29. Oktober 2009 M.R. 5

Überlegung – Planung – Umsetzung. Wie ein Thema Fotografie wird

Dieser Beitrag ist die Fortsetzung eines Artikels, der an dieser Stelle vor zwei Tagen erschienen ist: der Fotograf Markus Mielek berichtet über die Entstehung seiner Diplomarbeit im Fach Fotografie. (Teil1 lesen)

aus 'Kokon' © Markus Mielek

aus 'Kokon' © Markus Mielek

Teil2: Planung und Umsetzung

Jede Aufnahme ist im Vorfeld ausgiebig geplant worden. Am Anfang stand eine schon recht konkrete Bildidee, parallel dazu suchte ich die passende Location und Modelle, die sich sowohl aus dem Freundeskreis, aber auch aus Modelagenturen rekrutierten.

Die Locations habe ich alle im Umfeld von Dortmund gefunden. Mitunter war es nicht einfach, Zugang zu den Wunschlocations zu bekommen. Ab und an musste leider eine Wunschlocation ausfallen, bei manchen Glücksfällen ergaben sich Möglichkeiten, über die ich vorher nicht zu denken wagte. 

Sind Modelle und Location gefunden, wurde ein passender Aufnahmetermin gefunden. Zu dem habe ich dann noch mindestens einen Assistenten und eine Visagistin organisiert. Auf der Mehrzahl der Motive sind die Modelle geschminkt, auch wenn das auf den ersten Blick nicht auffällt. Für mich ist es besonders wichtig, weil es einfach besser auf Fotos ausschaut und man hat eine Person, die beim Shooting speziell auf Haare und Makeup achtet, so das man die Augen frei hat für andere Dinge.

Kleidung ist auch ein wichtiger Punkt zu den Inszenierungen. Sie sollte das Foto unterstreichen, aber nicht von der Aussage ablenken. Dezent sollte sie sein. Zumeist besprach ich meine Vorstellungen mit dem Modell, welches dann entsprechende Kleidung aus dem eigenen Bestand mitbrachte, oder ich lieh einiges in Geschäften aus. Wichtig war für mich, das genug Alternativen am Tag des Shootings vorhanden waren so das ich mich auch noch vor Ort umentscheiden konnte.

Gleichzeitig ist das nötige technische Equipment für das Shooting zu organisieren. Obwohl ich eine Blitzanlage besitze, waren meist doch noch mehr Lampen als vorhanden nötig, ab und an kamen bestimmte Lichtformer hinzu.

On Location hatte ich meist nie mehr als drei Stunden zur Verfügung, um das Set auszuleuchten, die Modelle zu schminken, entsprechend im Bild zu positionieren und alle Aufnahmen nebst Varianten zu shooten. Dieses enge Zeitfenster für die sehr techniklastige Umsetzung setzt eine akribische Planung voraus. Vor Ort ist meist nicht genug Zeit um verschiedene Beleuchtungen auszuprobieren.

Aufnahme und Technik

Allen Aufnahmen geht voran, daß ich ein möglich authentisches Licht erhalten wollte. Ich überlegte mir, wie das Licht in den Räumen oder auf der Location tatsächlich aussehen konnte und versuchte nun, mit Blitzlicht dieses Licht zu imitieren. Im Normalfall wurde das Modell mit Blitzlicht ausgeleuchtet. Viele Aufnahmen bestehen allerdings aus einer Mischung zwischen dem von mir gesetzten Blitzlicht und dem vor Ort gegebenen Licht, welches ich durch eine Langzeitbelichtung nach dem Model-Shooting aufnahm.

Wichtig für die Aufnahmen war es, die Technik der Montage vorher auszuprobieren, um zu wissen, worauf es ankommt. So ist es unheimlich schwer, ein Modell mit dunklen Haaren vor dem dunklen Hintergrund freizustellen, um besser verschiedenen Elemente in die Bilder montieren zu können. Sicher, ich hätte alle Modelle auch im Studio fotografieren und anschließend in die Bilder einsetzen können, aber ich wollte es so real wie nur eben möglich umsetzen.

aus 'Kokon' © Markus Mielek

aus 'Kokon' © Markus Mielek

Der Fotograf sollte sich also bereits vor der Umsetzung überlegen, welche Elemente er für das spätere Bild benötigt und wie er idealerweise vor Ort arbeiten sollte, damit die spätere Montage einfach von der Hand geht.

Als Beispiel habe ich mal die Aufnahme mit der alten Dame in der Betonlandschaft herausgepickt. Anhand dieses Bildes möchte ich den kompletten Aufbau erklären:

Das Bild besteht eigentlich aus zwei Belichtungen. Eine geblitzte mit Modell und eine Langzeitbelichtung für die Location. Technisch ist es nahezu unmöglich, beides in einer Belichtung zu realisieren, da für die Langzeitbelichtung eine Belichtungszeit von 8 Sekunden nötig war. Durch den Blitz könnte man das Modell zwar einigermaßen scharf aufnehmen, aber in den Umrisskanten der Figur würde man stets erkennen können, dass die Person in der Zeit noch leicht gewackelt hat. Und eine kürzere Belichtungszeit kommt leider auch nicht als alleinige Lösung in Frage, da ansonsten der gesamte Bildhintergrund schwarz wird. Und da das Bild aus beiden Elementen besteht, bleibt nur noch die Möglichkeit der Montage.

Das Motiv mit dem Modell wurde mit zwei Lampen ausgeleuchtet. Die Softbox ist links klar zu erkennen, die zweite Lampe ist in dem Eingang versteckt und sorgt für das gesamte Licht aus dem Eingangsbereich. Wenn man sich diese Belichtung und die Langzeitbelichtung anschaut, erkennt man, das dass von mir gesetzte Licht das vorherrschende Neonlicht aus dem Eingang recht gut imitiert. Die Softbox wurde so gesetzt, das dass Modell noch eine dunkle Aussenkante hat. Das Licht aus dem Eingang wurde tendenziell heller als das andere Licht gesetzt, damit es das Modell stärker akzentuiert. Die Softbox wirkt sozusagen ein wenig als Geisterlicht und als Aufhellung, damit das Gesicht des Modells nicht in Schwärze versinkt. So wirken beide Lichtquellen gut aufeinander abgestimmt.

Vor Ort wurden verschiedene leichte Variationen der Belichtung ausprobiert, bis schließlich die gesamte Serie in dieser Einstellung fotografiert wurde. Das Modell bewegte sich mal zum Eingang hin, mal von ihm weg. Es gibt auch noch eine Variante mit einem Rolltor.

Aufnahme mit Lichtquelle und Modell

Aufnahme mit Lichtquelle und Modell

Langzeitbelichtung mit der gleichen Kameraposition

Langzeitbelichtung mit der gleichen Kameraposition

Postproduction

Einen nicht unerheblichen Anteil der Arbeit machte die Postproduction aus. Die einzelnen Bildelemente mussten stimmig zusammengebracht werden. Die fertige Montage wurde dann noch an partiell aufgehellt oder abgedunkelt.

Die Entscheidung zu diesem Foto fiel letztendlich am digitalen Leuchtkasten in Lightroom wo ich meine Bildauswahl und RAW-Entwicklung zu tätigen pflege. In Lightroom wählte ich also die passende Modell-Aufnahme und die dazugehörige Langzeitbelichtung (auch hier gab es verschiedene Varianten).

Am Rechner wurden dann beide Aufnahmen übereinander gelegt und zunächst das Stativ mit dem schönen Stempel- und noch besseren Reparatur-Werkzeug in Photoshop heraus retuschiert. Anschließend wurden die Ebenen passend zueinander radiert so das beide Aufnahmen zusammenschmolzen. An dieser Stelle hilft wunderbar ein Grafiktablett und eine sehr weiche Pinselspitze, die vielleicht sogar noch mit minimierter Deckkraft arbeitet, um extrem feine Übergänge zu schaffen. Gerade Linien wie am Tor kann man besser mit Pfaden oder dem guten Polygonenlasso freistellen.

Als Resultat erhält man ein gut zusammengeschnittenes Bild. Da meine Arbeit von der Dunkelheit lebt, habe ich die Aufnahme noch weiter bearbeitet. Ich akzentuierte mit Lichtern und Schatten stärkere Kontraste, formte kleine Schattenhöfe, ließ kleine Details verschwinden. Hierzu verwendete ich die Ebenenmasken, da ich somit Änderungen wieder zurücknehmen oder verändern konnte bis mir das Endresultat zusagte.

Das Modell wurde von zwei Lampen beleuchtet ... ein technisches Problem gab es bei dieser Location: Es gab keine Stromanschlüsse, daher musste ich auf akkubetriebene Blitze ausweichen – die leider auch nicht ewig halten. © Markus Mielek

das fertige Motiv © Markus Mielek

Im Moment 5 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Torsten G: sagt:

    Ich weiss, ist nicht so angesagt danach zu fragen, aber Stichwort Equipment: wieviel Watt sollten so Strahler für Außenaufnahmen mindestens haben? Mit welcher Kamera hast Du die Aufnahmen gemacht und spielt das überhaupt eine Rolle? Danke für Deine Antworten.

  2. Markus sagt:

    Haha, der Klassiker (ich habe ehrlich gesagt, darauf gewartet). Zur Kamera: Eigentlich egal, gute Bilder entstehen im Kopf. Für meine Umsetzung kannst du eigentlich alles nehmen, von Kleinbild-Digital bis zur Sinar mit angeschnalltem Digi-Back. Die Frage ist, was im Budget steckt, womit man umgehen kann, und was als Qualität für die Endgröße reicht.
    Zu dem Licht: Ich nutze keine Strahler, sondern eine Blitzanlage. Einige Bilder entstanden mit ein bis zwei Lampen, andere waren da schon schwieriger auszuleuchten. So brauchte ich für das Kino schon eine handvoll Lampen, und 700 Ws sind eigentlich schon das mindeste. Aber auch da kommt es auf den Zweck an: Ich brauchte viel Tiefenschärfe und die Lampen sollten einigermaßen weit vom Modell weg stehen -> da braucht man viel Power.

  3. Marcel sagt:

    Schick, Schick! Danke für den Einblick!

    Du erwähnst glaube ich im ersten Teil, dass ja unzählige Ideen zur Auswahl standen. Ich persönlich tue mich damit eher schwer. Theoretisch gibt es viele Ideen, aber doch irgendwie nichts, was so wirklich kreativ und beeindruckend wirkt.

    Vielleicht sehe ich da oftmals den Wald vor lauter Bäumen nicht, doch wie genau gehst du da an die Themenfindung, um dann planen zu können?

    Suchst du dir einen Begriff und guckst dann, was könnte dazu passen oder andersherum – hast du eine Bildidee und überlegst dir eine Bedeutung, die darauf passen könnte?

    • Marko sagt:

      Ersteres ist ungefähr richtig: ich habe das Bedürfnis etwas auszudrücken und suche nach der geeigneten fotografischen Sprache. Habe ich ungefähr den Bildausdruck suche ich nach den fotografischen Mitteln, dies zu realisieren. Erst so können die ‘wirklich beeindruckenden’ Bilder entstehen.

  4. Markus sagt:

    Hm, Ideen zu finden ist wirklich schwierig. Auf der einen Seite meint man, dass alles schon mal da war, auf der anderen Seite gelingen auch noch wunderbare frische Arbeiten.Wie DU zu einer guten Idee kommst, kann ich Dir leider auch nicht mit einem Patentrezept verraten. Entweder fällt Dir was im Alltag auf, Strömungen in der Gesellschaft, kleine Beobachtungen, ein gutes Buch oder ein anregendes Gespräch, aus dem eine schöne Idee entstehen kann. Oder Du hast Deine fotografische Richtung bereits gefunden, und arbeitest weiter in der Richtung.

    Ich habe mir für mein Diplom tatsächlich eine A4-Seite an Themen zusammengeschrieben, die mich interessieren. Dabei habe ich auch geschaut, wie ich fotografisch ticke. Der Mensch steht eigentlich stets im Vordergrund meiner Arbeit, oft gepaart mit einer sozialen Problematik. Da hätte es keinen Sinn für mich gemacht, Architekturbilder zu fertigen.

    Und oftmals wächst eine Arbeit, wenn man daran arbeitet. Bei mir haben sich viele Bilder auch erst im Laufe der Zeit gefunden, nachdem ich schon begonnen habe, mein Diplom zu fotografieren. Viel Erfolg > : )

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