30. April 2009 M.R. 4

ISO 100 alles prima: Erfahrungsbericht RICOH GX200

Wie war der Urlaub? Wie überzeugend ist die GX200? So und so ähnlich wurde ich in den letzten Tagen immer wieder angesprochen und ich habe mich ein-, zweimal herausreden müssen … Argumente sammeln, sortieren, formulieren.

Zusammenfassend will ich sagen, dass die GX200 eine angenehme, eine unauffällige, eine noble Begleiterin war, die nach einer kurzen Einarbeitungs- und Umgewöhnungsphase (wo ist jetzt der Knopf noch mal?) ganz prima Ergebnisse gebracht hat und die sich auf intuitive Art handhaben ließ – in den Grenzen ihrer Möglichkeiten versteht sich.

Blauer Himmel, Wasser und Sonne und jemanden, der einen roten Pilz aufstellt – mehr brauchts nicht. (technische Werte: ISO64 f/9 1/660s)

Blauer Himmel, Wasser und Sonne und jemanden, der einen roten Pilz aufstellt – mehr brauchts nicht. (technische Werte: ISO64 f/9 1/660s)

Und ganz klar: der Funktionsumfang ist beachtlich und für ambitionierte Fotografen gedacht und für Kameras dieser Größe nicht eben selbstverständlich. Ein paar Stichpunkte zur Einstimmung: Programm- oder Zeitautomatik, manuelle Belichtung oder Vollautomatik, Blitzbelichtungskorrektur, manuelle Teilleistungsstufen (7!) für das eingebaute Miniaturblitzgerät, Belichtungskorrektur und manuellen Weißabgleich, umschaltbar auf manuelle Fokussierung; die Kamera hat ein eigenes RAW-Format und eine eingebaute elektronische Wasserwaage (heißt ‘Ausrichtkorrektur’) und wer mag, kann für die Aufnahme ein quadratisches Format wählen – ausgegeben als kameraeigene RAW- oder JPEG-Datei.

Äußere Werte

Die Edelmini von RICOH überzeugt auf den ersten Blick – wie eigentlich alle Modelle aus der Professional Reihe von RICOH – durch ihre mattschwarze und edle Verarbeitung. Man nimmt diese Kameras gern in die Hand. Alle Knöpfe sind übersichtlich angebracht und man kann sofort loslegen. Trotzdem das Objektiv einige Zentimenter herausfährt, scheint die GX200 im Vergleich zur GR Digital II – das Schwestermodell mit Festbrennweite – schneller einsatzbereit zu sein, obwohl die GR Ditgital II beim Start die angenehmeren Geräusche macht: summend und nicht etwa leise ratternd wie das Zoom-Modell.

Keine leichte, aber lösbare Aufgabe: Innenaufnahmen. Technische Details: ISO200 f/2,4 1/20s

Keine leichte, aber lösbare Aufgabe: Innenaufnahmen. Technische Details: ISO200 f/2.4 1/20s

Anders als die GR Digital II braucht die GX200 einen Objektivdeckel, um die Frontlinse zu schützen. Das ist ein bißchen umständlich, liegt aber wohl konstruktionsbedingt an der vorhandenen Zoom-Optik. Man ist gut beraten, sich für die GX200 eine extra Kameratasche zu zulegen und sie nicht wie ihre etwas kleinere Schwester in die Hosentasche zu stecken. Für diejenigen, die das Abnehmen des Objektivdeckels umgehen möchten, gibt eine selbst öffnende Ausführung als Zugehör – hier.

Wenn ich das erste Mal mit digitalen Zwergen arbeite, die obendrein keinen Sucher haben, (es gibt für die GX200 und auch für die GR Digital II einen Aufstecksucher als Zubehör, den man aber nicht wirklich einsetzt) und bei denen ich die LiveView-Funktion für Bildausschnitt und die Beurteilung der Belichtung ganzs selbstverständlich verwende, suche ich immer gleich mal nach dem Knopf für die Belichtungskorrektur.

Eigentlich war es noch ziemlich finster. Aber auch solche Aufnahmen lassen sich rauschfrei realisieren: indem man die Kamera irgendwo aufsetzt. Technische Details: ISO100 f/4,8 1/3s

Puh, wie kitschig! Und eigentlich war es noch ziemlich finster. Aber auch solche Aufnahmen lassen sich rauschfrei realisieren: indem man die Kamera irgendwo aufsetzt. Technische Details: ISO100 f/4.8 1/3s

Die GX200 hat den ADJ. Knopf – wie viele andere Modelle von RICOH auch; oder haben ihn alle? Die Adjust-Taste lässt sich mit dem Daumen niederdrücken und wie ein kleiner Joystick in zwei Richtungen bewegen. So hat man nur mit dem Daumen schnell und einfach direkten Zugriff auf ISO-Wert, Belichtungskorrekturen, Weißabgleich, Ausgabeformat und andere Einstellungen – Funktionen, die man auch selbst festlegen kann.

Zu diesem nützlichen kleinen Knopfhebel findet man an der GX200 zwei zusätzliche Funktionstasten, die man nach eigenem Ermessen belegen kann und für die das übersichtliche Kontextmenü eine ganze Reihe hilfreicher Vorschläge macht. Auf eine dieser Tasten habe ich mir die Belichtungskorrektur gelegt, ohne die ich, wie gesagt, überhaupt nicht auskomme.

Die Belichtung läßt sich in Drittelblendenschritten bis zu einem Wert von plus beziehungsweise minus zwei einstellen und könnte, jedenfalls für meine Arbeitsweise, noch um einen ganzen Wert höher bzw. niedriger liegen.

Bei solchen Aufnahmen aus der Hüfte wäre es manchmal sinnvoll – und jetzt kommt mein einziger Verbesserungsvorschlag – wenn das akustische Signal für die eingebaute Wasserwaage auf Kopfhörer gehen kann, um auch in den Momenten, in denen man nicht auf den Monitor schaut, Kontrolle über den Horizont hat. Technische Details: ISO64 f/2.4 1/1.150s

Bei solchen Aufnahmen aus der Hüfte wäre es manchmal sinnvoll – und jetzt kommt mein einziger echter Verbesserungsvorschlag – wenn das akustische Signal für die eingebaute Wasserwaage auf Kopfhörer gehen kann, um auch in den Momenten, in denen man nicht auf den Monitor schaut, Kontrolle über den Horizont zu haben. Technische Details: ISO64 f/2.4 1/1.150s

Der Monitor ist angenehm groß: er eignet sich sowohl zur Bildvorschau, als auch zu Bildbeurteilung. Durch einen kleinen Knopf lassen sich unterschiedliche Anzeige-Modi auswählen: Details, Details mit Histogramm, Gitternetz oder lediglich das Vorschaubild; bei der Bildbetrachtung (Playtaste: grüner Pfeil) gibt es zusätzlich die Anzeige ‘Weißsättigung’, bei der die absolut weißen, überbelichteten Bereiche im Bild dargestellt sind.

Im Grunde läßt sich die Kamera in allen Standardsituationen mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand problemlos bedienen – dank ADJ., Blendenrad (das auch bei Korrektureinstellungen Verwendung finden kann), Programmrad und kleines Knöpfchenfeld mit OK-Taste hinten unten rechts. Leider hat man bei der GX200 im Gegensatz zur GR Digital II auf eine Feststelltaste für das Programmrad verzichtet, weswegen es mir mehr als einmal passiert ist, das es sich beim Hosentaschentransport verstellt hat: plötzlich M statt A. Ein weiteres Argument für die Verwendung einer Kameratasche für die GX200 im Outdooreinsatz.

Innere Werte

Die Liste wählbarer Funktionen für Bildqualität/Bildgröße hat vierzehn(!) Einträge. Das ist viel mehr als man überlicherweise benötigt und sie reicht von RAW total, über RAW 3:2, RAW 1:1, über JPEG total und JPEG 3:2 und 1:1 bis hin zu Webbildern mit einer Kantenlänge von 640 Pixel. Die Aufnahmen für diesen Bericht habe ich alle im maximalen JPEG Format gemacht, da ich für eine Kamera, die nur ‘zu Besuch’ bei mir ist, kein zusätzliche Software installieren wollte.

Fokussierung und Lichtmessung lassen sich via Voreinstellungen getrennt behandeln. Sicherlich auch nicht üblich für Modelle in dieser Größe. Man hat bei der Fokussierung die Wahl zwischen Multi AF, Spot AF, manueller Fokussierung, Fixfokus – hab noch nicht verstanden was Fixfokus kann – und der Einstellung unendlich. Man verkürzt die Reaktionszeit der Kamera enorm, wenn man mit der Einstellung ‘unendlich’ und leicht geschlossener Blende arbeitet. So entfällt die Zeitspanne für die Auto-Fokussierung und das leicht störende Geknatter, wenn die Linse ihren Scharfpunkt sucht. Und für die meisten, die aller allermeisten Situationen sollte das schon ausreichen.

Technische Detail: ISO100 f/5.5 1/320s

Technische Detail: ISO100 f/5.5 1/320s

Für geübte Fotografierende – zu denen ich mich ja auch zähle (hüstl, hüstl …) – sind die Default Einstellungen für Lichtmessung und Fokussierung nach dem Auspacken ein bißchen nervig: alles auf Multisensoren verteilt. Dadurch weiß man beim ersten Aufnehmen nicht gleich, wo man sich befindet. Also erster Schritt: diese Einstellungen den Gewohnheiten anpassen.

Bei der Lichtmessung hat man die Möglichkeit zwischen Multi-, Mitte- und Spotmessung zu wählen. Wie gesagt, unabhängig von den Einstellungen für die Fokussierung. Ich erwähne dies deswegen so ausführlich, weil es mich wirklich überrascht hat, mag sein, das das heute schon selbstverständlich ist, auch für Foto-Geräte dieser Größe …

Wie ganz oben bereits angedeutet, gibt es eine ganze Reihe zusätzlicher, teils nützlicher, teils verspielter Features mit denen man eine Menge erreichen kann und die für fotografische Mitdenker gedacht sind. Manches habe ich für diesen Erfahrungsbericht gar nicht probiert: S/W Modus, Movies, Verzerrungskorrektur, Blitzsynchronisierung auf den zweiten Vorhang, Belichtungsreihen, Rauschreduzierung etc. Auch solche Sache wie Auslöseverzögerung und Akkuleistung braucht man nicht mehr als Problem zu benennen. Da stimmts!

Technische Details: ISO100 f/6.3 1/97s

Technische Details: ISO100 f/6.3 1/97s

Insgesamt ist die RICOH GX200 bei ISO100 ein gut brauchbarer Kollege! Bei ISO200 und erst recht bei ISO400 sieht die Sache schon etwas anders aus, jedenfalls bei ausgeschalteter Rauschreduzierung. Da wird das Rauschen dann deutlich sichtbar und muss mit klugen Algorithmen weggerechnet werden. Der Grund liegt hier im viel zu kleinen Sensor. Auch RICOH hat der Versuchung nicht wiederstehen können dem Winzling mehr Megapixel aufzuladen, was dann in höheren ISO-Bereichen zu den benannten Problemen führt.

Aber auch dieses Problemchen wird sicherlich gelöst werden können, beispielsweise durch vergrößerte Sensoren und nicht erst dann ist RICOH mit seiner Kamera-Reihe für Fotografen auf dem richtige Pfad.

Zusätzliche Links
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GX200 bei digitalkamera.de
technische Daten GX200

Im Moment 4 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Martin sagt:

    Ich trage eine Ricoh GRD II (mit 28mm Festbrennweite) so gut wie immer am Leib: die beste Kamera ist nun mal die, die man dabei hat!
    Die Optik ist ein Sahnestückchen, der Sensor natürlich zu klein, aber auch bei hoher Empfindlichkeit lassen sich schöne S/W-Umstetzungen machen.
    Mit externem Sucher in Verbindung mit der variablen Fixfokuseinstellung (je nach vorgewählter Entfernung und Blende ist ein definierter Entfernungsbereich scharf) kann man unglaublich schnell auf unvorhergesehene Situationen reagieren: Kamera hoch und abdrücken.
    Klein, unauffällig, geräuschlos und damit besten für die Straßenfotografie geeignet.
    Für das nicht proprietäre RAW-Format (DNG) ist übrigens keine besondere Software nötig, Lightroom oder Photoshop kommen bestens damit zurecht.

  2. Marko sagt:

    Lieber Martin, nach Deinem Hinweis werde ich doch einmal schauen, wie das im RAW-Format funktioniert und ob sich optimalere Ergebnisse erziehlen lassen.

    Mhm, die Entscheidung für eine Festbrennweite oder für das Zoomobjektiv – also zwischen GX200 und GR DIGITAL II – ist nicht ganz leicht … Für die Festbrennweite sprechen Geräuschlosigkeit und dichterer Makrobereich und für das Zoomobjektiv eben die Möglichkeit, das Motiv heranzuholen und zu beschneiden.

  3. Marko sagt:

    kleiner Nachtrag bezüglich RAW-Format Wie Martin geschildert hat, ist es damit ganz simpel. CS3 sowohl unter Windows als auch unter Mac OS X öffnet den bekannten Dialog für dieses Dateiformat; auf beiden Betriebssystemen ohne zusätzliche Software: Kamera meldet sich selbständig als Laufwerk an oder wird als Laufwerk erkannt …

  4. Marko sagt:

    und ein kleiner Nachtrag zum Thema ‘Straßenfotografie’: Dr.Martina Mettners Abgesang auf die ‘Street Photography’. Die Posts von Mettner kommen selten, aber wenn sie erscheinen, schau ich immer drauf und werde überrascht und bin erheitert … Vielen Dank!

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