21. April 2009 M.R. 6

Kunstverpflichtet und fotografisch

Die Darmstädter Tage der Fotografie sind ein internationales Festival – eines der ambitioniertesten und wichtigsten in Deutschland – auf dem Fotografen, Macher und Publikum bei einem vollgepackten Programm Bilder schauen und über Fotografie sprechen. Mit der Fokussierung auf ein Thema und die zeitliche Festlegung auf ein Wochenende (24.-26.04.2009) haben es die Initiatoren geschafft, über die Region Darmstadt hinaus und in die fotografisch-künstlerische Wirklichkeit hinein zu wirken …

"Sproutbau, Bremen", 2007 aus der Serie "CONVOI" © Johanna Ahlert

"Sproutbau, Bremen", 2007 aus der Serie "CONVOI" © Johanna Ahlert

Keine Darmstädter Tage ohne Thema – ich habe es an dieser Stelle schon einmal genannt: Vision – Aussicht aufs Leben. Es geht um nicht’s weniger, als um Träume, Wünsche und Werte die alle Menschen in irgendeiner Form haben, in denen sie sich wiederfinden oder die sie von einander trennt, wie also künstlerische Fotografie sich den Träumen, Wünschen und Werten nähert, was Fotografen mit den Visionen anfangen.

Alexandra Lechner, Albrecht Haag, Gregor Schuster und Rüdiger Dunker sind die Initiatoren der Darmstädter Tage der Fotografie – die in diesem Jahr bereits zum fünften Mal stattfinden. Wir werden an dieser Stelle – und in weiteren Beitägen – ein paar fotografische Positionen zeigen – alle Fotobeiträge sind in der Hauptausstellung im Designhaus in Darmstadt zu sehen. Die Texte zu den Fotografen hat Ute Noll verfaßt. Vielen Dank an Alexandra Lechner für die Bereitstellung und die nette Kooperation.

Untitled#1 2004, Courtesy TZR Galerie Kai Brückner Düsseldorf © Ruud Van Empel

Untitled#1 2004, Courtesy TZR Galerie Kai Brückner Düsseldorf © Ruud Van Empel

"Hope Portrait #3," 2005 aus der Serie "Hope Portrait" © Erwin Olaf

"Hope Portrait #3," 2005 aus der Serie "Hope Portrait" © Erwin Olaf

"Pfeiffenclub Heiterkeit", 2007 aus der Serie "Freizeitfreunde" © Andi Cortellini & Ursula Sprecher

"Pfeiffenclub Heiterkeit", 2007 aus der Serie "Freizeitfreunde" © Andi Cortellini & Ursula Sprecher

Johanna Ahlert: Eine Form alternativer Architektur der Gegenwart zeigt Johanna Ahlert. Sie fotografierte deutschlandweit Wagenburgen, deren Bewohner oft ihren Wohnraum aktiv mitgestalteten, sei es durch Graffiti oder den Einbau gotischer Fenster. Unter den Wagenburg-Bewohnern befinden sich Aussteiger, die die Leistungsgesellschaft hinterfragen, ein selbstbestimmtes Leben und Arbeiten wünschen, die basisdemokratische Entscheidungen fällen und umsetzen wollen.

Ruud van Empel: Der Wunsch nach Vollkommenheit zeigt sich in den jeweiligen Vorstellungen Erwachsener vom perfekten Kind. Die Kinderbilder des Holländers Ruud van Empel wirken schön und dabei gespenstisch, die Protagonisten selbstbewusst, aber dennoch verletzbar. Die Kleidung der Mädchen symbolisiert einerseits Unschuld, andererseits Schutz. Umgeben sind sie von einer seltsam idealisierten Welt, dargestellt durch einen Wald, der wie das Paradies erscheint. Der Glaube an Gerechtigkeit, an Frieden und an ein Leben nach dem Tode spielen im Christentum eine Rolle, aber auch in anderen Religionen.

Erwin Olaf: An diese Arbeit schließt sich folgende Frage an: Wie frei sind Menschen in der westlichen Welt und wie nutzen die Menschen dort ihre persönlichen Freiräume?Für seine Serie „Hope“ inszenierte Erwin Olaf Menschen in ihrer häuslichen, schulischen und beruflichen Umgebung. Obwohl man jeweils nur eine Person im Bild sieht, spürt man, dass es um Beziehungen zu anderen geht, die womöglich kurz vorher noch im Raum waren oder gleich danach hereinkommen werden. Die Protagonisten des Holländers wirken angespannt, innerlich aufgeladen und unterdrückt.

Ursula Sprecher & Andi Cortellini: Die Schweizer Ursula Sprecher & Andi Cortellini halten in ihren Gruppenporträts fest, wie Menschen ihr kleines Glück in der Gemeinschaft verwirklichen: Gleichgesinnte verfolgen ihre jeweiligen Ziele ehrenamtlich, mit viel Engagement und Leidenschaft, sei es im Club der Pudelbesitzer, in der Vereinigung der Pfeifenraucher oder im Verein der Tamilen in der Nordwestschweiz.

Im Moment 6 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Chrissy sagt:

    Finde vor allem das erste Bild sehr künstlerisch. Sieht irgendwie überhaupt nicht so aus, als sei es aus unserer Zeit, sondern wie so etwas altes.. ich mags auf jeden Fall!

  2. Marko sagt:

    Auch ich finde das erste Bild auf besondere Weise geheimnisvoll – ein urbanes Provisorium. Besonders wirkungsvoll der graue Himmel nach dem Regenguß …

  3. Uwe Nölke sagt:

    Auch dieses Jahr lohnt sich bestimmt wieder der Besuch bei den Darmstädter Tage der Fotografie. In den letzten Jahren war es auf jeden Fall sehr interessant und inspirierend.

  4. Marko sagt:

    Bei Frau Dr. Mettner gibt es einen Bericht über den Vortrag von Erwin Olaf in Darmstadt, einen Bericht über einen der interessantesten zeitgenössischen Fotografen und über Ausdauer, die man als Fotograf auch benötigt, um groß raus zu kommen.

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