Egal wie ein Foto entsteht, es muss nur gut sein. Der Fotograf Jan Steinhilber.
Heute beginnt eine Reihe mit Fotografen-Interviews, die ich aus dem Band BLICKFANG – Deutschlands beste Fotografen für Bildwerk3 übernehmen darf.
BLICKFANG ist in diesem Jahr im NBVD Norman Beckmann Verlag & Design in Hamburg erschienen – ein 688 Seiten starkes Kompendium das mehr als 200 der angesagtesten Fashion-, Lifestyle, People- und Transportation-Fotografen vorstellt. Vielen Dank an Norman Beckmann für die Bereitstellung und die freundliche Vermittlung.
Der Fotograf Jan Steinhilber, Jahrgang 1972, studierte Grafikdesign in Wiesbaden und arbeitete währenddessen als Assistent in verschiedenen Studios im Frankfurter Raum. Seit 2000 arbeitet er als Fotograf, zunächst mit Studio in Frankfurt, dann in Hamburg. Zu seinen Kunden zählen Werbeagenturen im In- und Ausland, sowie einige Redaktionen. Seine Arbeiten wurden mehrfach international ausgezeichnet und in diversen Jahrbüchern und Annuals veröffentlicht.

© Jan Steinhilber
Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?
Bilder machen war eigentlich immer schon meine Leidenschaft, dass es dafür jenseits von Bleistift und Tusche auch noch andere Möglichkeiten gibt, habe ich dann irgendwann während meines Grafikdesign-Studiums rausgefunden. Da hatten sie diese quadratischen Kisten, wo man vorne Licht reintut und hinten kommt dann ein Bild raus. Das war spannend.
Auf welche Schwerpunkte haben Sie sich spezialisiert und weshalb?
Ich versuche mich auf gute Bilder zu spezialisieren, anstatt auf bestimmte Sujets. Das hält wach und fordert einen ständig aufs Neue.
Entsteht ein besonders gutes Bild eher zufällig oder muss es sorgfältig geplant sein?
Immer Beides. Durch intensive Vorbereitung und sorgfältige Planung entstehen gute Bilder, wenn dann noch ein glücklicher Zufall dazu kommt entsteht vielleicht ein besonders Gutes.
Welche Ihrer Fähigkeiten ist Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten behilflich?
Am meisten behilflich ist mir eigentlich die Fähigkeit meiner Assistenten, die aufpassen, dass ich keinen Mist mache und natürlich die der Art-Direktoren, welche mich immer wieder ein Stück weiter treiben und die der Producer, Stylisten, Modellbauer und Retuscheure mit denen ich arbeite. DANKE LEUTE!

© Jan Steinhilber
Gibt es eine Arbeit auf die Sie besonders stolz sind oder an die sie besonders gute Erinnerungen haben?
Ich bin immer wieder stolz und dankbar, wenn Leute mir ihre kostbaren Ideen zur Umsetzung anvertrauen. Da eine Arbeit besonders herauszuheben fällt sehr schwer.
Welche Zukunft räumen Sie der analogen Fotografie im Zeitalter der digitalen Medien noch ein?
Was die Ablösung der analogen durch die digitale Fotografie betrifft, bin ich ziemlich unsentimental und leidenschaftslos. Ich finde es total egal, wie ein Bild entstanden ist, es muss halt nur gut sein. Ob das analog oder digital fotografiert ist, oder sogar komplett im Rechner generiert wurde – die Technik ist doch immer nur Mittel zum Zweck.
Ich stelle mir in letzter Zeit aber manchmal die Frage, wo die Zukunft qualitativ hochwertiger Fotografie im Zeitalter von 72dpi jpegs liegt. Wir konsumieren immer mehr digitale Informationen über die Bildschirmchen unserer Laptops und Mobiltelefone, dabei nehmen wir schulterzuckend in Kauf, dass die Filme gepixelt und voller Artefakte sind. Die Bilder klein und die Farbigkeit bei jedem Gerät anders. Hauptsache man hat`s gesehen, für Details und Nuancen bleibt angesichts der schieren Masse ja sowieso keine Zeit.
Da macht es Hoffnung, wenn man sonntags auf einer Ausstellung amerikanischer Farbfotografien aus den 70er Jahren feststellt, dass man beileibe nicht der Einzige ist, der sich bei Minusgraden und Schneeregen aufgemacht hat, um sich an diesen wunderbaren C-Prints zu erfreuen.
Welchen Stellenwert haben freie Arbeiten für Sie?
Die haben schon einen hohen Stellenwert. Man entscheidet sich für diesen Beruf, weil man Bilder machen möchte, und das möglichst immer und ausschließlich. Also wird man ständig darüber nachdenken, was und wie man etwas als nächstes fotografieren könnte und wird es schnellstmöglich auch tun.
Am Ende muss aber jedes Bild den gleichen Kriterien standhalten. Egal ob es eine Auftragsarbeit oder ein freies Projekt war, ob ein Mercedes darauf ist oder eine Tube Zahnpasta, egal ob es als weltweite Kampagne veröffentlicht wird oder nur zu Hause an der Wand hängt.

© Jan Steinhilber







Hmmmmmm, irgendwie ist mir der Jan Steinhilber etwas zu reserviert. So wirklich lässt er bei mir den Eindruck, als wäre da weniger Leidenschaft bei dem, was er da tut. Korrigiert mich, wenn es anders ist. Aber das war mein erster Gedanke bei dem Interview?
Ich gebe dir Recht, es sieht wirklich so aus.
Naja bei jedem ist halt nicht die Leidenschaft dabei!!
Macht doch nix!!!!