Für eine Fotografen-Karriere beim stern: Bildsprache und Thema

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sternFotograf beim stern zu sein oder für den stern zu arbeiten ist für viele Nachwuchsfotoreporter ein Traumziel. Hoffnung macht Andreas Trampe, Bildchef beim stern indem er für wirklich tolle Bilder immer einen Platz in einer der wichtigen deutschsprachigen Magazine sieht. Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere als Fotograf oder als Fotografin sei eine excellente Bildsprache und eine thematische Festlegung.

Mehr zu diesem und zu anderen Themen in unserem Interview mit Andreas Trampe :

Marko Radloff/Bildwerk3: Kann ich beim stern noch etwas werden, wenn ich als Fotograf ein sauber beschriftetes Papierbild vorbei bringe?
Andreas Trampe/stern: Sie  können beim stern grundsätzlich etwas werden, wenn Sie tolle Bilder vorbei bringen, bzw. schicken. Egal ob diese auf Papier, Festplatte oder Glas-Negativ sind. Tolle Bilder scannen wir gerne – kein Problem. Und nicht so tolle Bilder brauchen wir weder auf Papier noch auf Festplatte ;-)

Wie sind Sie Bildchef beim stern geworden? Wo hat Ihre Karriere ihre angefangen?
Ich bin 1996 Stellvertreter, des damaligen Ressortleiter der stern-Bildredaktion Volker Lensch, geworden. Seit 1999 führen wir das Ressort als „so genannte Doppelspitze“ gemeinsam. Von 1991 bis 1996 war ich Fotochef bei Bild am Sonntag, davor habe ich als freier Fotograf gearbeitet. Mein Berufseinstieg begann 1982 mit einem Volontariat in einer Presseagentur.

Ist das richtig: Sie bekommen am Tag über unterschiedliche Kanäle zwischen 15.000 bis 18.000 Bilddateien zur Ansicht und müssen daraus geeignetes Material auswählen?
Ja, wir haben gestern (29.10.2007) 17.648 Bilder bekommen und vorgestern 21.488 Bilder. Am Wochenende ist es ruhiger, so waren es vergangenen Samstag (24.10.09) nur 11.576 Bilder.

Ich habe irgendwo gelesen, dass lediglich 0,03 Prozent der beim stern eingereichten Bilder für eine Veröffentlichung verwendet werden. Diese Zahl stammt von Ihnen und sie stammt aus dem Jahr 2007. Was hat sich in der Zwischenzeit getan?

Wir drucken pro Ausgabe ca. 220 Bilder, bei einem wöchentlichen Bildeingang von ca. 100.000 Bildern sind dass ungefähr 0,22 Prozent.

Welche Anforderungen stellen die veränderten technischen Möglichkeiten an den Beruf des Bildredakteurs?
Bildredakteure müssen technisch versiert sein, die Arbeit am Computer muss „ihnen liegen“ und im besten Fall Spaß bringen. Das Geschäft ist sehr schnell und transparent geworden. Bildmaterial von Fotografen und Agenturen wird „just in Time“ beschafft, Aufträge dank Mail und Internet  global vergeben.

Wie viel Prozent der beim stern veröffentlichten Fotos sind direkt beauftragt, wie viel Prozent werden über Agenturen eingekauft?
Ca. 40 – 50 Prozent aller gedruckten Fotos entstammen Aufträgen, der Rest wird von Agenturen eingekauft.

Haben Sie irgendwann in der letzten Zeit einmal Schwierigkeiten gehabt, einen Beitrag ausreichend zu bebildern?
Nein. Ausreichende Bebilderung gelingt eigentlich immer, die Frage ist eher  ob die dabei erreichte  Qualität gut, sehr gut oder okay ist.

Vor zwanzig Jahren gab es beim stern noch zwanzig fest angestellte Fotografen, heute – bis auf zwei Ausnahmen – niemanden mehr. Aus Ihrer Sicht eine bedauerliche Entwicklung?
Nein, eine zwangsläufige Entwicklung in Zeiten immer  stärkerer Spezialisierung. Wenn wir früher einen Sportfotografen für eine Geschichte gebucht haben, so buchen wir heute einen Fußballfotografen, eine Woche später für eine weitere Sportgeschichte einen anderen Kollegen der sich auf  „Segeln“ spezialisiert hat. Oder für eine Geschichte in Brasilien einen Kollegen, der portugiesisch spricht und sich vor Ort gut auskennt. Heute ist das alles kein Problem mehr, dass sind Anforderungen, die sich mit einem  „fest angestelltes Team“ kaum noch abbilden lassen.

Heute  gibt es im übrigen weltweit überall gute bis sehr gute Fotografen,  anders als früher.

Was empfehlen Sie Nachwuchsfotoreportern, um heute Beachtung zu finden? Sind es besondere Themen oder ist es eine eindrucksvolle Bildsprache?
Ein eindeutiges Profil, dass aus exzellenter Bildsprache und möglichst einem Themenschwerpunkt besteht, so dass er /sie für bestimmte Inhalte/Bildsprache steht und somit für Agenturen, Zeitungen und Zeitschriften verlässlich einzuordnen ist.

In welcher besonderen Verantwortung im Hinblick auf die Authentizität von Fotografie stehen Fotoreporter Ihrer Ansicht nach heute?
Im Zeitalter digitaler Fotografie und Photoshop ist die Glaubwürdigkeit an Fotografen und ihre Bilder ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Fotografen sollten sich dieser Verantwortung extrem bewusst sein, einmal beim Schummeln oder Manipulation erwischt bedeutet meist das „ Aus für die Karriere.“

Andreas Trampe, Leiter Bildredaktion beim stern

Andreas Trampe, Leiter Bildredaktion beim stern

Vielen Dank für dieses Interview.

5 Kommentare

  1. Pingback: Tweets die Für eine Fotografen-Karriere beim stern: Bildsprache und Thema » Bildwerk3 – Fotografie – Fotografen erwähnt -- Topsy.com

  2. Pingback: gesammelte Links aus der Welt der Fotografie – Teil #1 | Photozio

  3. es ist schön mal die gegenseite zu lesen. ich denke ich werde mich auch in näherer zeit mehr auf ein thema festlegen müssen.

    lg micha

  4. Pingback: Fotografenleben. Keine Marke, keine Auftrag? - Fotografie Magazin - Bildwerk3

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