29. September 2009 30

stern-Fotograf Harald Schmitt: Wer will, der schafft es auch heute noch

Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall und ich habe mit einem Fotografen gesprochen, der die Zeit davor und unmittelbar danach aktiv begleitet hat – stern-Fotograf Harald Schmitt. Seine Bilder geben Zeugnis von den ungeheuren Umwälzungen und lassen einen in der Zeit zurückschauen. Manche Bilder erkennt man sofort wieder, andere wirken überraschend durch ihren Zeitbezug … Jetzt werden im Martin-Gropius-Bau in Berlin die Arbeiten von Harald Schmitt aus dieser Zeit in einer Einzelausstellung gewürdigt. (3. Oktober bis 13. Dezember 2009)

Ihr liebe Bildwerk3-Leser habt nun Gelegenheit, einen von drei Ausstellungs-Katalogen zu gewinnen, den ich zum Interview verlosen darf! Wer einen Kommentar schreibt – Thema Foto-Journalismus, Wende etc. – oder wer einen Link zu diesem Beitrag setzt, nimmt automatisch an der Verlosung teil.

Auch Fragen an Harald Schmitt sind erlaubt und werden, sofern sich das zeitlich einrichten läßt beantwortet. – Verlost wird in einer Woche am Dienstag den 06.10.2009 – der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Viel Spaß!

Moskau nach dem Putsch. Die Entmachtung Gorbatschows, 23.8.1991 © Harald Schmitt / stern

Moskau nach dem Putsch. Die Entmachtung Gorbatschows, 23.8.1991 © Harald Schmitt / stern

Marko Radloff: Sie haben als Fotograf eine beachtliche Karriere gemacht: vom Hochzeits- und Passbildfotografen in Trier zum angestellten Fotoreporter beim „stern“. Denken Sie, dass vergleichbare Karrieren heute noch möglich sind?
Harald Schmitt: Leider gibt es keine festangestellten Fotoreporter mehr beim „stern“. Es ist natürlich  möglich, zum festen /freien Fotografenteam des Magazins zu gehören. Die Bildredakteure arbeitet gerne mit Fotografen, deren Arbeiten sie bereits kennen, zusammen. So ist das Risiko, eine Pleite zu erleben, geringer. Es ist also möglich, wenn auch sehr schwierig. In anderen Berufen ist es  auch nicht anders. Wer will, wer wirklich will, der schafft es auch heute noch. Man erlebt viel, muss dafür auf vieles, z. B. im privaten Bereich, verzichten.

Wie war das, als Sie 1977 beim „stern“ anfingen: Hat man Sie da am gleichen Tag in den Osten geschickt?
H.S.: Ich wurde gleich als Nachfolger von Thomas Höpker, einem der Starfotografen beim „stern“, der zwei Jahre lang mit seiner Frau Eva Windmöller aus der DDR berichtet hat, für die DDR eingestellt. Keiner der damals 20 festangestellter Fotoreporter wollte nach Höpker dorthin. Dabei konnte er nur verlieren. Ich war jung und hatte nichts zu verlieren. Also nichts wie hin! Habe keine zwei Sekunden gezögert. Jeder Fotograf wollte zum „stern“ Team gehören. Wir waren damals so eine Art „Nationalmannschaft“. Man wurde sozusagen berufen.

Robert Havemann am Arbeitsplatz seines Hauses, Grünheide 7.8.1980

Robert Havemann am Arbeitsplatz seines Hauses, Grünheide 7.8.1980

War der „stern“ in dieser Zeit – als alle mit Schablonen im Kopf herumliefen – eher ein linkes Magazin, oder hat das ausnahmsweise keine Rolle gespielt?
H.S.: Richtig links war das Magazin auch damals nicht. Es entsprach meiner politischen Einstellung. Ich musste mich also in keiner Weise verbiegen. Im Gegenteil.

Sie waren sechs Jahre in der DDR als Journalist akkreditiert. Und haben in dieser Zeit in Ost-Berlin gewohnt?
H.S.: Ausschließlich in Ost-Berlin. Ich habe sogar im Osten eingekauft. Nicht um Geld zu sparen. Nur so konnte ich das Lebensgefühl der DDR verstehen. Jedenfalls habe ich es versucht. 1200.– DM war die Miete für eine 76 qm grosse Plattenbauwohnung. Die Mitarbeiter der Stasi,die mich überwachten, wurden also von mir bezahlt. Eine DDR Familie musste für die gleiche Wohnung 100,– Ost Mark zahlen.

Ganz praktisch: Mit welcher Ausrüstung haben Sie in dieser Zeit fotografiert? Etwa mit einer Nikon F3? Und vor allem, mit welchem Filmmaterial haben Sie gearbeitet und wie haben Sie es entwickelt bekommen?
H.S.: Seit vierzig Jahren fotografiere ich mit Nikon Kameras. 1977 noch mit der F2 ,danach mit meiner Lieblingskamera der legendären F3. Fotografiert habe ich meist s/w mit Kodak Tri X pan. Farbe, wenn möglich Kodachrome II, wegen der tollen Qualität, später Fuji 100. Farbgeschichten wurden vorher von der Art-Direction extra angesagt. Normalerweise wurden s/w Bilder gedruckt. Die Filme habe ich nach Hamburg geschickt, wo sie auch entwickelt wurden.

Einmal haben mir zwei Typen der Staatssicherheit einen Film mit Fotos von Rudolf Bahro abgenommen. Sie behaupteten einfach, ich hätte Bilder von ihnen gemacht.

Wurden Ihre Bilder im Osten zensiert – man hört ja schlimme Geschichten aus dieser Zeit – und haben Sie mal etwas über die Grenze geschmuggelt – müssen keine Bilder gewesen sein?
H.S.: Sehr viel habe ich über die Grenze geschmuggelt. Hinein in die DDR, nicht heraus. Habe Kodak Filme, Planfilme hineingebracht für befreundete Fotografen. Dann die Druckvorlagen für den „Interflug“  Kalender wieder mit in den Westen mitgenommen. So hatte letztendlich „Interflug“ einen Kalender in bester West –Qualität und sie wussten es gar nicht. Da ich auch sehr viele Musiker kannte, brachte ich Schlagstöcke für die Drummer, Piezo Hochtöner, Gitarrenseiten, Mikrofone oder Nakamichi Aufnahmegeräte mit. Ich habe vermutlich manche „Mugge“ gerettet.

Gabelstaplerfahrerin und Sprecherin der Arbeiter Anna Walentynowicz, deren Entlassung den Streik auf der Danziger Werft ausgelöst hat, mit Streikführer Lech Walesa, Danzig, Polen, 29.8.1980 © Harald Schmitt / stern

Gabelstaplerfahrerin und Sprecherin der Arbeiter Anna Walentynowicz, deren Entlassung den Streik auf der Danziger Werft ausgelöst hat, mit Streikführer Lech Walesa, Danzig, Polen, 29.8.1980 © Harald Schmitt / stern

Warum wurde Ihr Visum für die DDR 1983 nicht verlängert? Haben Sie was angestellt?
H.S.: Selbst habe ich nichts angestellt. Jedenfalls aus meiner Sichtweise. Die DDR Behörden sahen das anders.  Ein durchgedrehter Ofensetzer hat auf den Konvoi von Erich Honecker geschossen. Er wurde von dessen Sicherheitsleuten in den Strassengraben gedrängt. Dann verletzte er zwei dieser Männer. Die haben ihn danach exekutiert. weiterlesen …

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Fotograf Ricardo Ceppi

© Corbis/Ricardo Ceppi

© Corbis/Ricardo Ceppi

Ricardo Ceppi – Der gebürtige Argentinier verfügt über jahrelange Erfahrung in der Produktion bahnbrechender Fotografien für südamerikanische Medien wie Rosario, Clarín, Noticias, Gente und Viva sowie die Nachrichtendienste AFP, Reuters und DPA. Er beschäftigt sich sowohl mit aktuellen Nachrichten als auch Reportagen in und um Argentinien. (im Bereich ‘Aktuelles Zeitgeschehen’ neu bei Corbis)

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Fotografin Amy Sussman

© Corbis/Amy Sussman

© Corbis/Amy Sussman

Amy Sussman beschäftigt sich mit großen Fotoreportagen zu sozialen Themen, Kultur und Umwelt. In jüngerer Zeit hat sie Entwicklungen wie die Tent City in Sacramento dokumentiert, einen städtischen Trend in den USA während der Rezession. (im Bereich ‘Aktuelles Zeitgeschehen’ neu bei Corbis)

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Fotografin Elizabeth Kreutz

© Corbis/Elizabeth Kreutz

© Corbis/Elizabeth Kreutz

Elizabeth Kreutz hat fünf Mal die Tour de France, zwei Olympische Spiele und mehr als 15 Ironman-Triathlons in Bildern festgehalten. Außerdem ist sie Lance Armstrongs persönliche Fotografin. Dieses Jahr dokumentierte Kreutz Armstrongs Rückkehr zum Radrennsport und hatte dabei exklusiven Zugang „hinter die Kulissen“. Sie begann im Trainingslager des Astana-Teams auf Teneriffa und begleitete dann Armstrong bei der Tour Down Under und der Tour of California sowie schließlich bei der Tour de France 2009. (im Bereich ‘Aktuelles Zeitgeschehen’ neu bei Corbis)

28. September 2009 1

Stern-Fotograf Harald Schmitt im Interview bei Bildwerk3

Am Freitag wird im Berliner Martin-Gropius-Bau eine Austellung mit Fotografien von Harald Schmitt eröffnet. Schmitt ist einer von zwei fest angestellten Fotografen beim ‘Stern’.

Ich habe Schmitt bei G+J Jahr in Hamburg getroffen und wir haben uns angeregt über alte und gute Zeiten, über die Probleme und die Berufswirklichkeit von Fotografen heutzutage und über seine persönlichen Aussichten unterhalten. Das Interview dazu erscheint gleich morgen hier bei Bildwerk3 – zusammen mit der Chance durch fleißiges Kommentieren – auch Fragen an Harald Schmitt sind möglich – einen von drei Katalogen zur Ausstellung zu gewinnen.

Schmitt hat sechsmal World Press Photo Awards gewonnen und arbeitet seit 1977 beim Stern als Fotojournalist. Seine Karriere begann der 1948 in Hausen/Mayen geborene bei der Trierischen Landeszeitung – gleich im Anschluss an seine Fotografenausbildung. Er hat im Auftrag des ‘Stern’ mehr als 100 Länder bereist und zahlreiche Reportagen veröffentlicht.

Nach Stationen in Paris und Nizza zählen die Jahre als akkreditierter Journalist in Ostberlin zu seinen intensivsten Arbeitsjahren als Fotograf. Dieser Zeit widmet sich nun auch die Ausstellung im Gropius-Bau unter dem Titel: ‘Sekunden, die Geschichte wurden. Fotografien vom Ende des Staatssozialismus.’

Plakat der Ausstellung mit Fotografien von Harald Schmitt im Martin-Gropius-Bau

Plakat der Ausstellung mit Fotografien von Harald Schmitt im Martin-Gropius-Bau

22. September 2009 8

Bildwerk3 PortfolioPin

Eine sorgfältige Analyse der Statistik hat gezeigt, was Bildwerk3-Leser gerne lesen: Beiträge mit und über Fotografen! In der letzten Zeit sind eine ganze Reihe ganz interressanter Beiträge erschienen, in denen Fotografinnen und Fotografen zu Wort kamen. Ich habe mir überlegt alle Artikel über eine Seite verfügbar zu machen und keinen textbezogenen, sondern visuellen Einstieg zu ermöglichen. Daher gibt es nun eine neue Kategorie und durch die Template-Hierarchie von WordPress lies sich das auch ganz schnell bewerkstelligen – wußtet Ihr schon, das beim Aufruf einer Kategorie WordPress zunächst nach einer Templatedatei mit category-ID.php sucht? Das hat’s nun super einfach gemacht und hier ist das Ergebnis:

die Bildwerk3-Fotografen auf einen Blick: Bildwerk3 PortfolioPin

Eure Meinung dazu ist mir natürlich wichtig und so dürft Ihr an dieser Stelle gern etwas dazu sagen, kritisieren und im liebsten Fall: Anregungen beisteuern. Danke!

Und so schaut es aus: das Bildwerk3 PortfolioPin

Und so schaut es aus: das Bildwerk3 PortfolioPin

21. September 2009 12

Portfolioseiten für Fotografen – Flash versus CMS und JavaScript-Galerien

Für Fotografen stellt sich nicht selten die Frage: Wie präsentiere ich mich im weltweiten Netz? Die technischen Möglichkeiten stellen Fotografen dann regelmäßig vor die Wahl, Flash oder nicht Flash, Content-Managment-System oder einfache Visitenkarte?

Wer allerdings als Fotograf online wahrgenommen werden möchte, muss Bilder zeigen. Beate Hanitzsch von LemonHead macht sich in ihrem Gastbeitrag für Bildwerk3 Gedanken über Vorzüge und Nachteile der unterschiedlichen technischen Lösungen. Wer noch weitere Fragen zu diesem Thema hat, kann diese gern hier in den Kommentaren posten oder direkt bei Beate Hanitzsch nachfragen.
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  • Christian Ernst: Hallo Marko, vielen Dank, der Katalog ist bei mir angekommen. Werde ihn mir die nächsten Abende mal anschauen. Viele Grüße,...
  • tina: halleluja, da treiben die Fotografen ja fast genauso Hochleistungssport wie die Jungs auf dem Spielfeld. Respekt! Und vielen Dank ...

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