Geschichte der Bildagenturen
“Wir hatten frühzeitig bemerkt, dass eine neue Ära anbrach” – Interview mit Erwin Fey
Nachdem hier in den letzten Tagen viel und kenntnisreich zur Geschichte der Bildagenturen zu lesen war – heute zum Abschluss dieser Artikelreihe ein Interview mit dem Unternehmer und Kenner der Bildbranche Erwin Fey.
Wer die Beiträge von Klaus Plaumann aufmerksam gelesen hat, für den ist Fey kein Unbekannter. Erwin Fey hat als einer der ersten in Deutschland für diesen Markt auf Digitalisierung gesetzt.
Heute ist Erwin Fey Geschäftsführer und Inhaber der Fey Mediaverlagsgesellschaft, in der im letzten Jahr ein opulenter Band mit Fundstücken aus dem Bettmann-Archiv erschienen ist: Schatzkammer der Fotografie. Alle Abbildungen im Beitrag sind aus diesem Band.

Die britische Rock-'n'-Roll-Band THE BEATLES bei einem Segeltrip. Auch dieses Foto befindet sich im großen Bettmann-Archiv. © Max Maxen
Bildwerk3/Marko Radloff: Sie haben 1995 die Düsseldorfer Bildagentur ZEFA (Zentrale Farbbild-Agentur) – ein damals betagter Laden – als geschäftsführender Inhaber übernommen und daraus in weniger als zehn Jahren die größte Agentur Europas gemacht – die drittgrößte weltweit. War die Zeit günstig oder waren Sie einfach der Richtige am richtigen Platz?
Erwin Fey: Der Erfolg der zefa ist eine Mischung aus Teamwork, dem richtigen Zeitpunkt, großartigen Mitarbeitern und dem starken Willen, aus einem eher behäbigen Archiv einen kreativen Vorreiter zu machen. Der Imagewandel wurde geschafft.
Zwischen 1995 und 2004 – dem Jahr, in dem Sie die in Zefa Visual Media umbenannte Agentur verkauften – hat sich der Bildermarkt durch die Digitalisierung radikal verändert. Haben Sie sich in dieser Zeit eher als Getriebener oder doch als Treibender gesehen?
Erwin Fey: Eindeutig als Treibender. Wir haben bereits die Digitalisierung stark vorangetrieben, als viele noch nicht daran dachten. Dank der digitalen Verfügbarkeit der Bestände wuchsen die Verkaufszahlen stetig an. Wir hatten frühzeitig bemerkt, dass eine neue Ära anbrach, die das gesamte Geschäft revolutioniert hat. Es ist ja immer so: Wer nicht auf den fahrenden Zug aufspringt, gerät ins Hintertreffen.
Was bedeutete es ganz praktisch, eine Bildagentur, die am Schluss immerhin einen Jahresumsatz von 32 Millionen Euro gemacht hat auf eine ganze neue Technologie umzurüsten?
Erwin Fey: Viel Arbeit, unternehmerischer Mut, die richtigen Leute, die die neuen Gegebenheiten sofort mitgetragen und umgesetzt haben.
War die Zefa Visual Media am Schluss ein profitables Unternehmen?
Ja
Sie haben ihre Anteile an Zefa Visual Media (51 %) 2004 an Corbis – der großen Bildagentur, die Bill Gates gehört – für 28 Millionen Dollar verkauft. Haben Sie das Geld gut angelegt? Kennen Sie Bill Gates persönlich?
Erwin Fey: Es wird viel über Kauf- und Verkaufspreise spekuliert und ich beteilige mich nicht an Spekulationen. Ja. Herrn Gates habe ich einmal auf einer Veranstaltung erlebt.
Ihre Prognose für die Bildagenturlandschaft: Wird die Konzentration weiter zunehmen? Sehen wir am Ende des Tages die Fusion von Getty und Corbis? Was wird aus den kleinen und speziellen Agenturen? Gibt es ein Überleben abseits der großen Player?
Erwin Fey: Ich bin lange aus dem Geschäft der Bildagenturen, denke aber, dass es für hoch spezialisierte, kleine Agenturen immer mal wieder eine Nische geben wird.
Heute funktioniert der Verkauf von Bildern ausschließlich über das Netz – weltweit und irgendwie demokratisch. Haben Sie eine Empfehlung für junge Fotografen, sich in dieser Situation zu recht zu finden?
Erwin Fey: Qualität findet sich in jeder Situation zurecht.

Präsident Roosevelt trifft am 29. August 1936 auf den Sioux-Häuptling Noal Bad Wound. © Corbis/Bettmann
Mit der Feymedia Verlagsgesellschaft haben Sie 2008 den Neustart gewagt – mit einem Verlag für Fotografie und einer Online-Editionsgalerie. Kennen Sie genügend Sammler limitierter Auflagen, dass sich diese Investition irgendwann bezahlt macht?
Erwin Fey: Der Markt für diesen Geschäftsbereich ist enorm und wächst stetig. Bereits in kurzer Zeit sind interessierte Sammler von sich aus auf uns zugekommen, aber natürlich kennen wir durch die langjährige Erfahrung in Sachen Fotografie viele potentielle Käufer.
Mit der Schatzkammer der Fotografie haben Sie im Herbst 2009 einen opulenten Bildband herausgebracht der fotografische Ikonen des 19. und 20. Jahrhunderts zeigt. Quelle ist das Bettmann-Archiv, das in einem Bergwerk unter Tage verwahrt wird. Wann hatten Sie die Idee zu soviel Historie?
Erwin Fey: Die Idee kam nach eingehender Sichtung des Marktes – es gab ein solches Buch, das sich in dieser Form mit einem historischen Archiv auseinandersetzt, noch nicht. Außerdem ist uns das Bettmann-Archiv durch die vielen Jahre in der Fotobranche bestens bekannt.
Wie ist der Kontakt von Feymedia und dem Bettmann-Archiv zustande gekommen.
Erwin Fey: Über die Autorin, die die Verantwortlichen bei Corbis bzw. dem Bettmann Archiv gut kennt.
Mit den zahlreichen großformatigen Abbildungen auf 304 Seiten – fast alle kennt man und die Aufnahmen sind schon heute Bestandteil des kollektiven fotografischen Gedächtnisses – ist das Bettmann-Archiv nicht erschöpft. Wird es weitere Publikationen aus dem Bestand geben?
Erwin Fey: Bei rund 11 Millionen Exponaten sind noch viele Schätze zu heben. Doch zunächst wird ein weiteres Juwel der Fotogeschichte auf den Markt kommen – ein Bildband über das Sygma-Archiv, zu dem wir ebenfalls einen guten Zugang haben.

Helen Knott und Chester Towne bei einem „Cocktailtanz“ auf dem Dach des Bellevue Stratford Hotels. © Corbis/Bettmann
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Ein wirklich schönes Interview! Was oft nicht rauskommt, ist, dass ein gutes Gefühl für das richtige Produkt zur richtigen Zeit nicht ausreicht. In der Regel steht auch sehr viel Arbeit – hier sicher ein Lebenswerk – dahinter …