Der Weißabgleich im RAW Konverter
Weiß oder Grauabgleich? Wir haben im Beitrag gestern vom Weißabgleich gesprochen aber auch von geeichten Graukarten. Macht man nun einen Weiß- oder einen Grauabgleich? Zurück zu unserer Frage: Was ist Weiß? Wie ist Weiß in der digitalen Welt definiert? Was ist Schwarz und was ist Grau?
Weiß im RGB Farbmodell ist RGB 8-bit (255,255,255) oder in Prozenten wie zum Beispiel Adobe Lightroom die RGB Werte anzeigt (100,100,100), Schwarz ist RGB (0,0,0). Und Grau? Grau ist jede „Farbe“, die zwischen Weiß und Schwarz liegt für die folgendes gilt: R=G=B. Damit sind alle Farben gleich gewichtet und wir erreichen eine Farbneutralität. Grau ist also: RGB (1-254, 1-254, 1-254) für jeweils R=G=B – Weiß und Schwarz sind eigentlich nur Sonderfälle von Grau.
In der Realität wird ein weißes Blatt Papier in einem richtig belichteten Bild (fast) nie die Werte RGB(255,255,255) haben sondern deutlich dunkler RGB(228,228,228) sein. Damit machen wir eigentlich immer einen Grauabgleich und keinen Weißabgleich.
Die Verwendung einer Graukarte birgt zwei weitere Vorteile:
1. Grau reflektiert weniger sogenannte „Störfarben“. Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein Bild in einem Raum machen, in dem eine von 4 Wänden rot gestrichen ist. Das vorhandene Licht wird von der roten Wand beeinflusst. Dieses soll auch in unsere Messung mit eingehen, aber sicherlich nicht in dem Maße, indem eine rote Reflektion auf einem weißen Blatt es darstellen würde. Halten Sie mal ein weißes Blatt oder eine Graukarte neben einen farbigen Gegenstand und versuchen sie eine Reflektion zu erzeugen. Sie werden sehen, dass die Farbreflektion auf der Graukarte wesentlich geringer ausfällt als auf dem weißen Blatt.
2. Mit dem Weißabgleich wollen wir ja die Farbbalance im ganzen Bild, d.h. für alle RGB Werte von (0-255) herstellen. Was dürfte jetzt genauer sein und sich besser auf all diese Werte übertragen lassen? Eine Messung der Farbbalance (des Weißabgleichs) bei Helligkeitswerten von ca. 220-240 (weißes Blatt) oder bei Werten von 120-160 (durchschnittliche Graukarte)? Bei der Graukarte ist der Maximalabstand der zwischen Messwert und den zu korrigierenden Werten liegt wesentlich kleiner. Damit lassen sich die Ergebnisse der Messung deutlich besser auf den gesamten Tonwertumfang des Bildes übertragen.
Was passiert beim Weißabgleich im RAW Konverter
Wenn ich eine Graukarte bei der Aufnahme ins Bild gestellt habe, kann ich einen exakten Weißabgleich bei der Bearbeitung im RAW Konverter durchführen und diesen per Synchronisation, Rezept oder Anpassung anwenden und auf mehrere Bilder, die unter gleichen Bedingungen aufgenommen wurden übertragen.
In meinem Workflow mache ich im Regelfall 1-3 Bilder bei denen ich die Graukarte als Referenz für den Weißabgleich im Bild habe und nehme Sie dann für die eigentlichen Aufnahmen wieder heraus.
Bei der Verarbeitung am Computer wähle ich in Adobe Lightroom im „Entwickeln Modul“ (funktioniert analog dazu in Aperture, Capture One, dem Photoshop ACR Modul, Canon’s DPP oder Nikon’s Capture NX bzw. in jedem anderen RAW Konverter) die Pipette aus und deute mit der Pipette auf die Graukarte. Dabei sehe ich Werte von RGB(75.0, 73.7, 70.8) jeweils in Prozent(%). In diesem Fall ist Rot am stärksten und Blau am schwächsten vertreten. Das Bild ist also zu „warm“.
Um eine perfekte Farbbalance R=G=B zu erzielen, klickt man mit der Pipette auf die Graukarte und sieht, dass sich die Werte und die Farbbalance des Bildes nach dem Klick verschoben haben. Lightroom hat sich auf uns „verlassen“ und dabei unter der Prämisse gearbeitet: „Der Anwender wird wissen was er tut und einen „korrekten“ bzw. kalibrierten Weiß/Graupunkt anklicken“. Aufgrund dieses Klicks setzt Lightroom, soweit möglich, die drei RGB Farben des angeklickten Punktes gleich und wir erhalten hier mit (73.3, 73.4 und 73.5) eine fast exaktes Grau auf der kalibrierten Graukarte – so wie es sein sollte. Analog zu diesen gemessenen Farbverschiebungen auf der Graukarte verschiebt Lightroom alle anderen Farben im Bild analog zu den gemessenen Ergebnissen und der durch die falsche Erkennung der Farbtemperatur aufgetretene Farbstich ist perfekt korrigiert.

Hieraus erklärt sich auch, warum ich eine geeichte Graukarte benötige und mit einer „in freier Wildbahn“ vorkommenden weißen oder grauen Fläche keine exakten Ergebnisse erziele. Ich benötige einen Referenzwert bei dem ich sicher weiß, das dessen Grauwert exakt R=G=B entspricht. Bei einem weißen Blatt Papier kann ich mir nicht sicher sein, da hier häufig optische Aufheller, bzw. Farbzusätze verwendet werden. Genauso bei der weißen Wand eines Raumes, da Maler oft etwas gelb beimischen um die Räume nicht so kalt wirken zu lassen. (Analog gilt das für Stoffe, Tische, Asphalt etc.) Das heißt nur mit einem Grauabgleichswerkzeug von guter Qualität kann ich sicher sein, dass ich einen technischen Weißabgleich perfekt durchführen kann.
Ein häufiger Fehler ist die Versuchung in Situationen, in denen man keine Graukarte verwendet hat, mit der Pipette einen grauen oder weißen Punkt im Bild zu suchen (zum Beispiel im Boden oder an einer Wand), bei dem alle 3 RGB Werte bereits gleich sind und darauf zu klicken. Was würde passieren? Gar nichts. Da wir darüber hinaus auch nicht wissen ob der verwendete Punkt neutral ist, ist diese Vorgehen sinnlos.
Die Verwendung eines beliebigen grauen oder weißen Punktes für den Weißabgleich im Bild, kann jedoch als „Trial and Error“ gute Resultate bringen. Man muss sich nur im Klaren sein, dass man hier vielleicht einen schönen und ansprechenden Weißabgleich bekommt, der für 95% aller Anwendungsfälle perfekt sein kann, jedoch keinen exakten.

Vorher – Nachher. Einmal mit AWB und einmal mit Pipette und Graukarte. Das untere Bild zeigt den technisch exakten Weißabgleich.
Weißabgleich für einen Sonnenuntergang oder der technische und der künstlerische Weißabgleich
Muss ich nun für jedes Bild eine Graukarte verwenden? Nein, sicher nicht. Ich unterscheide zwischen einem technischen und einem künstlerischen Weißabgleich. Der technische Weißabgleich ist der exakte Ausgleich beziehungsweise das setzen von R=G=B. Stellen wir uns mal vor, wir halten eine Graukarte bzw. ein weißes Blatt Papier in einen Sonnenuntergang. Das weiße Blatt Papier wird einen extremen Orangestich haben. Wenn ich diesen Orangestich neutralisiere bekomme ich zwar ein technisch perfektes aber ein grauenvoll aussehendes Bild, das mit dem gewünschten Ergebnis nichts mehr gemein hat.
Bei den meisten Bildern kann ich als Photograph frei entscheiden welchen Weißabgleich ich einstelle, dass heisst ich kann ihn im Gegenzug auch „verstellen“ um ein besseres, künstlerisches Ergebnis zu erzielen. Bei den meisten Motiven habe ich die künstlerische Freiheit das zu tun und sollte diese Möglichkeit auch nutzen. So habe ich zum Beispiel bei dem Bild unten, das um ca. 17:30 Uhr auf Mallorca entstand und im Original einen warmen Farbton aufweist, durch eine einfache Änderung des Weißabgleichs die Nachmittagsstimmung in eine kühle Morgenstimmung verwandelt, die mir bei diesem Bild einfach besser gefallen hat.

AWB, wie Aufnahme: 3650K –Künstlerische WB: 2900K
In der Produktfotografie brauche ich jedoch einen technischen Weißabgleich um sicherzustellen, dass das Rot des Autos, des Schals oder des Pullovers auch exakt dem Rot entspricht das ich bekomme. Um dieses sicherzustellen muss ich neben einem durchgängigen Farbmanagement auch einen technisch perfekten Weißabgleich durchführen – in diesem Fall bin ich auf die Verwendung einer kalibrierten Weißabgleichslösung angewiesen.
Im nächsten Artikel werde ich kurz einige ausgewählte Produkte vorstellen mit denen man den technischen Weißabgleich durchführen kann und meine Erfahrungen damit schildern.








[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Chris Veltman, Alexandra Kleijn erwähnt. Alexandra Kleijn sagte: #bildwerk hat einen schönen Artikel über den Weißabgleich im RAW Konverter: http://bit.ly/1mJlbm #fotografie [...]
Was mich interessieren würde: welche Möglichkeiten für einen Weißabgleich habe ich, wenn ich hybrid arbeite, also auf Film fotografiere und danach einscanne? Da gibt’s ja dann kein RAW. Kurze Antwort dazu wäre nett. Danke.
Hallo Maik,
mit Lightroom oder Aperture geht das auch mit Scan’s ganz ganz einfach, 1 Bild mit Graukarte fotografieren, gescanntes TIF oder PSD z.B. in LR öffnen, mit Pipette den Weißabgleich wie beschrieben durchführen und auf die anderen Bilder der selben Serie synchronisieren. Fertig.
Mfg
Frank Werner
http://www.xvm.de
hallo ihr lieben,
das nen ich ausführlich!
Sehr gut damit habt ihr mir sehr weiter geholfen!!!
HerzlichenDank.
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[...] ist ein ordentliches Werkzeug für den Weißabgleich. In meinen letzten Artikeln (hier und hier) ging es um das Thema „Was passiert beim Weißabgleich im RAW Konverter“. Durch einen Klick mit [...]