25. März 2009 M.R. 1

Nicht nur viele Fotos – der internationale Bildermarkt ist in Bewegung

bildwerk3 - bildagenturen Klaus Plaumann, Leiter Marketing und Archive bei Picture Press und Vorstandsmitglied im BVPA, vielen in der Branche bekannt nur als KP und nach meiner Einschätzung ein guter Kenner der nationalen und internationalen Bildagentur-Szene und darüber hinaus ein großer ‘Kontakter’ und nicht zum ersten mal hier bei bildwerk3 – ich habe ihn gebeten die Entwicklungen auf dem überseeischen Bildermarkt für uns zu beleuchten:

Gastbeitrag von Klaus Plaumann

Die Zeiten sind schwer, die Geschäfte laufen überall auf der Welt zur Zeit nicht gut, ganze Länder sind pleite, also müssen alle Beteiligten auch der Bilderindustrie, Bildagenturen und Fotografen, härter kämpfen, um sich auf dem Markt zu behaupten und Geld zu verdienen.

In Deutschland werden die aktuellen Probleme der Bilderbranche gern unterm Deckel gehalten. Ist es Angst vor der Konkurrenz, verdeckter Wettbewerb oder heimliches Getue? Kaum jemand gibt offen zu, dass er Umsätze verloren hat.

Wie läuft es denn im Ausland? Marko hatte gefragt, ob es möglich wäre, das Geschäft in den angelsächsischen Ländern zu beschreiben. Das bedarf langer Recherche, auf die Schnelle deswegen nur ein paar Beispiele, die aber insgesamt einen Blick auf die Bilder-Industrie werfen, vor allem in den USA.

Wie sagte Bernd Weise, BVPA-Geschäftsführer so schön: Dort drüben (in den USA) ist das Bildergeschäft „ein sportliches Ereignis, ein Wettbewerb der Ideen“.

Aber leichter ist es für die Bildagenturen dort auch nicht. Doch es ist wichtig und interessant sich anzuschauen, wie viel mittelständische und auch neue Agenturen sich auf dem amerikanischen Markt tummeln. Unbeeindruckt von der Marktmacht von Getty und Corbis, mit dem Mut sich neu aufzustellen und mit einem neuen Angebot Kunden zu gewinnen und gute Umsätze zu machen. Oder Agenturen, die sich auf Themen spezialisiert haben, die der Nutzer nicht bei den Universalagenturen finden kann. Krise hin, Krise her.

Zwei Beispiele dazu:

Eurostock.us zum Beispiel, wirbt für sich mit der Feststellung, dass sie nur mit europäischen Auftrags-Fotografen arbeitet, Fotografen, die Fotos von aussergewöhnlich hoher Qualität produzieren und ihre Fotos nie an große Stock-Agenturen liefern würden. Damit setzt die Agentur sich von den Mitbewerbern ab und sichert sich eine Marktlücke.

Website von eurostock.com

Website von eurostock.com

• Jody Dole, ein erfolgreicher und vielfach preisgekrönter Werbefotograf, gründete eine eigene Agentur, Jodydolestock.com, und bietet in seinem Spezialarchiv Luftaufnahmen, Unterwasser-Fotos und Lifestyle-Bilder an, als gutes Zubrot und um selbstbestimmt Fotoproduktionen zu vermarkten.

Wie werden Fotos in den USA produziert? Auf jeden Fall ist das mit einem Aufwand verbunden, den in Deutschland niemand in die Tat umsetzen würde. Denn so etwas ist mit hohen Investitionen, Wagnis und Risiken verbunden. Da fragen wir uns hierzulande üblicherweise: Lohnt das denn? Werden wir die Bilder auch verkaufen? Und gehen das Risiko nicht ein.

Ein interessantes Beispiel für den kommerziellen Wagemut bietet Ericksonstock.com, eine Agentur mit 21 Mitarbeitern aus Petaluma, Kalifornien. Sie wollte ihr Angebot rechtzeitig zur Sommerolympiade 2008 mit erstklassigen China-Fotos verbessern. Und sie ging das Wagnis ein, vor Ort, also in China, Bilder zu produzieren. Wie setzt man so etwas um?

• Innerhalb von 28 Tagen hat ein Produktionsteam von 15 Fotografen aus den USA und China in 31 Locations von Shanghai, Peking bis zum Chinesischen Süden, Bilder und Videos produziert. Mit nicht weniger als 300 chinesischen Models.
• Um die China-Bilder nicht mit dem westlichen Auge zu fotografieren, heuerte die Agentur ein chinesisches Produktionsteam, Übersetzer und Spezialisten an, die mit der einheimischen Kultur vertraut waren.

Einfach war die Produktionssituation nicht, denn es sollten Bilder sein, die Emotionen zeigen, lifestyle-Motive, keine starren, ausdruckslosen Bilder. Die Chinesen waren zuerst sehr zurückhaltend. Aber es hat funktioniert, die gewünschten Fotos wurden erfolgreich produziert.

Und noch ein zweites Beispiel aus den USA, diesmal von einem Getty-Fotografen, das verstehen hilft, warum der Erfolg einer Bildagentur nicht allein durch eine große Anzahl von Bildern bestimmt wird. Es müssen Ideen umgesetzt werden, um Angebotslücken zu füllen, um dem Kunden zu zeigen, dass er auch ungewöhnliche Bildstrecken, die aus dem Rahmen fallen, bekommen kann.

Jonathan Ferry produzierte mit einem 20 köpfigen Produktionsteam, mit dabei 3 Getty-Mitarbeiter und 2 Produktionsfirmen aus Miami, Florida. Das Thema: Autorennen in Miami. Ein zur Zeit in den USA sehr beliebtes Sport-Event. Und auch hier ging es um emotionale Motive, die nicht mit dem echten Publikum zu produzieren waren. Auch hier wurde sehr viel Geld investiert, denn Models wurden benötigt, um Model releases zu gewährleisten.

• Die Produktion funktionierte so:  Erst wurden Bilder mit echten Zuschauern geschossen. Mit diesen Foto-Vorlagen machte sich das Produktionsteam mit 150 bezahlten Zuschauern (und Models im Vordergrund) an die Arbeit und stellte die Themen nach. Zufrieden gingen der Fotograf und das Team dann nach Haus. Und Gettyimages erweiterte sein Angebot.

Es gibt übrigens auch in anderen Teilen der Welt sehr große Bildagenturen, von denen wir noch nichts gehört haben, z. B. in Brasilien. Imageplus aus Sao Paulo bietet zum Beispiel nicht weniger als 12 Millionen Bilder an. Der Geschäftsführer, Gianfranco Coppola, meint, dass mit der gerade gelaunchten neuen website imageplus.com nicht nur brasilianische Kunden zufriedengestellt werden können, sondern er hofft, dass auch Bildnutzer aus Nachbarländern, sich aus den Bildbeständen bedienen.

Was heißt das alles? Das Bildgeschäft dreht sich zwar immer schneller, die Bildbestände wachsen minutenschnell um Tausende von Bildern, die Bilderblase von schätzungsweise über zwei Milliarden Bildern droht zu explodieren, der Einfluß und die zur Verfügung gestellte Menge von Microstock-Angeboten ist unermesslich – und dennoch wird es weiter gehen. Und manch Branchenteilnehmer meint sogar, das Rights Managed-Geschäft sei von der Krise nicht betroffen.

Einige aktuelle Meldungen wirken allerdings verstörend. Auf einem Alamy-blog wird berichtet, dass in Großbritannien die Verkäufe des großen Bildportals bei den Tageszeitungen stark rückläufig sind, um 30% bis 70%, genauer gesagt. Gründe dafür sind, dass die Anzeigenvolumen der Medien gekürzt worden sind und intensiv Kosten bei den Redaktionen eingespart werden. Auch bei uns wirken sich diese Massnahmen aus, mittelfristig sicher noch stärker als heute. Die Alternative bei vielen Bildnutzern ist eindeutig Microstock, denn hier kann viel Geld gespart werden.

Trotzdem sollten wir nach vorn schauen. Denn jede Krise hat ein Ende.

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  1. [...] Vom Dia zur Flatrate. Der Wandel der Bilderbranche, Teil 3 (Klaus Plaumann) [...]

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