29. Mai 2009 M.R. 4

Verantwortung für hohe Foto-Etats

Für manchen Profi eine Selbstverständlichkeit, für Laien manchmal schwer zu kapieren: Fotografen lassen sich durch Repräsentanzen vertreten. Repräsentanzen halten den Kontakt zu Kunden, planen die Budgets, organisieren Modells und Location und halten dem Fotografen in der Regel weit ab vom Set den Rücken frei. Damit der sich ganz auf seine Profession, das Bildermachen konzentrieren kann und am Ende ein professionelles Produkt liefert.

Simon Reinitzer ist seit einem Jahr mit seiner Repräsentanz & Photosyndication TAKE Agency in diesem Geschäft und ich habe mit ihm über Fotografie, Fotografen, Zukunftspläne und die Aufgaben von Repräsentanzen gesprochen. Alle gezeigten Fotografien dieses Beitrags stammen von Fotografinnen und Fotografen die Reinitzer auf dem hiesigen Markt vertritt.

© Fabrice Dall'Anese Quelle: Repräsentanz & Photosyndication TAKE Agency

© Fabrice Dall'Anese Quelle: Repräsentanz & Photosyndication TAKE Agency

Marko Radloff: Wie ist Simon Reinitzer zur Fotografie gekommen?
Simon Reinitzer: Meine Eltern haben mir eine Pocket Kamera geschenkt, mit der ich unendlich viele Bilder geschossen habe. Die Welt durch eine Linse zu betrachten und meine ganz persönliche Auswahl der Realität mit meiner Kamera einzufangen hat mich damals schon fasziniert.

Zum 14. Geburtstag gab es die erste Spiegelreflexkamera, und so ging es dann weiter, bis zum Studium der Fotografie in London.

Alle träumen davon, selber zu fotografieren und davon zu leben. Wie sieht der zündende Traum eines Agenten für Fotografie aus?
Als Agent bin ich ein ziemlicher Realist und träume eigentlich viel zu wenig! Ich würde mir  für mich und auch für viele Photographen wünschen, dass Sie das träumen nicht vergessen. Auch Photographen stecken heutzutage sehr im Tagesgeschäft, das eben nicht nur aus dem reinen photographieren besteht.

© Alexander Babic Quelle: Repräsentanz & Photosyndication TAKE Agency

© Alexander Babic Quelle: Repräsentanz & Photosyndication TAKE Agency

Zum Verständnis: Was bieten Agenten ihren Fotografen?
Es hat viele Vorteile, wenn sich ein Photograph für die Zusammenarbeit mit einem Agenten entscheidet. Eine Repräsentanz hält permanent den Kontakt zu den Kunden und ist im Idealfall gut informiert, wenn bestimmte Werbetats ausgeschrieben werden oder z.B. neue Projekte beim Kunden anstehen.

Agenten entlasteten ihre Photographen, die sich dann intensiv und ausschließlich ihrer kreativen Arbeit widmen können, da eben Akquise, Neugeschäft und Präsentationen vom Agenten übernommen werden. Mein Hintergrund, als Photograph und Bildredakteur ermöglicht mir auch eine kreative Beratung, wenn es z.B. um die Zusammenstellung der Portfolios geht.

Eine weitere Hilfestellung für Photographen ist unser Photoproduktionsservice. Als vernetzte Agentur verfügen wir über ein breites Netz von freien Mitarbeitern, auf das Photographen bei Bedarf jederzeit zurückgreifen können.

Ein paar Worte zu den Fotografen, die Sie aktuell betreuen und welche Fotografen würden Sie gern noch für sich gewinnen und warum?
Mit allen Photographen verbindet mich die Leidenschaft für Ihre Bilder, denn als Agent muss ich zunächst einmal selbst überzeugt sein von der Photographie die ich beim Kunden anbiete. Ansonsten hätte ich es als Agent wirklich schwer, wenn es an dieser Stelle keine Begeisterung gibt!

Als professioneller Agent schaue ich mir natürlich immer interessante Photographen an, die eine  sinnvolle Ergänzung für TAKE Agency sein könnten. Die Repräsentanz gibt es jetzt seit genau einem Jahr und deswegen ist es auch gut möglich, dass  weitere Photographen dazukommen.

Ganz konkret schaue ich mir Photographen aus dem Bereich Mode und Beauty an, da ich viele Kundenanfragen in diesem Bereich erhalte.

© Timmo Schreiber Quelle: Repräsentanz & Photosyndication TAKE Agency

© Timmo Schreiber Quelle: Repräsentanz & Photosyndication TAKE Agency

Spielt der Standort Hamburg eine Rolle oder ist es heute egal, von wo aus man arbeitet?
Natürlich spielt der Standort Hamburg eine große Rolle für mich, da ich hier seit vielen Jahren Kontakte zu Werbeagenturen und Redaktionen pflege. Oft ist es so, dass Photographen Shootings oder Castings direkt bei der Werbeagentur besprechen und es für alle Beteiligten praktisch ist, vor Ort zu sein.

Andererseits gab es in den letzten Monaten auch viele Produktionen, bei denen es entscheidend war, dass der Photograph einen bestimmten Stil und eine Photoästhetik hat. Hierfür ist natürlich ein bestimmter Photoetat notwendig, da das ganze Phototeam zur Location eingeflogen wird.

Gab es im ersten Jahr von TAKE Agency herausragende Höhepunkte, die man berichten muss?
Für mich ist jeder Tag immer noch neu und aufregend – eine Routine hat sich da noch nicht wirklich eingestellt, da natürlich  auch die Kundenanfragen unterschiedlich sind. Insofern kann ich auch nicht von bestimmten Aufträgen als Höhepunkt sprechen.

Das was tatsächlich spannend und neu  ist, ist der Aufbau einer kreativen Photographenrepräsentanz mit etablierten Photographen aus ganz Europa. Daneben baue ich außerdem eine Bilddatenbank für Celebrity Photographie auf. Auch dass ist ein spannendes Thema, dass mir selber viel bedeutet und mir wahnsinnig viel Spaß bereitet!

© Marijke Aerden Quelle: Repräsentanz & Photosyndication TAKE Agency

© Marijke Aerden Quelle: Repräsentanz & Photosyndication TAKE Agency

Gibt es einen Richtwert, wie hoch das Volumen eines Auftrags sein sollte, damit sich der Einsatz eines Agenten lohnt?
Grundsätzlich versuche ich für meine Kunden immer eine Lösung zu finden, egal wie hoch das Auftragsvolumen ist. Oftmals findet man durch gute Recherche eine Möglichkeit eine Produktion doch noch zu realisieren, ohne dabei auf Qualität verzichten zu müssen.

Redaktionelle Aufträge sind für alle Photographen von TAKE Agency interessant, da oftmals Photostrecken entstehen, die dann wiederum Beachtung in Magazinen finden. Zu einem späteren Zeitpunkt sind diese Bilder dann vielleicht sogar Teil einer Photoausstellung oder werden als Beitrag bei einem Photowettbewerb eingereicht.

Könnten Sie sich vorstellen, auch als Galerist zu arbeiten und Fotografie auf dem Kunstmarkt zu verkaufen?
Das kann ich mir eigentlich weniger vorstellen. Es gibt natürlich ein großes Interesse an zeitgenössischer Photographie und ich kann mir vorstellen z.B. Photoausstellungen zu organisieren oder Bücher zu editieren, da dies sehr viel mehr mit meiner Arbeit als kreativer Mensch zu tun hat.

Wie dicht ist das, was professionelle Fotografen heute für große Kampagnen realisieren, an fotografischer Kunst?
Ich glaube Fotokunst und werbliche Photographie sollte man wirklich nicht versuchen zu vergleichen. Es gibt immer wieder herausragende Kampagnen die sehr kreativ und  auch künstlerisch umgesetzt sind. Wenn wir aber von Photokunst sprechen, denke ich da eher an Photographie die in Galerien und Museen ausgestellt sind.

Es ist eine große Herausforderung den Spagat zwischen Kunst und Kommerz zu vollziehen, die bestimmt den wenigsten gelingt.

Was müssen Fotografen heute mitbringen, um bei Repräsentanten unter Vertrag zu kommen?
Jeder Photograph sollte seine eigene Vision, Traum oder Herzblut haben! Es ist egal wie man es bezeichnet, aber jeder Photograph sollte erst einmal diese Energie haben, neben sehr viel Ehrgeiz und Geduld zu reifen.

Als Agent erwarte ich darüber hinaus natürlich eine hohe Professionalität. Das heißt für mich auch gute Kommunikationsfähigkeiten und Verantwortung, es geht ja oftmals um hohe Photoetats.

© Adrian Weinbrecht Quelle: Repräsentanz & Photosyndication TAKE Agency

© Adrian Weinbrecht Quelle: Repräsentanz & Photosyndication TAKE Agency

Beobachten Sie bei Ihren Kunden angesichts der Krise die Tendenz auf schmale Budgets zu setzen? Oder anders: Haben Fotografen, die nicht das ganz große Equipment auffahren können, aber eine besondere Eigenart entwickelt haben, heute größere Chancen eine Auftrag zu bekommen?
Momentan sehe ich die Tendenz, dass viele Kunden abwarten und versuchen den perfekten Zeitpunkt für eine Kampagne zu finden. Das Tempo mit dem produziert wird hat sich zumindest bei uns ein wenig verlangsamt.

Das heißt aber nicht, dass in dem Moment wo sich der Kunde für ein bestimmtes Projekt entscheidet weniger Geld ausgegeben wird, als noch vor einigen Monaten. Insofern entscheidet das Equipment auch nie darüber, ob ein Photograph den Job bekommt oder nicht. Equipment kann man meistens kostengünstig mieten und in einem nachvollziehbaren Rahmen ist dies auch vom Kunden akzeptiert.

Glauben Sie nach einem Jahr als Geschäftsführer und Inhaber von TAKE Agency immer noch, dass es die richtige Entscheidung war?
Auf jeden Fall! Sowohl Kunden als auch andere Agenten haben mich darin bestärkt. Das Konzept klein und fein ist gefragt. Ich kann nur jedem raten seine Träume in die Hand zu nehmen und Sie real zu verwirklichen!

Simon Reinitzer

Simon Reinitzer

Im Moment 4 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Stefan sagt:

    Ein sehr interessantes Interview! Vielen Dank für den kleinen Einblick und weiterhin viel Erfolg für Simon!

  2. Peter Sturn sagt:

    Ich fand das Interview von Simon Reinitzer sehr interessant.

    Persönlich denke ich auch, dass es für einen Fotografen sehr wichtig ist, dass er in der Nähe von den Kunden sein Fotostudio hat. Ich selbst merke, dass es wirklich schwer ist, tolle Aufträge an Land zu ziehen, wenn man in einem kleinen Kaff arbeitet.

    Interessant wäre beimn Interview noch gewesen, auf was Herr Reinitzer achtet, wenn er einen Footgraf aufnimmt.

    LG Peter

  3. Clean sagt:

    The photos looks cool!

  4. GMK sagt:

    Die Fotos sind so hammer.. Bin mal auf das neue Photoshop CS5 gespannt, sollte besonders im Grafik Segment mit den Layer Techniken punkten… Schöner Artikel!

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