Werkzeuge für den professionellen Weißabgleich
Fotografen lieben Gadgets. Wenn man durch einen beliebigen Katalog eines Fotoversenders stöbert findet man dort Dinge unter dem Namen Zubehör, bei denen sich dem rational denkenden Menschen auch beim dritten Darübernachdenken der Sinn nicht wirklich erschließt. „Wer braucht so was ?“ ist mein üblicher Gedanke. Dennoch platzen die meisten Fototaschen irgendwann aus allen Nähten und es beschleicht einen das ungute Gefühl: „Brauche ich all das wirklich? Ich will doch eigentlich nur schöne Bilder machen.“
Eins der wenigen – in meinen Augen – wirklich wichtigen Zubehörteile, ist ein ordentliches Werkzeug für den Weißabgleich. In meinen letzten Artikeln (hier und hier) ging es um das Thema „Was passiert beim Weißabgleich im RAW Konverter“. Durch einen Klick mit der Pipette auf ein weißes oder neutrales Feld, verlässt sich der RAW Konverter auf den Anwender, und nimmt an, das es sich um einen wirklich neutralen Punkt mit der Eigenschaft R=G=B handelt. Das heißt nach dem Klick werden alle Farben des Bildes, aufgrund dieser Annahme, angepasst und damit der Weißabgleich durchgeführt.
Durch ihn haben wir die Farben des Bildes, an die zum Aufnahmezeitpunkt herrschende Farbtemperatur angepasst und das Bild neutralisiert. Dies kann bei der Produktfotografie von entscheidender Bedeutung sein, jedoch bei einem Sonnenuntergang zu bescheidenen Ergebnissen führen.
Welches Werkzeuge gibt es?
Für den Weißabgleich gibt es: Weiß – und Graukarten von verschiedensten Herstellern in unterschiedlichsten Formaten und Materialien. Weißabgleichswürfel, die nicht nur die Durchführung des Weißabgleichs zulassen, sondern auch noch zum Setzen des Schwarz – und Weißpunktes geeignet sind. Sogenannte Weißabgleichsfilter, die prinzipiell das Umgebungslicht so stark verwirbeln, bis man nur noch eine einheitliche graue Fläche durch das Objektiv sieht.
Für diesen Artikel habe ich zu Testzwecken, drei Graukarten verglichen die ich selbst besitze: Eine Kodak Graukarte, ein mittleres Graufeld eines Color Checkers von Gretag MacBeth (jetzt X-Rite) und eine spezielle Weißabgleichskarte von der Firma WhiBal.
Die Aufnahmen wurden auf einem Lichttisch mit Tageslichtlampen gemacht, deren genaue Farbtemperatur mit nicht bekannt ist. Die Tageslichtlampen waren die einzige Lichtquelle in einem sonst dunklen fensterlosen Raum.
Die Ergebnisse von oben nach unten:
1. Kodakgraukarte
Die Kodakgraukarte lieferte Messwerte für die Temperatur zwischen 6150-6550 K und Tönungswerte von +31 – +40. Diese hohen Abweichungen liegen meines Erachtens daran, dass die Kodak Graukarte eigentlich für die Belichtungsmessung (Stichwort 18% Grau) entwickelt wurde und nicht für den digitalen Weißabgleich.
Wenn man eine Kodak Graukarte genauer betrachtet sieht man, dass diese Karte keine gleichmäßige Oberfläche hat, sondern eine Struktur von helleren, dunkleren und (ganz leicht) unterschiedlich getönten Punkten aufweist. Diese Struktur ist bei einer Belichtungsmessung nicht relevant, jedoch bei der Messung des Weißabgleichs mit einer Pipette. Deswegen schwanken die Ergebnisse beim Klick mit der Pipette in Lightroom das einen Mittelwert aus 5×5 Pixel bildet, zufallsabhängig relativ stark.
Der Mittelwert der Kodakkarte lag bei ca. 6350K und einer Tönung von +38. Die Graukarte gibt es in zwei verschiedenen Größen, lässt sich, da sie aus Pappe ist, auf ein beliebiges Maß zuschneiden und passt damit in jede Tasche.

Weißabgleich mit der Kodakgraukarte
2. Weißabgleichskarte von WhiBal
Die Weißabgleichskarte von WhiBal wurde speziell für die Messung des Weißabgleichs entwickelt. Vorteile der Karte gegenüber einer normalen Papp Graukarte sind: Einheitliche Oberflächenstruktur, aus Plastik gefertigt, abwaschbar, fast unzerstörbar. Zusätzlich sind noch ein schwarzes und ein weißes Feld für die Weiß-/Schwarzpunktmessung integriert.
Laut Hersteller sind die Karten komplett durchgefärbt und auf eine Farbabweichung von unter ∆ 0.5 kalibriert. Die Karte liefert über ihre Oberfläche sehr einheitliche Messwerte zwischen 6300-6350K bei einer Tönung, die zwischen +36-+38 nur sehr gering schwankt. Die Karte ist in verschiedenen Größen von Mini’s wie Schlüsselanhänger und Visitenkarte, über ca. 10×15cm bis hin zu 20×30cm erhältlich. Hinweis: Ähnliche Karten gibt es auch von anderen Herstellern.

Weißabgleich mit der WhiBal-Karte
3. Gretag MacBeth (X-Rite) Color Checker
Zum Vergleich habe ich meinen Color Checker herangezogen. Auch er ist aus Pappe, hat jedoch im Gegensatz zur Kodak Graukarte eine sehr einheitliche und homogene Oberfläche der Farbfelder. Den RBG Wert für den von mir gemessenen mittleren Grauton hat der Hersteller mit 180,180,180 angegeben.
Die Messwerte des Color Checkers schwanken auch kaum. Sie liegen zwischen 6550K – 6650K bei Tönungen im Bereich von +33 bis +35. D.h. die Messwerte sind hier etwas wärmer (+300K) und rötlicher als die der beiden anderen Karten, zeichnen sich jedoch genauso wie bei der Weißabgleichskarte von WhiBal durch Ihre Konstanz aus.

Weißabgleich mit Gretag MacBeth Color Checker
Schlussfolgerungen
Wichtig ist bei jedem Weißabgleichswerkzeug, dass dieses die Eigenschaft R=G=B erfüllt. Ob und wie es dieses tut, kann man nur mit teuren Messgeräten bestimmen. Daher ist man hier leider (noch) auf die Angaben des Herstellers angewiesen. Wie der Vergleich zwischen Color Checker und WhiBal zeigt, gibt es bei zwei renommierten Karten Abweichungen von bis zu 300K.
Der Vergleich mit der Kodak Graukarte gibt hier WhiBal erstmal recht, da sie vergleichbare Werte liefert. Andererseits ist Gretag MacBeth ein sehr renommierter Hersteller der jahrzehntelange Erfahrung im Bereich des Color Managements hat. Wenn ich die Bilder auf meinem kalibrierten EIZO CG243 anschaue, sieht das Ergebnis von WhiBal neutral aus, während der Color Checker einen Tick zu warm wirkt. Doch jeder weiß wie sehr dieser „Augenmaß“ Eindruck einen regelmäßig täuschen kann.
Die Alternativen: Weißabgleichswürfel Weißabgleichsfilter
Von der Firma Colorvision gibt es den SpyderCube bzw. alternativ den BasICCaliCube der Firma BasicColor. Diese kleinen Würfel haben eine weiße, graue und schwarze Seitenfläche, eine kleine Lichtfalle für das Setzen des Schwarzpunktes und eine kleine spiegelnde Metallkugel zum Setzen des Weißpunktes in Spitzlichtern. Vorteil ist, dass man gleichzeitig einen Schwarz- und Weißpunkt bei der Referenzaufnahme erhält. Der Nachteil ist die oft kleine Fläche die einem zum Anklicken bleibt, wenn das Motiv weit entfernt ist. Preislich liegen diese zwischen 40-80 Euro.
Weißabgleichsfilter
Von verschiedenen Firmen gibt es sogenannte Weißabgleichsfilter, die das Umgebungslicht verwirbeln. Diesen Filter hält man vor das Objektiv, richtet die Kamera in Richtung Hauptlichtquelle und macht eine Referenzaufnahme, die man später für den Weißabgleich im RAW Konverter verwendet.
Hier empfiehlt es sich einen Filter mit recht großem Durchmesser zu kaufen, damit man diesen mit allen seinen Objektiven verwenden kann. Preislich beginnen diese Filter bei ca. 70 Euro. Wenn man lichtstarke Objektive besitzt, die einen großen Filterdurchmesser haben und deswegen einen 82mm Filter oder größer benötigt liegt man schon bei über 100 Euro.
Vorteil ist die einfache Handhabung. Vor- und Nachteil ist, dass man in die Richtung der Hauptlichtquelle fotografieren soll. Was macht man, wenn man die Position des Motivs nicht einnehmen kann und die Hauptlichtquellen nur von dort gut fotografierbar sind? Andererseits, wie bekomme ich den Löwen im Zoo dazu meine Graukarte zu halten?
Fazit
Jedes hier vorgestellte System hat seine Vor- und Nachteile. Wichtig ist, dass man zumindest eine Möglichkeit hat, bei Bedarf einen perfekten Weißabgleich zu reproduzieren. Wie genau dieser ist hängt von dem Hersteller ab der unser präferiertes Tool, ob Karte, Cube oder Filter herstellt und für die Einhaltung der Regel R=G=B verantwortlich ist.
Man sollte aber hier auch die Kirche im Dorf lassen, da geringe Abweichungen von 50-200K durch Toleranzen und Fehler bei der Monitordarstellung (auch bei kalibrierten), Web- und Druckausgabe oder den Einfluss des Umgebungslichtes bei der Bildbetrachtung weit übertroffen werden.
Reservieren Sie ein kleines Plätzchen in Ihrer Fototasche für das Werkzeug Ihrer Wahl, benutzen Sie es, nicht immer sondern nur wenn Sie es für angemessen und wichtig halten und fotografieren Sie. Viel Spaß dabei.







