DENIC verpasst sich neuen Webauftritt und verhaut die Sache mit den Fotos
Ein besonders glückliches Händchen bei der Auswahl von Bildern hat man bei der DENIC – der zentralen Registrierungsstelle für alle Domains unterhalb der Top Level Domain .de – noch nie gehabt. Der neue Webauftritt allerdings läßt am bildmäßigen Verstand der Frankfurter Verwaltungs- und Betriebsgesellschaft eG gänzlich zweifeln.
Wir erinnern uns
Viele Jahre warb man bei der DENIC mit einem Fahndungsfoto. Eine Frau schaut ängstlich sentimental zurück. Wohin? Wir wissen es nicht. Und warum dieses Bild an dieser Stelle? Wir hatten aufgehört danach zu fragen. Eine Seite im Netz, ganz auf Funktion, auf die sonst schnörkellose Abfrage von Domainangaben ausgerichtet, zeigt den immer gleichen, eingefrorenen Ausschnitt aus einem Tatort aus den Siebzigern oder Achtzigern. War so!

Das DENIC-Gesicht – bis vor kurzem. Quelle: denic.de
Mit dem Relaunch in dieser Woche ist die Seite moderner: ein Dreispalten-Layout mit recht softer, zeitgemäßer Haptik, einigen Hintergrundverläufen, Punktlinien als Trennelemente, das Logo mit Schatten und viel grau und viel türkis und einem großen Feld für Fotografien. Die Besetzung dieser Felder auf Haupt- und Unterseiten ist aber durchweg lieblos, unambitioniert bis fragwürdig – insgesamt ein doller Griff in die Bilder-Tonne.
Noch auf dem Startseiten-Foto erkennt man das Chassi eines Apple-Notebooks, indem ein türkisfarbener Netzwerkstecker steckt. Kann man machen. Ist irgendwie konform. Was gar nicht geht und was man dann auf allen Seiten wiederfinden wird, ein Foto, das derart wichtig ist und auf der Seite soviel Platz einnimmt, derart herunterzurechnen – noch dazu wenn im Bild Text auftaucht. (Den Slogan, der da zu lesen steht, sollen mal die Werbetext-Blogger zerpflücken. Das mach ich jetzt nich.) www.denic.de
Unterm Hauptmenüpunkt Domains schauen wir, ja auf was eigentlich? Ich würde sagen, auf eine weibliche Hand die einen Klingeldraht in eine Telefondose steckt, im Hintergrund ist eine Fussleiste zu sehen. Es handelt sich also um eine Wandtelefondose. Sonst würde ich sagen ist dieses Foto kein deutsches Bild, denn dieses Fabrikat Telefondose, respektive Netzwerkdose gibt’s hier, soweit ich weiß, nicht. Auch hier wieder das Problem mit der JPEG-Komprimierung. Geht so gar nicht.

Schatz, steck mal das Telefon wieder rein ... Quelle: denic.de
Menüpunkt ENUM trägt eine überschminkte Bürotusse, die einigermaßen angestrengt in ihr Headset lispelt – die Stellung ihrer Lippen jedenfalls scheint diesen Sprachfehler nahe zu legen. Warum dieses Foto? ENUM hat irgendwas mit telefonieren zu tun.
Man kann das auf Grund der JPEG-Artefakte nicht genau erkennen, aber ich glaube dieses Foto ist in keinem Punkt richtig scharf.
Selber geknipst oder runtergeladen?
Bei ‘DENIC FAQs‘ und ‘DENIC im Dialog‘ wird’s richtig peinlich. Zuerst hab ich gedacht, dass haben die selber gemacht. Zwei gestellte Büroszenen, fix mit der Handycam aufgenommen und ab in’s Netz. Eine Recherge ergab dann allerdings, die Bilder sind mitnichten in den Büroräumen der DENIC gemacht, mit eben diesen Bildern werben auch schon andere! Ich hab mal im Folgenden zwei hübsche Beispiele rausgesucht:

DENIC FAQs und BIG BEN Language Studies mit dem gleichen Foto
Jetzt werden manche fragen, was so verwerflich daran ist. Da muss ich dann sagen, in einer so wichtigen Institution wie der DENIC sollte den Wert von Bildern kennen. Ganz offensichtlich aber war man in Franfurt schlecht beraten oder gedankenlos oder beides oder geizig. Und wenn ich mir vorstelle, dass es wieder so lange dauert, bis zum nächsten Relaunch …
Meine Empfehlung: ein bisschen Geld in die Hand nehmen und sich bei einer hiesigen Bildagentur mit moderner Bildsprache ein Angebot für die Bebilderung dieser doch so präsenten Seiten machen lassen – auf Nachfrage nenne ich gern jene zwei Agenturen, die mir sofort einfallen – und diesmal dann bitte exklusiv.

DENIC im Dialog und HERMA mit der gleichen Büroflirt-Message


Mit der Kamera sehen Konzeptionelle Fotografie im digitalen Zeitalter
Ein Tag Deutschland:
Das Wesen der Fotografie: Ein Elementarbuch Stephen Shore erklärt, wie man Fotografien richtig beurteilt und versteht.
Erfolg als Fotograf: Wie man sein Können optimal präsentiert Autorin: Dr. Martina Mettner
Da sieht man’s wieder: ein Foto ist heute nichts wert. Ich schmeiß meine Kamera weg.
Cooler Beitrag!
Vom Bild mal ganz abgesehen frage ich mich doch ernsthaft, was eine Telefondose mit Domains zu tun hat.
Was mich aber noch mehr interessiert: wie findet man eigentlich diese Bilder auf anderen Webseiten? War das Zufall, dass Du die Denic-Bilder auf einer anderen Seite gesehen hast, kanntest Du die Bilder oder gabs einen anonymen Hinweis?
@WAGII: das fällt eigentlich unter Quellenschutz.
Aber schau mal hier.
Übrigens:
Eine schon etwas länger laufende Diskussion zum Thema Denic-Relaunch läuft im Design Tagebuch von Achim Schaffrinna und auch dort wird die Qualität der Bilder beklagt.
ich kann nur zustimmen, was die kritik an bildauswahl und design angeht, aber man sollte nicht vergessen, dass diese arbeit ganz sicher nicht von der DENIC selbst gemacht wird, sondern von einer agentur/einem grafiker – allerdings wird der kostenrahmen für bildkauf sicherlich von der DENIC gesetzt. solange der werber seinen kunden nicht davon überzeugen kann, dass gute bilder ebenfalls mehr kosten genauso wie gute gestaltung, kommt so etwas raus.
Ja, ziemlich bildunwürdig …
Obwohl ich nicht an Geldmangel glaube, sondern eher an Gedankenlosigkeit: Wie hoch würden die Kosten sein, um meinetwegen nicht nur die Seiten, sondern auch Broschüren und Flyer zu bebildern, wie hoch könnten die Kosten für eine exklusive Bebilderung ausfallen? Hat da jemand eine Vorstellung?
ich gebe Johnson völlig recht. das sehe ich absolut genau so. Weg damit!!
Das kann man anders viel leichter haben…
findet Ihr?
gruß aus hessen
frank