23. Juni 2009 Red. 6

Fotografieren ohne Kodaks Kodachrome

Diafilme sind schon seit einiger Zeit Nischenprodukte – und Kodachrome noch dazu besondere. Jetzt hat Kodak beschlossen die Produktion seiner Kodachrome in diesem Jahr einzustellen – das Ende einer 74-jährigen Farbfilmgeschichte.

Dieses Ende kommt nicht plötzlich. Schon seit einiger Zeit – spätestens seitdem auch in Laboren digital gearbeitet wird – ist die Bedeutung von Diafilmen überhaupt zurückgegangen. Sie haben gegenüber Farbnegativfilmen die wesentlich schlechteren Scaneigenschaften und sind immer etwas teurer als herkömmliche Filme. Kodachrome wurden zuletzt nur noch in einem einzigen Labor weltweit entwickelt.

Die entscheidenden Aspekte für den Bedeutungsverlust liegen aber wohl im Wegfall zweier ganz wichtiger Anwendungsbereiche: die private Diashow und die kommerzielle Fotografie, Stichwort Katalogproduktion etc.

Es war einmal – der Dia-Workflow

Ich hab’s noch erlebt: das man nach einem Urlaub mit Freunden zusammensaß, Bierchen auf, Chips auf’n Tisch, Licht aus, Diaprojektor an. Im Halbdunkel des Zimmers, das Klacken der Maschine, wenn ein neues Dia aus dem Magazin in den Projektor geschoben wurde. An der Wand die farbigen Eindrücke aus fernen Ländern. Dabei wurde ganz selbstverständlich geraucht und manchmal auch geschlafen oder mindestens weggenickt, wenn zum x-ten Mal der Sonnenuntergang kam.

Heute steht bei solchen Gelegenheiten ein Notebook in der Ecke, das die Bilder in langsamer Folge und geräuschlos austauscht. Geraucht wird ganz selbstverständlich auf dem Balkon. Nur nebenbei kommt der Hinweis des Gastgebers: “Ach übrigens dort hinten laufen heute Abend unsere Urlaubsbilder. Wenn ihr wollt …”

Auch im kommerziellen Bereich werden Diafilme heute kaum oder gar nicht mehr verwendet. Hab ich auch noch erlebt: die Produktion eines Versandhauskatalogs mit Diamaterial! Was heute auf Grund der Kosten und des Aufwandes kaum vorstellbar scheint, war damals ganz normal. Im Hintergrund haben Assistenten Kameras mit Filmen beladen, während der Fotograf seine Aufnahmen gemacht hat und sobald der Film voll war, eine andere Kamera bekam. Danach wurde entwickelt und später am Leuchttisch sortiert.

Oder anderes Beispiel: Jahrelang sind Foto-Reporter mit Diafilmen durch die Welt gezogen und haben ihr Material gerahmt, mit Edding beschriftet bei den Redaktionen abgeliefert.

Alles schon seit einiger Zeit Geschichte. Und jetzt kommt das endgültige Aus für die Kodachrome. Möchte noch jemand etwas sagen?

Die Alternative – von Kodak selbst empfohlen: der Kodak Ektar 100 – ein Farbnegativfilm. Hab den Film mal im letzten Urlaub mal getestet. Hier ein Ergebnis.

Die Alternative – von Kodak selbst empfohlen: der Kodak Ektar 100 – ein Farbnegativfilm. Hab den Film im letzten Urlaub ausprobiert. Hier ein Ergebnis.

Im Moment 6 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Michaela sagt:

    Ich habe erst vor kurzem meine Liebe zu Diafilm wieder entdeckt. Ich finde die Scanneigenschaften von Dias sind besser als von normalen Negativfilm. Auch ist meiner Meinung nach der Kontrastumfang größer. Klar, ich fotografiere auch nicht professionel und das im professionellen Fotobetrieb hauptsächlich digital gearbeitet wird ist schon klar. Aber mir gefallen die Ergebnisse auf Dia besser, als wenn ich digitial oder mit Negativfilm fotografieren würde. Ich fotografiere allerdings meistens auch Landschaften mit Diafilm.

    Leider komme ich wohl nicht mehr dazu den berühmten Kodakchome mal selbst ausprobieren zu können.

  2. Uwe Mayer sagt:

    Ich benutze seit vielen Jahren ein Konkurrenzprodukt aus gleichem Hause, den Kodak Ektachrome. Die Auswahl bei Diamaterial wird zwar kleiner, aber auch für speziellere Anwendungen ist noch Material zu haben – teilweise auch wieder zu haben. Selbst im Bereich Schwarz-Weiss-Dia gibt es wieder frische Ware.

    Mittlerweile fotografiere ich mehr digital als auf Film. Dennoch, aus dem Bauch heraus macht der Workflow mit der Lupe am Leuchtpult stehend viel mehr Spass als am Computer. But maybe that’s just me.
    Für mich ist es für einen Abgesang auf Farbdias nocht etwas zu früh. Meine Gefriertruhe stimmt mir da zu :-)

    Nebenbei, das Farbdias sich schlechter scannen lassen als Farbnegative habe ich in den letzten zehn Jahren selten gehabt.

  3. Marko sagt:

    @Michaela: Der Vorteil von Dia ist, dass man das Ergebnis nach der Entwicklung augenscheinlich betrachten kann. Daher macht man Landschaftsaufnahmen auch besonders gern auf Dia.

    Was die Scaneigenschaften betrifft, muss ich Dir leider widersprechen: Dias lassen sich nur mit erhöhtem technischen Aufwand zu vernüftigen Ergebnissen bringen. Man bekommt unter normalen Umständen eher flaue und blaustichige Ergebnisse …

  4. Marko sagt:

    Hier mal eine Passage zu den Scan-Eigenschaften von Kodachrome-Diapositiven, die sich mit meinen Erfahrungen auch mit anderen Diamaterialien deckt:

    “Ein gerahmtes Kodachrome-Dia lässt sich wie jedes andere Dia in einen Dia-Scanner einlegen. Das Ergebnis nach einem herkömmlichen Scan-Vorgang aber wird in fast allen Fällen nicht zu gebrauchen sein; meist wird es sehr blaustichig ausfallen. Einige Hersteller bieten in ihrer Scan-Software spezielle Kodachrome-Farbprofile zur Auswahl, die dies verhindern sollen. Für wirklich farbechte Scans ist allerdings eine IT8-Kalibrierung notwendig.” (Quelle: Wikipedia)

  5. Hansgerd Zappenduster sagt:

    Zum Thema: Ich hab’s noch erlebt:

    AV-Veranstaltungsproduktion auf Dia. Meterlange und -hohe Bildwände auf denen die Dias auf schmalen Stegen stehen. Ein Programmbuch in dem jedes Dia verzeichnet war. Was noch nicht fertig war (am Anfang fast alles!) wurde durch beschreibbare Platzhalter-Dias ersetzt. War alles nach Wochen fotografiert und durch den Trick gejagt wurde “getopft” (in Rundmagazine sortiert). Dabei bloss keinen Dreher rein bringen. Zwischendurch kommt die Kundin zur Abnahme und bleibt mit der Handtasche an der Bildwand hängen… Der Dominoday ist nichts dagegen. Und wie macht man ein Backup von 4000 Dias die nur einmal gebraucht werden? Gar nicht, also schwitzen.

    Ich muss es nicht mehr haben, obwohl ich es geliebt habe. Weil ich es konnte ;-)

  6. Marko sagt:

    Vielen Dank Herr Zappenduster. Sehr anschaulich!

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