22. Juni 2009 4

Polylooks – ein Microstock-Angebot der Telekom. Nachgefragt bei Norbert Weber

Von Marko Radloff

Im offiziellen Pressetext zum Start von Polylooks taucht der Begriff ‘Microstock’ nicht auf. Im Grunde aber ist Polylooks nichts weniger als ein Microstock-Angebot und versteht sich auch als solches. Wir haben’s von Norbert Weber – Chef von Polylooks – bestätigt bekommen und gleich auch ein paar andere Sachen gefragt: Unter anderem ob nicht 35 Prozent  – der Einnahmen – für den Fotografen etwas wenig sind und warum Polylooks in einem Markt antritt, der von anderen schon bedient wird. Aber lest selbst …

Marko Radloff/Bildwerk3: Zum Verständnis, Polylooks ist keine selbständige Tochter, sondern ein Produkt der Deutschen Telekom AG?
Norbert Weber: Das stimmt, Polylooks ist die Online-Bildagentur der Deutschen Telekom. Neben dem Verkauf von lizenzfreien Bildern bieten wir ein Online-Magazin sowie eine Community, in der Nutzer ihre Arbeiten präsentieren und sich untereinander austauschen können.

Wie passt Polylooks in die Produktpalette der Telekom, die man ja zuerst als Telefonanbieter kennt?
Die Deutsche Telekom ist weit mehr als nur ein reiner Telekommunikationsanbieter. So ist www.t-online.de bereits seit einigen Jahren Foto-affin, denn hier finden Fotowettbewerbe in den verschiedenen Rubriken statt. Zudem ist auch das Polylooks-Magazin „Augenblicke“ in diesem Umfeld gewachsen.

Wie sind Sie Verantwortlicher für Polylooks geworden? Fotografieren Sie selbst?
Ich bin ein klassischer Hobby-Fotograf. Das Thema Microstock-Fotografie hat mich seit der ersten Projektidee fasziniert.

Wenn man sich Polylooks anschaut, wird man den Eindruck nicht los, da wird ein Produkt hinterher geschoben und versucht in einem Wachstumsmarkt, der längst von anderen erfolgreich bedient wird, im letzten Moment Fuß zu fassen. Entkräften Sie diesen Eindruck.
Wir finden den Microstock-Markt sehr attraktiv, sonst würden wir uns hier nicht engagieren. Hierbei sehen wir vor allem den Bedarf als auch die Chancen für ein in Deutschland ansässiges Angebot.

Wenn Sie zu ihren Konkurrenten schauen, blicken Sie in Richtung Corbis und Getty oder in Richtung iStock und Fotolia?
Im Moment sind wir klassischen Microstock-Anbietern näher als Rights-Managed-Bildagenturen. Allerdings befindet sich der Bildagentur-Markt im Wandel. Denken Sie nur an die Übernahme von iStockphoto durch Getty Images. Deshalb beobachten wir den gesamten Bildermarkt – von „Freestock“ über Microstock und den klassischen Royalty-Free-Bereich bis hin zum Rights-Managed-Segment.

Polylooks erfüllt die klassischen Voraussetzungen für eine Microstock-Agentur: User Generated Content, kleiner Preis für Bildeinkäufer. Verstehen Sie sich also als Microstock-Bildagentur?
Ja, wir verstehen uns als Microstock-Bildagentur. Aber wir möchten professionellen und Hobby-Fotografen mit dem Mediastore, der Community und dem Magazin ein ganzheitliches Portfolio anbieten, das sich ergänzt und bereichert. Warum machen wir das so? Weil wir in vielen Gesprächen und Marktforschungsanalysen festgestellt haben, dass Bildeinkäufer und Fotografen oft nach einer Möglichkeit zum Austausch suchen.

Auch sind Bildeinkäufer vielfach an internationaler Top-Fotografie interessiert, die wir in unserem Magazin präsentieren. Mit der Einbindung der Community- und des Magazins unterscheiden wir uns demnach deutlich von den etablierten Microstock-Angeboten bieten mit dieser Kombination etwas Neues.

Wird sich Polylooks auch in Zukunft allein auf den deutschsprachigen Markt konzentrieren?
Derzeit fokussieren wir uns auf den deutschsprachigen Markt.

Fotografen, die bei Polylooks verkaufen möchten, müssen einen Fotografentest bestehen. Wie müssen wir uns das vorstellen? Was passiert genau?
Der Test unterstützt uns in unserem Bestreben, den Bildkäufern ein qualitativ hochwertiges Angebot zur Verfügung zu stellen. Wir bieten ein Online-Handbuch für Fotografen, in dem wir Informationen zu den Themen Belichtung, Bildschärfe, Bildrauschen, Verschlagwortung, Beschriftung sowie zu rechtlichen Rahmenbedingungen erläutern.

Anschließend muss der Fotograf zehn Fragen zu genau diesen Themen beantworten. Der Test funktioniert nach dem Multiple-Choice-Prinzip. Neun Fragen müssen richtig beantwortet werden, um zu bestehen. Falsch beantwortete Fragen werden natürlich erläutert.

35 Prozent des Netto-Verkaufspreises gehen an den Fotografen oder an die Fotografin. Klingt nicht gerade viel. Zumal doch die Fotografen auch die Arbeit machen: fotografieren, Bilder uploaden, Keywords vergeben?
Polylooks ist ein attraktives Angebot, mit dem wir dem Wettbewerb in nichts nachstehen. Für exklusiv über Polylooks vertriebenes Bildmaterial erhalten Fotografen 50 Prozent des Netto-Verkaufspreises. Findet der Vertrieb nicht exklusiv statt, bekommen sie 35 Prozent.

Über den Umsatzanteil, den wir einbehalten, finanzieren wir unsere Leistungen. Dazu gehört, dass alle Bilder hinsichtlich Qualität und rechtlicher Aspekte überprüft werden, die technische Infrastruktur bereitgestellt wird sowie Vertrieb und Vermarktung vorangetrieben werden.

Polylooks-Chef Norbert Weber. Die Deutsche Telekom ist deutschsprachiger Microstockanbieter – unter dem Label Polylooks

Polylooks-Chef Norbert Weber: "Ich bin ein klassischer Hobby-Fotograf." (Polylooks ist die Online-Bildagentur der DeutschenTelekom mit Standort und Betreuung in Deutschland)

Wer als Fotograf bis zum 31. Juli 2009 seine Bilder in der Polylooks-Community ablegt und bewerten lässt, hat die Chance, eine Abenteuer-Reise nach Australien zu gewinnen. Am Ende wählt eine Jury aus den 50 am besten bewerteten Bildern den Gewinner bzw. die Gewinnerin aus. Wer sitzt in der Jury?
Es war uns wichtig, dass die Bilder aus einer professionellen Sicht, also von Bildexperten, bewertet werden. Die Jurorin Christine Nilges ist Artbuyerin bei der Werbeagentur J. Walter Thompson und damit auch für den Einkauf von Bildern zuständig. Alex Blecher war früher als Fotograf und Bildredakteur tätig und verantwortet heute die Bilderdienste der Nachrichtenagentur dpa. Ebenfalls in der Jury sitzt Karin Gussmann, die als Marketing Managerin unseres Partners Tourism Northern Territory ein ausgefeiltes Gespür für Bilder hat.

Für Bildeinkäufer bietet Polylooks zwei Lizenzmodelle: Standardlizenz und Merchandisinglizenz. Worin unterscheiden sich beiden?
Wir haben darauf geachtet, dass unser Lizenzmodell so einfach wie möglich zu verstehen ist. Die Standardlizenz berechtigt zur redaktionellen und werblichen Nutzung des Bildmaterials – zeitlich, geografisch und hinsichtlich der Auflage unbegrenzt. Sollen die Bilder darüber hinaus für Verkaufsprodukte wie Mouse-Pads, Tassen und ähnliches, verwendet werden, dann ist die Merchandise-Lizenz für 50 Euro erforderlich.

Wer Lizenzen bei Polylooks erwirbt hat die Wahl zwischen Creditkontingent und Einzelcredits. Wen haben Sie als Abonnement-Kunden vor Augen?
Polylooks-Abonnements sind für Kunden interessant, die einen regelmäßigen Bedarf an Bildern haben, also beispielsweise Werbeagenturen oder Verlage. Über ein Abonnement können sie deutliche Preisvorteile realisieren, die je nach Tarif über 80 Prozent betragen können.

Vielen Dank für das Gespräch.
——————————————————–
Jetzt ist Gelegenheit Fragen zu stellen an Norbert Weber. Ihr fotografiert selbst und möchtet eure Bilder im Netz verkaufen oder ihr arbeitet für eine Agentur und wollt Lizenzen erwerben und ihr habt ein paar Fragen zum Angebot von Polylooks. Dann hier in die Kommentarfelder posten und ein bißchen Geduld mitbringen …

Im Moment 4 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Ich begleite in meinem Foto-Talk.de Forum für Microstock Agenturen die neue Bildagenturen mit Tests und Erfahrungen.
    Wie stellt sich denn Polylooks die Vermarktungsseite vor?
    Wann werden Anzeigenkampagnen anlaufen?
    Das Crossselling innerhalb der Telekom beginnen.
    Warum kann man kein Bild in der Community und im Mediastore ausstellen? Es gibt leider nur ein entweder oder!

    LG
    Thomas Seegers
    Geld verdienen mit digitalen Fotos? Einfach in meinem Forum vorbeischauen!
    http://www.foto-talk.de

  2. Marko sagt:

    Lieber Thomas Seegers, ich habe die Fragen an Norbert Weber weitergeleitet und ich hoffe, dass wir demnächst Antworten dazu bekommen.

  3. @Thomas Seegers, vielen Dank für Ihre Fragen. Hier meine Antworten dazu:

    1. Wie stellt sich denn Polylooks die Vermarktungsseite vor?
    Wir setzen einen Mix aus unterschiedlichen Marketingkanälen ein. Dazu gehören u.a. Suchmaschinenmarketing, Affiliate-Marketing, Kooperationen, Direktmarketing und PR.

    2. Wann werden Anzeigenkampagnen anlaufen?
    Die Schaltung von Anzeigen ist punktuell geplant. Online-Display-Ads haben wir bereits umgesetzt und demnächst folgen Print-Anzeigen in ausgewählten Medien.

    3. Wann wird das Crossselling innerhalb der Telekom beginnen?
    Hier sind bereits verschiedene Aktionen angelaufen, u.a. mit den Portalen http://www.t-online.de, http://www.softwareload.de und http://www.t-online-business.de.

    4. Warum kann man kein Bild in der Community und im Mediastore ausstellen? Es gibt leider nur ein entweder oder!
    Das ist derzeit noch richtig. Wir arbeiten an einer Lösung, die es erlauben wird Bilder in beiden Bereichen auszustellen.

  4. [...] Norbert Weber, bei der Deutschen Telekom für Polylooks verantwortlich: ,,Wir fokussieren uns auf ein hochwertiges Content-Portfolio mit einer europäischen Bildsprache. Durch die Kooperation mit iSyndica erhöhen wir unsere Bekanntheit bei Fotografen in ganz Europa.” (Norbert Weber im Interview mit Bildwerk3) [...]

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  • tina: halleluja, da treiben die Fotografen ja fast genauso Hochleistungssport wie die Jungs auf dem Spielfeld. Respekt! Und vielen Dank ...
  • Walter: Sehr beeindruckender und interessanter Einblick....

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