28. Dezember 2009 M.R. 1

Die Werbeumsätze werden zurückkehren und der Bedarf an Fotografie steigen

Die Krise der Bildbranche hat aus Sicht von Lars Bauernschmitt zwei Ursachen: eine die aus der Krise der Weltwirtschaft resultiert und die mehr oder weniger alle Branchen betrifft und eine strukturelle, unter der nur die Bildbranche leide. Der Umgang mit Bildern hat sich in den letzten zehn Jahren grundlegend gewandelt. Eine der Antworten von Lars Bauernschmitt darauf: eine neue Bildagentur unter dem Label imagetrust.

Wir bringen heute den zweiten Teil des Interviews mit dem Professor für Fotografie, Vorstandsvorsitzenden beim BVPA und Director of Photography bei imagetrust. (den ersten Teil lesen)

Bildwerk3/Marko Radloff: Einige Verlage versuchen mittels Buy-Out-Klauseln in den Verträgen mit Fotografen, sich die Verwertungsrechte über das übliche Maß hinaus zu sichern, mit dem Ergebnis, dass Fotografen das Recht zur Zweitverwertung verlieren würden. Die Verlage – insbesondere der Jahreszeiten Verlag – argumentieren, das dies lediglich Produktionen betreffen würde, welche ohne einen Auftrag durch den Verlag ohnehin nie fotografiert worden wären. Wie schlüssig ist diese Argumentation?
Lars Bauernschmitt: Wer so argumentiert glaubt vermutlich auch dass die Erde eine Scheibe sei. Im Ernst:  Der Vertrag, den der Jahreszeiten-Verlag da vorlegt, ist ein massiver Eingriff in die Rechte der Fotografen. Ein faires Miteinander sieht anders aus.

Wie dem auch sei. Wer einen Buy-Out braucht soll ihn bezahlen. Es gibt genug Fotografen, die bereit sind einem Kunden so weitgehende Rechte einzuräumen, wie sie die Ganske-Gruppe zu brauchen glaubt. Das geschieht dann aber für Honorare im vierstelligen Bereich und nicht für ein Almosen.

Angesichts allgegenwärtiger digitaler Verwertungsmöglichkeiten: wie zeitgemäß ist das angewandte Urheberrecht?
Das Urheberrecht spricht auch auf die Umstände der Verwendung von Werken in digitaler Form einen Schutz aus, nicht nur national sondern auch international und damit absolut auf der Höhe der Zeit ist.

Wie in jedem anderen Medienbereich sind die Rechte, die ein Wirtschaftsgut darstellen, zu beachten. Unkenntnis schützt vor Strafe nicht. Wegen der Herstellung von Plagiaten wird auch nicht das Patentrecht abgeschafft. Und durch ständiges Falschparken wird auch nicht die Straßenverkehrsordnung überflüssig. Problem ist nicht das Urheberrecht, sondern die (ge)wissenlosen Teilnehmer an der digitalen Medienwelt.

Als Vorstandsvorsitzender des BVPA: Wie schätzen Sie die Lage der mittelständischen Bildagenturen in Deutschland ein?
Die Lage ist für viele nicht rosig. Das liegt zum einen an der weltwirtschaftlichen Situation unter der alle Branchen zu leiden haben und zum anderen an langfristigen Entwicklungen, die nur die Bildbranche betreffen. Die Weltwirtschaft wird sich wieder erholen. Die Werbeumsätze werden zurückkehren und damit wird sich auch der Bedarf an Fotos wieder vergrößern. Die Entwicklungen aber die nur die Bildbranche betreffen, die sind unumkehrbar.

Bedingt durch die Verbreitung der digitalen Fotografie und des Internets hat sich der Bildermarkt extrem verändert. Bildeinkäufer haben heute die totale Marktübersicht, Bildanbieter und ihre Konkurrenten sind von einander nur einen Mausklick entfernt.  Bestimmte Themen, die früher wichtige Umsatzbringer der Agenturen waren sind heute als Microstock für wenige Euro erhältlich. Das sind weite Teile der Stock-Fotografie, die Reisefotografie und eine bestimmte Art der Illustration. Diese Themen fotografierten schon immer auch Amateure, nur heute können sie die Bilder über Microstock-Agenturen und Portale auch weltweit vermarkten.

Der Bilder-Markt hat sich in den letzten zwanzig Jahren komplett gewandelt. Bildanbieter müssen darauf, egal wie groß sie sind, reagieren.  Wie in anderen Branchen auch sind die Erfolgsrezepte der Vergangenheit keine Garantien für Umsätze in der Zukunft.

Der Bildermarkt wandelt sich ganz grundsätzlich. In der vordigitalen Zeit war Foto gleich Foto. Es gab ein paar Ausnahmen im Honorar nach oben, aber im großen und ganzen war der Bildermarkt sehr homogen. Heute haben wir eine ganz andere Situation. Das preisliche Mittelfeld bricht komplett weg. In wenigen Jahren wird es nur noch ganz billig also Microstock und High End geben. Wer sich da nicht selbst seine Position sucht in dem er sein Angebot entsprechend gestaltet wird verschwinden.

Wie sich ein Unternehmen entwickelt ist aber keine Frage der Größe. Wir haben Nischenanbieter, die die Krise gut überstehen und wir haben Giganten, die so wie es aussieht, noch nie schwarze Zahlen geschrieben haben.

Ich selber habe deshalb mit dem Aufbau von imagetrust darauf reagiert und beschreite mit meinen Partnern ganz neue Wege. imagetrust hat dazu eine klare Position mit anspruchsvollen Einzelbildern und Reportagen sowie hochwertigen Portraits wollen wir eine kleine aber feine Nische besetzen, in der noch immer angemessene Honorare gezahlt werden.

Wo setzten Sie bei imagetrust die inhaltlichen Schwerpunkte?

Wir setzen bei imagetrust nicht auf die Masse, sondern konzentrieren uns auf die Themenkreise Wirtschaft, Politik und Kultur sowie internationale Reportage. Wichtig ist uns dabei vor allem die fotografische Qualität und die Konsequenz der Umsetzung in einer akzentuierten Bildsprache.

Das imagetrust-Konzept geht aber weiter, sie wollen mehr sein als eine reine Bild-Agentur, was bieten Sie darüber hinaus?

imagetrust bietet Full-Service rund um das Bild. Vom digitalen Bildarchiv auf unseren Hochleistungsservern über die Auftragsproduktion von Einzelbildern und Reportagen für Redaktionen, Unternehmen und Verbände, produziert imagetrust auch Audio-Visuelle Slideshows für Online-Auftritte.

Darüber hinaus übernehmen wir auf Wunsch für unsere Kunden auch die komplette Bildredaktion, den Datenbank-Aufbau und die Verwaltung sowie den Bild-Vertrieb für Verlage, PR- und Werbeagenturen oder auch Unternehmen und Verbände. Wir führen zur Zeit ganz konkrete Gespräche mit zwei Verlagshäusern, deren weltweite Syndication exklusiv zu übernehmen.

Ein weiteres persönliches Anliegen ist unser Seminarprogramm das imagetrust ab Januar 2010 präsentieren wird. Dort bieten wir Seminare zu allen Fragen rund um das Bild an. Das Angebot der Know-how Vermittlung reicht dabei von der Aufnahme über rechtliche Fragen der Vermarktung bis zur  Erstellung von AV-Präsentationen für das Internet.

Welche Fotografen vertritt imagetrust zur Zeit?

Derzeitig werden 20 Fotografen von imagetrust vertreten. Das Spektrum reicht vom Young Professional bis zum gestandenen Magazin-Reporter.

Mit dem Ziel die gesamte Breite publizistischer Fotografie zu vertreten habe ich das Fotografen-Team zusammengestellt. Die Portrait-Spezialisten Götz Schleser und Stefan Kröger die regelmäßig Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur fotografieren sind ebenso dabei wie der Kölner Bernd Arnold, der neben seiner Arbeit für Redaktionen und Unternehmen mit seinem Zyklus „Macht und Ritual“ international für Furore sorgte. Mit Heiko Specht vertritt imagetrust einen Experten konzeptioneller PR-Fotografie, der vor allem Wirtschaftsthemen intelligent umzusetzen versteht. In dieser Position steht auch der Hamburger Ralf Meyer, der neben redaktionellen Arbeiten regelmäßig im Bereich der Unternehmenskommunikation tätig ist. Seine Ausstellung „Architektonische Nachhut“ kennen sicher viele. Mit Fotografen wie Rolf Nobel und Dirk Gebhardt vertritt imagetrust auch gestandene Reporter.

Die Auswahl macht deutlich, worum es geht: Ich suche die themenadäquate Umsetzung von Inhalten durch Fotografen, die sich als Autoren verstehen und die mit Ihren Bildsprachen wesentliche Akzente in der Fotoszene setzen.

Suchen Sie noch weitere Fotografen?

Wir sind ständig auf der Suche nach guten Fotografen. Allerdings ist es nicht ganz einfach vom Editorial Board akzeptiert zu werden. Unserem Team geht es nicht um Mainstream oder darum Fotografen zu sammeln wie andere Leute Briefmarken.

imagetrust möchte einem Pool von hervorragenden Fotografen die Möglichkeit geben, sich als exklusive Bildautoren zu präsentieren. Wir möchten Fotografen vertreten, die mit ihren Fotos unverkennbare Akzente in der fotografischen Szene setzen und sich in ihrer Arbeit am hohen Qualitätsanspruch unserer Kunden orientieren. Aktuell denken wir darüber nach, unseren Portrait Bereich auszubauen um den Anfragen unserer Kunden für Auftragsproduktionen noch besser nachkommen zu können.

Darüber hinaus suchen wir einen engagierten Fotografen/in im Süddeutschen Raum um imagetrust geografisch besser aufzustellen und auch hier schneller auf Kundenanfragen reagieren zu können.

Für Branchen-Insider hatten die Newsletter von Lars Bauernschmitt lange Zeit Kult-Status erreicht. Kommt es da zu einer Fortsetzung?
Ja. Das ist heute schon der Fall. Wenn einer unserer Kunden sich die Zeit nimmt, meine Newsletter von imagetrust zu lesen, dann will ich ihn nicht nur informieren, sondern auch unterhalten. Wir versuchen einfach, den Spass den wir an der Arbeit haben mit diesen Infos zu unseren Kunden zu tragen.

Darüberhinaus finden Branchen-Interessierte in meinen Mailings wichtige Informationen über Fotografen und Produktionen in angenehm lesbarer Form – das behaupteten jedenfalls viele Bildredaktionen in der Vergangenheit. Eine kurze Mail an info(at)imagetrust(dot)de reicht und wir nehmen die Leser von Bildwerk3 in unseren Verteiler auf. Zusätzlich kann man sich auch auf unserer Homepage (www.imagetrust.de) in den Verteiler registrieren.

Sie scheinen ein echter Überzeugungstäter in Sachen Qualität zu sein?
Das stimmt. Ich bin jetzt über zwanzig Jahre im Geschäft und finde es immer noch spannend, Bilder zu sehen und mit Fotografen über ihre Arbeit zu diskutieren. Es gibt auch abseits der großen Magazine so viele spannende Zeitungen und Zeitschriften, die immer wieder tolle Geschichten zeigen.

Gleichzeitig kommen immer mehr sehr gut gemachte Haus-, Firmen- und Kundenzeitschriften auf den Markt die mit anspruchsvoller Optik und guten Inhalten überzeugen. Ich kann mir nicht vorstellen, einen Tag mal keine Zeitung oder Zeitschrift zu lesen. Der Markt spaltet sich nach meiner Wahrnehmung jedoch auf. Neben einer unüberschaubaren Masse belangloser, beliebig austauschbarer Blättchen und Heftchen wird der Bereich anspruchsvoller Publikationen immer besser und hochwertiger. Und genau dieser Bereich interessiert mich in der Lehre und in der Agentur.

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