22. Oktober 2009 0

Neue Schule für Fotografie

Für junge Fotografen sind freie Arbeiten sehr wichtig

Von Marko Radloff

Den richtigen Start als Fotograf hinzulegen ist nicht ganz einfach. Wer schon einmal darüber nachgedacht hat zur Unterstützung eine private Schule zu besuchen, bekommt im folgenden Interview Gelegenheit, sich über die Neue Schule für Fotografie in Berlin zu informieren. Ich habe mit Marc Volk gesprochen – er ist Dozent an dieser Schule und Lehrer für diejenigen Absolventen, die in diesem Jahr die Schule verlassen. Mit zwei Absolventen gab es bereits Wort- und Bild-Beiträge hier bei Bildwerk3 – Kathrin Holighaus und Patrik Budenz.

Wer Fragen hat zur Neuen Schule für Fotografie oder zum Fach Fotografie überhaupt, sollte sich nicht scheuen, sie hier via Kommentar zu stellen. Ganz sicher haben wir Gelegenheit, Antworten zu geben …

Eröffnung der Abschlussausstellung OPEN der Neuen Schule für Fotografie 2009 © Fiona Krakenbürger

Eröffnung der Abschlussausstellung OPEN der Neuen Schule für Fotografie 2009 © Fiona Krakenbürger

Marko Radloff/Bildwerk3: Was ist die Neue Schule für Fotografie in Berlin ihrem Selbstverständnis nach?
Marc Volk: Die Neue Schule ist eine private Schule für Fotografie. Wir sehen unsere Aufgabe darin, den Studierenden genügend praktisches und theoretisches Wissen in ihrer dreijährigen Ausbildungszeit zu vermitteln, so dass sie anschließend eine Chance haben, als Fotografen ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sei es im Bereich der Print- und Onlinemedien, in der Mode/Werbung oder auf dem Kunstmarkt.

Gibt es Berührungspunkte sowohl zur klassischen Fotografenausbildung als auch zum Hochschulstudium?
Die Ausbildung bei uns lässt sich eher mit dem Hochschulstudium vergleichen, da wir neben der Vermittlung der Technik einen Schwerpunkt auf die Auseinandersetzung mit der Fotografiegeschichte und zeitgenössischen Positionen der Fotografie legen. Technik ist bei uns nur Mittel zum Zweck und wir ermuntern unsere Studierenden häufig, gegen herkömmliche Sehgewohnheiten zu verstoßen, wenn es der Steigerung des Ausdrucks dient.

Im Gegensatz zum Hochschulstudium bieten wir kein Kurssystem an. Das hat den Vorteil, dass dadurch der Klassenverband mitunter stärker ausgeprägt ist als es meist an Universitäten oder Fachhochschulen der Fall ist.

Welche technischen Möglichkeiten bietet die Neue Schule für Fotografie? Gibt es noch eine Dunkelkammer, in der S/W-Filme entwickelt und Abzüge gemacht werden können?
Wir haben unsere Werkstätten in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich ausgebaut und verfügen mittlerweile über zwei sehr gut ausgestattete S/W Dunkelkammern mit 8 -10 Plätzen, und einen modernen Computerraum mit Beamer, Scanner und Drucker. Darüber hinaus befindet sich in unseren Räumen ein Farblabor, das von Uli Hagel betrieben und von uns auch genutzt wird.

Im Grundstudium werden fast alle Aufgaben analog gelöst. Das fängt mit dem Bau einer Lochkamera an, schließt selbstverständlich die klassische Filmentwicklung ein und geht bis zur Ausarbeitung hochwertiger Barytabzüge. Wir halten diese Vorgehensweise für sinnvoll, um bei den Studierenden ein Verständnis für die grundsätzliche Funktionsweise von Fotografie zu wecken, die ja bei der Digitalfotografie teilweise nur simuliert wird.

Welchen Vorteil bietet der Standort Berlin? Warum nicht München oder Hamburg?
Berlin is the place to be! Das sehen unsere Studierenden offensichtlich auch so, weshalb wir uns nicht über einen Bewerbermangel beklagen können. Noch immer ziehen viele junge, auch viele internationale Künstler und Kunstinteressierte wegen der vergleichsweise günstigen Lebenshaltungskosten nach Berlin, auch wenn in den Innenstadtbezirken die Preise mittlerweile angezogen haben.

Außerdem gibt es hier im Gegensatz zu Leipzig, Essen oder Dortmund keine ernst zu nehmende staatliche Konkurrenz und die anderen Privatschulen haben in der Ausbildung deutlich andere Schwerpunkte gesetzt.

Der Schwerpunkt an der Neuen Schule für Fotografie ist die Autorenfotografie. Welche Perspektiven eröffnen sich jungen Menschen mit einer Ausbildung und wie realistisch sind diese Perspektiven?
Meine eigene Erfahrung zeigt mir, dass es als selbständiger Fotograf heutzutage unerlässlich ist, neben den Aufträgen auch eigene Projekte zu verfolgen, um damit auf sich und seine Themen aufmerksam zu machen. Letztendlich ist es doch fast immer die Mappe, die darüber entscheidet, ob ein Fotograf bestimmte Aufträge bekommt oder nicht.

Unsere Studierenden haben drei Jahre Zeit, sich mit unterschiedlichen Aufgaben aus allen Bereichen der Fotografie zu beschäftigen und so ihre fotografischen Stärken und Vorlieben kennen zu lernen, sowie ihre Sinne zu schärfen. Am Ende des Studiums sollten neben der großen Abschlussarbeit auch eine unverwechselbare Mappe und Website stehen, die den engagierten Studierenden den Eintritt ins Berufsleben ermöglicht. Die Resonanz auf die diesjährige Ausstellung unserer Absolventen (www.open09.de) zeigt, dass dieses Konzept aufgeht.

In einer Umfrage bei Bildwerk3 hat die Mehrheit sich dafür ausgesprochen, dass der beste Weg ins Fotografenbusiness über die Praxis geht – Learning by Doing und Assistenzen. Was sagen Sie dazu?
Neben einem Fotografiestudium ist die Assistenz bei einem renommierten Fotografen sicherlich sehr empfehlenswert, vor allem wenn es sich um die Bereiche Mode und Werbung handelt.

Allerdings ist das Angebot an guten Assistentenjobs sehr beschränkt und ich warne sehr davor, sich in schlecht bezahlten Praktika ausnutzen zu lassen, ohne seine eigene Arbeit vorantreiben zu können.

Was sollten Studentinnen und Studenten, die sich an der Neuen Schule für Fotografie bewerben, für Voraussetzungen mitbringen? Ist die Einstellung, die Haltung zur Fotografie wichtiger als eine perfekte Mappe?
Ja, die Haltung ist natürlich wichtiger, zumal ich gar nicht weiß, was eine „perfekte Mappe“ sein soll. Das Interesse an einer thematischen Auseinandersetzung mit Fotografie sollte in der Mappe aber auf jeden Fall erkennbar sein.

Bei den Aufnahmegesprächen versuchen wir herauszufinden, wie ernsthaft sich ein Bewerber mit Fotografie beschäftigt. Der ideale Bewerber bringt viel Neugier, Lust auf Bilder und erste eigene fotografische Erfahrungen mit. Eine gewisse Bereitschaft zur Reflektion der eigenen Positionen halten wir allerdings auch für unabdingbar, weil sich sonst schwer über Bilder kommunizieren lässt.

Bewerbungsschluss für das Sommersemester 2010 ist der 25. Januar. In welcher Form bereiten sich Studentinnen und Studenten am besten auf ihre Bewerbung vor? Wurden schon einmal Studenten wegen mangelnder Eignung nicht zum Studium zugelassen?
Am besten gefallen uns Mappen, in denen ein Bewerber versucht, seinen persönlichen Zugang zur Fotografie und seine inhaltlichen Interessen zu vermitteln. Deshalb ist es meistens besser, sich nur mit den Arbeiten zu bewerben, die einem wirklich wichtig sind, anstatt zu versuchen, alle Sparten der Fotografie abzudecken und dabei Klischees zu reproduzieren.

Die Bewerberzahlen schwanken zwar, aber wir sind bisher sehr gut damit gefahren, nur ca. ein Drittel der Interessenten aufzunehmen. Diese Auslese ist allein schon deshalb wichtig, um auf einem gewissen intellektuellen Niveau unterrichten zu können.

Bleibt genug Zeit – während des Studiums – sich seinen Lebensunterhalt mit Bildbearbeitung zu verdienen?
Ja, aber manche verdienen ihr Geld auch als Theaterfotografen, Grafiker oder Kellner. Die Stundenpläne werden zu Anfang des Semesters erstellt und sehen in der Regel einen dreitägigen Blockunterricht im Zweiwochenrhythmus vor. Dazu kommt noch mindestens ebenso viel Zeit, die für das Lösen der Aufgaben und die Benutzung der Werkstätten eingeplant werden sollte, aber die meisten unserer Studierenden können Arbeit und Studium ganz gut kombinieren.

Was sind Ihre Erfahrungen: Welchen Fehler machen junge Fotografen beim Berufsstart immer wieder?
Viele sind zu ungeduldig und haben auf dem Markt zu wenig recherchiert, bevor sie sich mit ihrer halbgaren Mappe irgendwo bewerben. Sie übersehen dabei, dass sie unter Umständen keine zweite Chance bekommen. Außerdem kann ich gar nicht häufig genug darauf hinweisen, dass zu einer Karriere als Fotograf auch immer die Primärtugenden Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Kommunikationsbereitschaft gehören.

Wir versuchen natürlich, unsere Studierenden vor diesen Fehlern zu schützen und nutzen auch unsere Kontakte, um Empfehlungen auszusprechen und den Studierenden so den Einstieg ins Fotografenleben zu erleichtern.

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  • Walter: Sehr beeindruckender und interessanter Einblick....

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