11. August 2009 M.R. 0

American Photographs – Architecture and the Abstract Image

Die während des diesjährigen Hamburger Architektursommers in der Galerie Renate Kammer gezeigte Ausstellung „American Photographs – Architecture and the Abstract Image“ ist der Auftakt einer lockeren Ausstellungsreihe mit amerikanischer Fotografie. American Photographs ist eine Gegenüberstellung von Motiven bekannter und weniger bekannter amerikanischer Fotografen. Das besondere an diesem Ausstellungskonzept ist, dass es sich bei den gezeigten Arbeiten überwiegend um so genannte „vintage prints“, das heißt dem Erstabzug, der unmittelbar nach der Entstehung des Negativs vom Fotografen, handelt.

Berenice Abbott “Pike and Henry Street”, New York 1936 from “Changing New York” © Berenice Abbott/Commerce Graphics

Berenice Abbott “Pike and Henry Street”, New York 1936 from “Changing New York” © Berenice Abbott/Commerce Graphics

Die Kuratorin Erle Bessert hat aus dem Bestand einer norddeutschen privaten Fotosammlung mit dem zeitlichen Schwerpunkt in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts für die Ausstellung knapp 50 Arbeiten von 28 Fotografen herausgesucht. Gezeigt werden neben so weltberühmten Fotokünstlerinnen wie Berenice Abbott, Margaret Bourke-White, André Kertész und Julius Shulman, auch Arbeiten von Todd Webb, Arthur Siegel, Drahomir Ruzicka, Ruth Bernhard und Walker Evans, um nur einige aufzuzählen. Doch auch weniger bekannte Fotografen wie Robert „Bob“ Leavitt, Irving Underhill, Mildred Hatry und Samuel Gottscho, die man heute selbst in den USA kaum mehr kennt, werden vertreten sein.

Seit Erfindung der Fotografie – vor genau 170 Jahren – hat sich nicht nur in der Technik viel verändert, die Fotografie hat sich zu einer eigenständigen Kunstgattung mit unterschiedlichen Genres entwickelt. Viele Impulse gingen zwar von Deutschland aus, wurden aber in Amerika verfeinert und zur Perfektion gebracht. Darunter fällt auch die Architekturfotografie, die ursprünglich mehr noch als die anderen, zunächst aus einem rein dienenden Aspekt heraus entstand. Auch dabei gibt es Unterformen, wie die klassische Architekturaufnahme, die in erster Linie dazu dient, ein Bauwerk so realistisch wie möglich abzubilden, sei es aus dokumentarischen Gründen oder auch für Werbezwecke. Und trotzdem mit dem Problem arbeiten muss, aus einer dreidimensionalen Wirklichkeit ein zweidimensionales Abbild zu schaffen. Einer der großen auf die Innen- und Außenansichten von Gebäuden spezialisierten Fotografen, dessen Arbeiten heute sowohl dokumentarischen Wert als auch künstlerischen Charakter aufweisen, ist der vor ein paar Wochen mit 98 Jahren verstorbene Amerikaner Julius Shulman.

Charles D´Emery: "Telephone Building", New York, 1920er ©Charles D´Emery

Charles D´Emery: "Telephone Building", New York, 1920er ©Charles D´Emery

Als einen seiner ersten Aufträge lichtete Shulman 1937 den vom Architekten Richard Neutra auf die Anforderungen und Wünsche der Auftraggeberin Grace Miller 1936 gebauten Bungalow in Palm Springs, Kalifornien ab. Und schon bei dieser frühen Arbeit fand Shulman zu seiner ureigenen Handschrift, in dem er die Fotos inszeniert und wie in diesem Fall die Hauseigentümerin lesend auf der mit Fensterglas umrandeten Veranda aufnimmt und Teile der kargen Landschaft mit aufs Bild nimmt. Julius Shulman erfüllte mit seinen Arbeiten aber nicht nur den Auftrag des jeweiligen Architekten, ob es Richard Neutra oder später Pierre Koenig war, ein Gebäude und die ihm umgebende Natur abzulichten, er fing auch den Lebensstil einer mondänen Gesellschaft und den Zeitgeist der 40er, 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts ein.

Eine ganz andere Intention besitzen die Arbeiten, wie die Bildikonen „Pike and Henry Street“ und „El“, aus einer Serie von Berenice Abbott. Durch Eugène Atget inspiriert, in dessen Pariser Studio sie arbeitete, stellte Abbott eine New-York-Dokumentation zusammen, die 1939 unter dem Titel „Changing New York“ veröffentlicht wurde. Wie eine Archäologin forschte sie den alten Bauwerken und der sich verändernden Stadt nach und fing Momente ein, die heute einer Zeitreise gleichen. Abbott ging es nicht darum, etwas zu verschönern, sondern die Wirklichkeit so abzubilden, wie sie sie vorfand.

Noch viel klarer und analytischer und auf Details konzentriert, sind die Arbeiten von Margaret Bourke-White. Die in der Ausstellung gezeigten seltenen Vintage Prints sind um 1930 entstanden, kurz nach ihrem Einzug in das für sie vom Designer John Vassos ausgestattete Studio im Chrysler Building in New York. Hier werden die Dekors zu abstrakten Gebilden und lassen erst auf dem zweiten Blick die eigentliche Funktion – in Säulen eingebaute Aquarien – erkennen.

Charles D´Emery: "Skyscraper", New York, 1920er ©Charles D´Emery

Charles D´Emery: "Skyscraper", New York, 1920er ©Charles D´Emery

American Photographs – Architecture and the Abstract Image
Eröffnung: Donnerstag, 20. August 2009, 19.00 Uhr
Laufzeit: 20.8. – 26.9.2009
Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag 12-18 Uhr / Samstag 11-15 Uhr
Kuratorin: Erle Bessert M. A.
Ausstellungsort: Galerie Renate Kammer – Architektur und Kunst
Münzplatz 11 in 20097 Hamburg
Link: www.galerierenatekammer.de

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