Mit Storyboard und Kalender – der Stockfotograf Robert Kneschke

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bildwerk3 - bildagenturen Robert Kneschke hat alle Hinweise die man Stockfotografen für den Karrierestart geben kann beherzigt und innerhalb kurzer Zeit ein umfangreiches Portfolio angelegt – von dem er heute, wie er sagt, nicht nur lebt, sondern auch für den Ausbau seiner Ausrüstung planen kann. (www.robertkneschke.de)

bildwerk3/Marko Radloff: Du arbeitest als Stock-Fotograf und Du kannst heute davon leben. Wie hat das angefangen?
Robert Kneschke: Schon mit 15 Jahren habe ich mir meine erste Spiegelreflexkamera gekauft, damals eine Canon EOS 500 und seitdem immer gerne fotografiert. Nach zehn Jahren habe ich gedacht, dass sich das Hobby langsam mal selbst finanzieren sollte und ich habe mich getraut, Fotos von mir öffentlich fremden Menschen zu zeigen.

Ich habe Abzüge im Passepartout auf Kunstmärkten verkauft. Das lief auch, aber bei weitem nicht so gut wie erhofft. Ich fing dann an, diese Fotos – Bilder von Landschaften, Berlin und Blumen – über Internet-Bildagenturen zu verkaufen. Da habe ich gemerkt, dass Menschenaufnahmen beliebt sind und mich darauf spezialisiert.

© Robert Kneschke

© Robert Kneschke

Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag von Robert Kneschke aus?
Den Computer anmachen, Mails checken, Fotos bearbeiten, Fotos beschriften, Umsatzverwaltung machen, Models kontaktieren und Shootings planen. Je nach Termin dann auch Shootings machen, aber der Bürokram braucht die meiste Zeit.

Wie viele Bilder hast Du derzeit bei Agenturen untergebracht?
Momenten habe ich ca. 7000 Bilder in meinem Archiv, die ich grob in drei Preisgruppen aufteile und dementsprechend an die Bildagenturen liefere.

Braucht man als Stock-Fotograf eine unverwechselbare Handschrift? Weißt Du von Kunden, die in der Zwischenzeit gezielt nach Deinen Bildern bei Bildagenturen suchen?
Wenn die Handschrift am Markt gefragt ist, spricht nichts dagegen. Ich kenne einige Fotografen wie Radka Linkova oder Sebastian Niehoff, deren Fotos ich schnell erkenne. Aber auch andere Fotografen sagen beim Anschauen eines Fotos schon manchmal „Ja, das ist ein echter Kneschke“.

Ich merke bei meinen Verkäufen, dass oft ganze Serien dabei sind. Ob das am gleichen „Look“ der Bilder liegt oder die Kunden nur viele Bilder brauchen, kann ich nicht beurteilen.

Wie würdest Du Deine Handschrift als Stock-Fotograf charakterisieren?
Ich mache helle, farbenfrohe und freundliche, optimistische Bilder. Meine Models lachen oft und es ist ihnen anzusehen, dass ein Shooting bei mir Spaß macht. Diesen coolen Mode-Look mag ich nicht.

Wie bereitest Du Dich auf ein Shooting vor? Gibt es ein Storyboard das Du zielgerichtet abarbeitest?
Ja. In der Regel bespreche ich mich mit dem Model, entweder telefonisch, aber am liebsten persönlich. Wir schauen gemeinsam, welche „Rollen“ dem Model am besten liegen würden und ob es irgendwelche Hobbys oder Interessen hat, die fotografisch gut umsetzbar sind.

Darauf basierend setze ich mich hin, bestimme die groben Themenfelder wie „Business“, „Medizin“ oder „Bildung“, teile diese genauer in verschiedene Motive auf und mache eine Checkliste der benötigten Requisiten, damit beim Shooting alles vor Ort ist. In einem älteren Making-Of-Video auf YouTube von mir kann man das auch gut sehen.

Wo genau gibt es das zu sehen?
Hier: www.youtube.com/watch?v=ltpFFf59SGI

Wir wollen keine Betriebsgeheimnisse verraten und es dennoch wissen: Anteile am Umsatz durch Royalty-free, Rights-managed, Microstock?
Ca. 60-70% RF, 15-20% RM und 15-20% Microstock.

Microstock ist eine Realität und bedeutet für Fotografen in erster Linie eine andere Kalkulation. Wie stellst Du Dich darauf ein? Denkst Du, das der Anteil von Microstock am Umsatz in der nächsten Zeit zunehmen wird?
Microstock ist ein Phänomen, was sicher nicht wieder verschwinden wird. Als Fotograf hoffe ich natürlich, dass die Preissteigerungen in diesem Segment anhalten. Ich habe mich schon seit Beginn auf eine sehr knappe Kalkulation eingestellt, deswegen brauche ich mich jetzt nicht stark umzustellen.

© Robert Kneschke

© Robert Kneschke

Arbeitest Du in einem eigenen Studio?
Ja, ich habe ein kleines Studio in meiner Wohnung.

Mit welcher Ausrüstung arbeitest Du am liebsten?
Ich arbeite bevorzugt mit der Canon 5D und dem 24-105mm-Objektiv von Canon, auch wenn letzteres etwas schwer zu beherrschen ist. Dafür ist es sehr universal. Meine Bestellung für die 5D Mark II ist aber schon draußen. Ich liebe meine große 150cm-Octobox, die für das sehr weiche Licht sorgt, was auf meinen Fotos zu sehen ist.

Insgesamt sind es aber eher die kleinen Details, welche die Arbeit ungemein erleichtern. Das fängt beim zuverlässigen Funkauslöser an, geht über Einbeinstativ bis zu einem guten Monitor und einem Grafiktablett für die Bildbearbeitung.

Wenn Du überlegst, was Du für Dein Studio als nächstes anschaffen wirst, was wird das sein?
Wie gesagt, die Bestellung für die 5D Mark II ist schon aufgegeben, dazu kommt das 85mm f1.2-Objektiv von Canon. In nächster Zeit stehen Investitionen für die Video-Funktion der 5D Mark II an, das heißt wahrscheinlich vor allem gutes Dauerlicht.

Darüber hinaus versuche ich, eher mein mobiles Equipment zu verbessern, um on location flexibler zu sein. Da gehört dann ein besseres Stativ, eine gute Kameratasche und mehr Funkauslöser.

Hast Du schon einmal daran gedacht, Dein Studio auf digitales Mittelformat umzustellen?
Nein, das lohnt sich für mich nicht. Es war schon zu Negativ-Zeiten immer so, dass die Bildagenturen bei People-Aufnahmen kleinere Formate akzeptiert haben.

Digitales Mittelformat würde neben den Vorteilen der besseren Bildqualität auch Nachteile bringen. Dazu gehört der Bedarf an stärkerer Rechnerleistung und größerem Speicherplatz sowie die eingeschränktere Mobilität außerhalb des Studios.

Du hast an der FU in Berlin Politologie studiert. Gibt es Inhalte aus diesem Studium, die Dir heute nützlich sind?
Inhaltlich hilft mir das Studium beim Fotografieren wenig. Aber da politische Inhalte schnell veralten, haben wir im Studium vor allem gelernt, wie wir uns neues Wissen schnell und selbständig aneignen können. Das hilft als Freiberufler doch ganz schön.

Du lebst und arbeitest in Köln. Spielt der Wohnort für Stock-Fotografen eine Rolle? Was hat Köln, was andere Städte nicht haben?
Wichtig ist vor allem, dass es am Wohnort einen schnellen DSL-Anschluss gibt und viele Menschen da sind, die als Models arbeiten können. Diese Voraussetzungen erfüllen eigentlich alle deutschen Großstädte. In Köln wohnen viele Studenten, was das Kulturangebot ganz attraktiv macht.

Auch ist Köln eine kreative und eine Medienstadt, sodass sich auch aus anderen Richtungen Zusammenarbeiten ergeben können, z.B. mit Mode-Designern. Aber da sind Berlin und Hamburg fast noch besser aufgestellt. Dafür ist Köln die Stadt, in der auch die Photokina stattfindet. Für Berufsfotografen ein Pflichttermin.

Stock-Fotografen brauchen einen Plan. Wie sieht Dein Plan für die nächste Zeit aus?
Ich werde mich vermehrt mit Stock-Videos befassen, mehr Männer- und Senioren-Models suchen und mehr „on location“ fotografieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

© Robert Kneschke

© Robert Kneschke

Weitere Informationen
bei ‚Fotografie Studium‘: Beruf Fotoproduzent
und im Blog von Robert Kneschke: Alltag eines Fotoproduzenten

Veröffentlicht von Marko Radloff

Marko Radloff ist Gründer und Herausgeber von Bildwerk3. Bei Bildwerk3 Fotoarbeiten zeigen? Submission! Über Marko Radloff: XING Bildwerk3 unterstützen? Über diesen Link einkaufen.

3 Kommentare

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