16. März 2009 3

Kein Rückgang im Rights Managed Segment

Von Marko Radloff

bildwerk3 - bildagenturen Im Dezember 2007 hatten wir bei bildwerk3 schon einmal einen Beitrag über die Bildagentur plainpicture aus Hamburg. Schon damals war erkennbar, dass plainpicture unter den Bildagenturen einen besonderen, etwas anderen Weg geht.

plainpicture hat von Beginn an auf den Charakter der Bildsprache und die Qualität des angebotenen Bildmaterials größeren Wert gelegt, als auf die Anzahl der Bilder im Portfolio. “Exklusivität, subjektive Sichtweisen, individuelle Bildstile werden weiterhin das plainpicture-Archiv prägen.”, hieß das vor mehr als einem Jahr mit den Worten von Roman Härer. Das Konzept scheint nach wie vor zu tragen.

Seither gehört plainpicture zu meinen heimlichen Favoriten. Und für den Themenmonat Bildagenturen konnte ich Imme Tillessen – neu bei plainpicture als Senior Sales Executive – für ein kleines Interview gewinnen und habe unter anderem herausbekommen, dass für Verkäufer der Kundenwunsch wichtiger ist, als das eigene ästhetische Empfinden. Wer hätte das gedacht … aber auch, das Exklusivität durchaus eine Chance hat.

© plainpicture / Leander

© plainpicture / Leander

Marko Radloff/bildwerk3: Welche Aufgaben haben Sie als Senior Sales Executive in einer Bildagentur?
Imme Tillessen: Meine Hauptaufgabe besteht in der persönlichen Betreuung der Kunden. Hierbei liegt mein Schwerpunkt bei den redaktionellen Kunden.

Wie sind Sie in die Bildbranche gekommen? Welche Voraussetzungen haben Sie für das Bildgeschäft mitgebracht und was mussten Sie sich dagegen schwer erarbeiten?
Ich arbeite seit 1995 in der Bildagentur-Branche. Begonnen habe ich in der Verkaufsabteilung von Picture Press, der hausinternen Bildagentur von Gruner & Jahr. Voraussetzung hierfür waren das Interesse an Fotos, die Freude für und mit Kunden zu arbeiten und den Zeitschriftenmarkt sehr gut zu kennen.

Sehr wichtig für diesen Bereich sind die guten und gefestigten Kundenkontakte bzw. –beziehungen und an diesen muss kontinuierlich gearbeitet werden.

© plainpicture / Jens Haas

© plainpicture / Jens Haas

Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag für Imme Tillessen aus?
Geprägt sind die Arbeitstage natürlich vorrangig von den Gesprächen mit Kunden. Einerseits erhalten wir Anfragen zu Bildauswahlen, Angebote müssen kalkuliert, Rechnungen besprochen, Belege gesichtet und abgerechnet werden.

Andererseits – und hierin sehe ich ganz klar meinen Aufgabenschwerpunkt – ist es ganz wichtig, den redaktionellen Markt sehr gut zu kennen, die Entwicklungen bzw. das Auftreten der Zeitschriften und Zeitungen sehr genau zu beobachten, also ganz nah am Kunden zu sein, um dementsprechend unser Bildangebot platzieren zu können.

Die Kenntnis des Kunden, das Wissen um seine Bedürfnisse, um zugeschnittene Angebote erstellen zu können, sind das A und O eines Sales Executives. Ich persönlich freue mich sehr viel mehr über die Veröffentlichung eines Bildes, das ich dem Kunden angeboten habe als über ein Foto, das er sich selbst aus dem Netz heruntergeladen hat.

Allein im Microstock-Bereich gibt es nennenswerte Wachstumsraten, wohingegen der Royalty Free Markt stagniert und Rights Managed Bilder eher noch zurückgehen. Was bedeutet diese Entwicklung Ihrer Ansicht nach für Agenturen wie plainpicture?
Die Situation auf dem Bildermarkt ist tatsächlich eine Herausforderung und wird jetzt durch die Finanzkrise mit Sicherheit auch nicht einfacher. Die allgemeine Preisentwicklung für Fotografie ist ebenfalls in vielen Bereichen bedenklich – die Entwicklung der Bildhonorare war allerdings auch schon vor dem Entstehen von Microstockanbietern unter Druck. Generell kann plainpicture aber keinen Rückgang im Rights Managed Segment bestätigen.

Individualität ist in diesen Zeiten sehr wichtig, um sich von herkömmlichen Bildagenturen abzuheben. So sehen wir uns als alternative Fotoquelle mit einem unkonventionellen, authentischen Portfolio und setzen auf ein gezieltes Editing, um den Kunden ein gut sortiertes, glaubwürdiges Archiv in Abgrenzung zum Trend des Bildermarktes hin zu Masse und Austauschbarkeit anbieten zu können.

Exklusivität und gute Bildsprache werden immer wichtiger. Auf diese Weise entstehen automatisch Unterschiede bei den verschiedenen Bildanbietern und das Microstock Bildangebot wird so sicher auch nie für alle Kundengruppen relevant sein.

Für wie aussagekräftig und relevant halten Sie die vom BVPA herausgegebenen Preisempfehlungen – Bildhonorare?
Wir legen bei plainpicture eine eigene Honorarliste zugrunde. Ich denke, es ist wichtig für die Branche, dass ein übergeordneter Verband wie der BVPA Richtlinien herausgibt. Auch für den Kunden, der sich so bei der Masse an Bildanbietern einen besseren Überblick bei den Honoraren verschaffen kann.

© plainpicture / Harald Braun

© plainpicture / Harald Braun

Haben Sie den Eindruck, dass Kunden Verständnis für die Situation in einer mittelständischen Bildagentur haben und den Service nach wie vor zu schätzen wissen?
Wie bereits erwähnt, ist der Kundenkontakt sehr, sehr wichtig. Unsere Kunden schätzen den „Rund-um“ Service, die kompetente und stets freundliche Betreuung und fühlen sich bei plainpicture gut aufgehoben.

Diesen direkten Draht aufrechtzuerhalten zählt zu einer unserer wichtigsten Aufgaben. Ich habe schon den Eindruck – und der wurde mir in persönlichen Gesprächen auch bestätigt – dass die Kunden um den enormen Konkurrenzdruck unter den Agenturen wissen. Da sie aber nicht wollen, dass der Bildermarkt von einer Handvoll großer Agenturen beherrscht wird und ein visueller „Einheitsbrei“ entsteht, ist für sie ein individuelles und alternatives Bildangebot enorm wichtig. Und das kann plainpicture ihnen bieten.

Verschicken Sie noch regelmäßig Kataloge an Ihre Kunden?
Nein, wir produzieren keine klassischen Kataloge. Unser Schwerpunkt liegt im Online-Marketing, d.h. wir erstellen regelmäßige, individuell gestaltete Newsletter, Online-Galerien und Präsentationen.

Darüber hinaus produzieren wir auch spezielle Print-Mailings, wie das „plain pad“, ein Notizbuch in sehr schlichtem, reduziertem Design oder die plainpicture Mini-Magazine, 5 Zeitschriften im Pocket-Format mit Bildauswahlen zu bestimmten Themenbereichen.

© plainpicture / Jens Haas

© plainpicture / Jens Haas

Denken Sie, dass sich angesichts des übergroßen und weltweit verfügbaren Angebots an Fotografie Verkauf lediglich über den Preis stimulieren lässt? Welche Rolle spielt ein zielgerichtetes Agenturprogramm?
Klar ist die Preisgestaltung wichtig und darf zur heutigen Zeit nicht unterschätzt werden.

Jedoch haben wir einen hohen Anspruch an unsere Bildqualität und gutes hat wie in jeder Branche seinen Preis. Ich bin mir sicher, dass sich gute Fotografie auf dem Markt durchsetzen und immer eine große Rolle spielen wird. Gerade in der wachsenden Masse des Bildangebots wird das Bedürfnis der Kunden nach klarer Bildsprache und nicht überall erhältlichem Material immer größer.

Haben Sie als Senior Sales Executive Gelegenheit, bestimmte Fotografen oder eine bestimmte Bildsprache einer anderen vorzuziehen oder sind Sie ausschließlich dem Agenturprogramm verpflichtet?
Meine Auswahlen und Angebote richten sich ganz klar nach den Bedürfnissen der Kunden – und nicht nach meinem eigenen Bildergeschmack.

Natürlich habe ich meine Favoriten, diese dürfen aber in meiner täglichen Arbeit nicht zum tragen kommen. Die Anforderungen des Kunden müssen erfüllt werden und die Bildsprache passend zur Zeitschrift, Zeitung, zum Buch gestaltet sein.

Worin liegt für Sie in diesen Zeiten der Reiz, eine neue Position innerhalb der Fotobranche in einer Agentur wie plainpicture zu erfüllen?
Nach meiner 3jährigen Tätigkeit für Corbis hat es mich gereizt, für eine kleinere, stetig wachsende und in der Branche immer bekannter werdende Bildagentur zu arbeiten. Ich freue mich darauf, Neukunden zu akquirieren und ihnen unsere individuelle Bildsprache näherzubringen.

© plainpicture / Karen Zukowski

© plainpicture / Karen Zukowski

Links
plainpicture Mini-Magazine

Im Moment 3 Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Uwe Nölke sagt:

    Ich arbeite seit vielen Jahren erfolgreich mit Plainpicture zusammen und kann alles, was Imme Tillessen über die Agentur sagt, nur bestätigen. Auch das anfangs im Text verlinkte Interview mit Roman Härer widerspiegelt genau meine Erfahrungen der vergangenen Jahre mit Plainpicture. Ich bin eben aus diesen Gründen vor vielen Jahren zu Plainpicture gegangen und fühle mich mit meinem Bildstil dort sehr gut aufgehoben. Microstocks kämen für mich nie infrage.

  2. [...] Tillessen von der Agentur plainpicture hat bei Bildwerk3 ein interessantes Interview gegeben. Inhaltlich geht es zum einen um die Vorstellung der Agentur & seiner Person und zum [...]

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