Das Spannende ist das Unerwartete im Geplanten – Fotograf Marc Trautmann
Marc Trautmann startete als Assistent bei verschiedenen Fotografen im In- uns Ausland. Nach seinem Studium an der FH Darmstadt (Fachbereich Fotografie) war er Assistent bei Annie Leibovitz und machte sich danach als Fotograf in den Bereichen People und Transportation selbstständig. Seit 1997 ist er Mitglied im BFF und hat diverse nationale und internationale Preise gewonnen.
Interview übernommen aus BLICKFANG – Deutschlands beste Fotografen

© Marc Trautmann
Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?
Bereits mit 14 hatte ich den Wunsch Fotograf werden. Zuerst wollte ich eigentlich mein Leben und meine Freunde, in einer für uns kleine Jungs aufregenden Zeit, festhalten. Punk und New Wave sind aus England und Amerika nach Deutschland herübergeschwappt. Alle Bekannten sahen so einzigartig aus und mir war klar, dass das irgendwann vorbei sein würde. Fotografie diente mir damals als Konservierungsmittel für Augenblicke, die so nicht wiederkehren würden.
Auf welche Schwerpunkte haben Sie sich spezialisiert und weshalb?
Während meiner Studienzeit begann ich zu assistieren und startete mit einer Art von Modeaufnahmen, da die Mode auch sehr stark ein Spiegel von vergänglichen Zeitgeisterscheinungen darstellt. Das interessierte mich damals sehr. Später, durch Assistenzen bei verschiedenen Fotografen im Bereich Auto und People, unter anderem bei Annie Leibovitz und Stephan Jouhoff (bei dem ich das meiste gelernt habe), verschob sich meine Fotografie von „taking pictures“ nach „making pictures“.
Entsteht ein besonders gutes Bild eher zufällig oder muss es sorgfältig geplant sein?
Meiner Meinung nach, besteht einer der spannendsten Momente darin, dass beim Fotografieren, vor allem on Location immer etwas unerwartetes passieren kann. Man plant alles genau durch, Sonnenstände, Permits, Lichtaufbauten etc. und dann passiert manchmal etwas, was dem geplanten Bild eine unerwartete neue Komponente mitgibt.

© Marc Trautmann
Welche Ihrer Fähigkeiten ist Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten behilflich?
Schnelles Verstehen von Perspektiven und Lichtsituationen, sowie Flexibilität, wenn etwas anders kommt als geplant. Auch das Interesse an Architektur, Filmen, Styles/Mode und andern kontemporären Strömungen aus Kultur und dem Leben allgemein helfen mir sehr. Nicht zu unterschätzen ist auch, dass ich komischerweise keine Angst oder Unsicherheit verspüre, egal wie groß das Projekt oder das Budget ist. Ich bin immer hot auf das nächste spannende Projekt.
Gibt es eine Arbeit auf die Sie besonders stolz sind oder an die sie besonders gute Erinnerungen haben?
Auf viele Arbeiten… !!!
Welche Zukunft räumen Sie der analogen Fotografie im Zeitalter der digitalen Medien noch ein?
Der Fotograf wird mehr und mehr zum Regisseur, und Superviser. Er steuert z.B. Operator in der Post und looks and feel bei den Aufnahmen. Die modernen Technologien helfen gut, neue Bildwelten zu schaffen und reale Bildwelten manchmal etwas effektiver umzusetzen, Menschen mit echten Gefühlen und echten Sehnsüchten.
Was wäre ein absoluter Traumjob oder ein Traumprojekt für Sie?
Viele meiner Projekte sind Traumjobs für mich, da ich wie einige meiner Kollegen das Glück habe, den Beruf auszuüben, den ich am liebsten mache. Einzige Alternative wäre, ein erfolgreicher Fußballstar beim FC Barcelona zu sein und die Champions League zu gewinnen.
Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Sie?
Einen sehr hohen. Ich versuche auf jeder Reise freie Arbeiten zu schießen und zu planen. Letztes Jahr zum Beispiel habe ich die secret area Serie in Mojave und Nevada vor ein Shooting für einen Autokunden gesetzt, da es ein offenes
Zeitfenster zwischen den Projekten gab.

© Marc Trautmann


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