt es gelegentlich Kommentare – eher seltener – bei denen ich mich frage, warum sie in so niedermachendem Ton eingetragen werden. Das verdirbt oft ihren doch ganz wahren Kern …
Zu A.Mühe: ich habe von seinem Personal Producer – auch das gibt es für Fotografen – das OK bekommen meine Interview-Fragen schicken zu können. Vielleicht wird ja ein Beitrag daraus. Demnächst also wieder hier …
freut mich und ich bin sehr gespannt auf mehr von a.mühe !