Schnell ein paar tausend Euro verdienen – mit Fotografie absahnen
Wer immer noch nicht weiß, was Microstock sind – kein Casting für Kleinwüchsige sondern Fotografie in ganzer Breite und Vielfalt – dem sei der Beitrag von Thomas Cloer, der soeben auf computerwoche.de erschienen ist als Lektüre zur Einstimmung empfohlen: alles wird gut – und auch der Feierabend-Fotograf kann mitverdienen. Vielleicht gerade der, denn der hat den Trend schneller erkannt als mancher Profi.
Und der Trend lautet nicht ein Bild teuer sondern möglichst viele Bilder für wenig Geld zu verkaufen. Dafür dann aber möglichst oft. Das diese Rechnung aufgeht, beweisen manche Fotografen-Karrieren, die sich nur auf dieses Modell stützen. “Wer mehrere hundert Fotos im Umlauf hat, kann im Monat schnell ein paar tausend Euro verdienen oder sich zumindest seine Fotoausrüstung oder den nächsten Fotourlaub in Bali finanzieren.” Mit diesem Satz faßt Cloer die Chancen der Mikrostock-Entwicklung für Fotografen einleitend zusammen.
Das das nicht von der Hand zu weisen ist, soll Arne Trautmann als Microstock-Karrierist belegen. Trautmann, der 35jährige Anwalt aus München arbeitet seit knapp zwei Jahren als Bildlieferant für Shutterstock und ‘verdient’ in der Zwischenzeit und in Spitzenzeiten 3.500 Euro monatlich – abzüglich der Kosten für Modelle, Requisiten etc. weswegen man strengenommen auch nicht von ‘Verdienst’ sprechen kann, sondern allerhöchstens von Einnahmen oder von Umsatz. Zieht man dann noch Steuern ab – Umsatzsteuer und Einkommenssteuer – beibt von 3.500 Euro nicht allzuviel übrig.
Dennoch kann Microstock für manche Fotografen-Naturen die richtige Business-Wahl sein. Die Vorteile sind offensichtlich: jeder Microstock-Fotograf kann entsprechend seinen Neigungen und Ambitionen sein spezielles Themengebiet beackern und sich ein Portfolio aufbauen, das im Grunde genommen Tag und Nacht und dazu weltweit zum Verkauf steht. Ferner bleibt einem der lästige Kundenkontakt erspart; über Erfolg und Mißerfolg entscheiden lediglich steigende bzw. sinkende Verkaufszahlen – jederzeit abrufbar.
Die folgende, stimmungsvolle Familien-Aufnahme, die ich eben mal schnell bei istock.com gekauft habe und die mir seit Jahren immer wieder begegnet, wurde am 21. Juli 2006 in das Portal eingestellt und bis heute 3.357 mal heruntergeladen. Das bedeutet, fünfzig Prozent gehen an die Agentur (grob geschätzt und nicht geprüft), Umrechnungskurs $/Euro ca. 1.200 Euro für dieses eine Foto – vorausgesetzt, dass lediglich die kleine Auflösung heruntergeladen wurde – bloss 425 Pixel breit. (Wir wissen alle, dass man damit allerhöchstens eine Briefmarke bedrucken oder eine halbe Webseite füllen kann.) Das Foto:

Quelle: istock.com – 3357 mal verkauft
Die Nachteile einer solchen Karriere will ich an dieser Stelle auch wenigstens einmal andenken – vielleicht fallen euch noch mehr ein: Garantiert wird man sich als Mikrostock-Fotograf keinen Namen machen, man wird nicht in den großen Magazinen auftauchen und wahrscheinlich nie in einem Museum hängen, man ist Produzent von Gebrauchsware und aufgrund der Kundenferne macht man ganz sicher niemandem persönlich eine Freude.

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Lieber Marko:
Ich kann zu Deinem Artikel ein paar Zahlen hinzufügen, die einem besseren Verständnis dienen sollten.
Istock zahlt jetzt, nach eigenen Meldungen, 1,1 Millionen Dollar an Fotografen -pro Woche. Im letzten Jahr waren es Bildhonorare von 43 Mio Dollar. durchschnittlich 850.000 $/Woche.
Exklusive iStock-Fotografen bekommen 40 %, nichtexklusive 20 % der Verkäufe ihrer Fotos. Circa 60.000 Fotografen beliefern iStock zur Zeit (SellingStock.com). Und der Preis für ein Bild ist nicht niedrig, ein Foto in mittlerer Auflösung kann € 8 kosten. Genaueres findet man unter http://deutsch.istockphoto.com/buy-stock-credits-pay-as-you-go.php
Zwanzig Prozent bei nichtexklusiven Verkäufen finde ich wenig!
hier die besten Informationen vom erfolgreichsten microstock-Fotografen: http://www.arcurs.com/microstock-agencies-an-overview-for-beginners
Angesicht des Titels dachte ich schon Du wärst jetzt unter die Spammer gegangen.
Sich mit Microstock-Fotografie also eine goldene Nase verdienen. Urlaub finanzieren. Oder eine neue Fotoausrüstung. Naja, die paar Kröten für eine Wegwerfkamera könnten ja tatsächlich zusammenkommen.
Wer immer noch diesen Traum träumt, der soll sich mal Spaßes halber bei iStockPhoto anmelden und seine ersten drei Fotos durch die Image Inspektoren durchbekommen. Da lernt man ganz schnell welcher Wind im Microstockmarkt weht.
Wer in Mikrostock gut Geld verdient mag ein guter Fotograf ein, aber ganz bestimmt ein exzellenter Geschäftsmann mit einem sehr hohen Maß an Kundenorientierung. Anerkennenswert, aber selten.
@Uwe Mayer:
Ja, Titel in Beiträgen und Blogs sind eine wunderbare Sache um Aufmerksamkeit heranzuziehen. Nein, spammen werden wir hier nicht … eher machen wir dicht!
Zur Microstock-Fotografie: Ganz Deiner Meinung! Ist wirklich nicht jedermans Sache. Aber man lernt verstehen, wie es auch laufen kann und was mir in diesem Zusammenhang noch wichtig ist zu sagen: wer Geschäftssinn, aber auch Ausdauer und Beharrlichkeit mitbringt kann dort erfolgreich sein. Wobei Beharrlichkeit tatsächlich die kontinuierliche Pflege und Beobachtung des Portfolios meint – nicht nur über Monate, sondern über Jahre.
..es ist ganz sicher so, daß nur wenige Voll-Profis sehr viel Geld damit verdienen können. Googelt doch mal nach Ron Chapple. Den meisten anderen, den vielen tausenden Amateuren ,ist es doch wurscht, die freuen sich, wenn ihr Bild mal gedruckt wird, und sie ein paar Kröten verdienen.
Über das knallharte editing bei iStock wissen die meisten nichts- da finden nur die besten einen Platz. B-Ware ist nicht mehr gefragt- dafür gibt es höhere Honorare.
wer so fotografiert verdient sicher sehr viel Geld – das ist auch nur mit großem knowhow, großem Aufwand und viel Geld zu erreichen
http://www.arcurs.com/portfolio/?cat=9
Kuckt Euch mal die Themen an, die hier produziert wurden. Das sind die, mit denen man großen Umsatz machen kann. Warum? s.o.
Bin hauptberufliche Fotografin und habe für Marktforschungszwecke Testportfolios von etwa 200 Bilder bei einem halben Dutzend Microstock-Agenturen.
Mein Fazit nach 24 Monaten: Für eine Profifotografin in einem Hochlohnland wie Deutschland lohnt sich Microstock definitiv nicht. Wenn man Kosten und Umsätze ehrlich miteinander verrechnet, dann ist Microstock ein Zuschussgeschäft.
In vielen Foren liest man Erfolgsstories, die von tollen Umsätzen berichten. Die meisten Microstocker scheinen aber nicht einmal den Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn zu kennen und vergessen selbst so naheliegende Dinge wie den Zeitaufwand für Bildbearbeitung und Verschlagwortung bei Ihren Berechnungen.
Wenn man überhaupt mit Microstock Gewinne machen kann (wenn ich mich recht erinnere, dann behaupten sowohl Yuri Arcurs als auch Ron Chapple, dass sie bis heute noch nichts verdient haben), dann indem man eine billige „Bilderfabrik“ in Osteuropa oder Indien aufzieht.
Für mich wäre das allerdings nichts. Dann suche ich mir lieber gleich einen McJob und fotografiere nur noch zum Spass.
Nun ja aber man sollte ja schon zusehen, dass man ein wenig Geld was man zuvor für die Ausrüstung ausgegeben hat irgendwie wieder rein bekommt! Sicherlich sollte der Spaß im Vordergrund stehen, doch ich finde jeder sollte es mal ausprobiren!
Hier ist eine site, auf der man einiges über professionelle Fotografie im Stock-Business finden kann
http://blogs.photopreneur.com/
Mal ankucken!
Was hier noch gar nicht richtig diskutiert wurde: Macht Microstock nicht auch irgendwo den Profis das Leben schwer und schmälter ihre Einkünfte? Denn wenn Agenturen und Unternehmen lieber Geld sparen und Bilder von Feierabendfotografen für kleines Geld im Microstock kaufen, als Geld für nen Profi auszugeben, wäre das nicht von der Hand zu weisen.
Ich persönlich glaube trotzdem: Auch Qualität setzt sich weiterhin durch und viele Kunden erkennen, dass sie nur mit Stockbildern nicht immer eine eine befriedigende Optik bekommen. Daher die Prognose: Microstock und die breite Masse der dortigen Halbamateure setzt sich durch, aber ebenso die richtig hochklassigen Profis für Auftragsfotografie. Was wegfällt sind die nur mittelguten und nicht ganz so etablierten Profifotografen – für die wird zwischen Microstock und besseren Profi-Kollegen kein Platz mehr bleiben.
Das ist aber alles nur die Idee und These. Was meint ihr denn?
Lieber Timo: Ja, es bleibt noch Platz für die anderen Fotografen. denn mit Microstock werden bisher nicht die wichtigen Veröffentlichungen in Magazinen und in der Werbung bedient. Diese Nutzer brauchen Sicherheit: Sie kaufen eine Bildlizenz und wollen bei Bedarf dieses Bild sperren lassen, damit kein Konkurrent es auch drucken kann.
Was die Qualität der Bilder angeht – da gibt es oft kaum noch Unterschiede. Alles fängt immer schlecht oder mittelmäßig an – und wandelt sich im Laufe der Zeit zu guter oder sehr guter Qualität. Bei Royalty Free kann man das nachverfolgen, wie sich das im Laufe der letzten 10 Jahre verändert hat. Bei Microstock geht es sogar noch schneller. Wenn man sich die Yuri-Arurs-Site mal genau ansieht, dann merkt man schnell mit welchem Aufwand dort produziert wird – wer kann das machen? Grantiert kein Durchschnittsfotograf, denn da muß man viel Geld hinlegen.
Und ja, die Mitte wird wegbrechen, so ist es leider. Der Konkurrenzdruck wird weiter zunehmen und härter werden.
Ich kann die Mikrostock-Entwicklung der letzten vielleicht zwei bis drei Jahre auch aus der Sicht einer Agentur, die auf Bildmaterial angewiesen ist recht gut verfolgen. Microstockagenturen sind im Grunde in eine Lücke vorgestoßen, die bisher von niemandem so richtig in diesem Umfang bedient werden konnte: nichtexklusives Bildmaterial in geeigneter Auswahl, portioniert und abgerechnet für bestimmte Anwendungsgebiete.
Soweit ich mich erinnern kann, gab es am Anfang bei istock nur drei Preismodelle für Images, heute sind es, abhängig vom Material, welches der Fotograf zur Verfügung stellen kann, bis zu sieben – XXXLarge für 28 Credits. Wenn ich heute ein Foto kaufen möchte, das übliche Browserbreiten ausfüllt – Headerbilder für Weblayouts – muss ich schon 3, statt der früher üblichen 1 ‘Credit’ bezahlen. Für einen ‘Credit’ bekomme ich heute nur noch Fotos, die sich für Spalten in einem Weblayout eignen.
Auch wenn das immer noch Preise – wohlgemerkt für die einmalige Verwendung des Bildes – jenseits der Herstellungskosten sind, ist dies für Fotografen eine zuversichtliche und vor allem berechenbare Entwicklung. Am Ende wird es so etwas wie eine Demokratisierung des Preises und der Bildauswahl geben.
Was KP sagt verstehe ich so: Nicht die Fotografen werden in erster Linie unter dieser Entwicklung zu leiden haben, sondern die mittelständischen Bildagenturen. Diese Kultur der Umsorgung von Fotografen hat aller Voraussicht nach durch digitale Fotografie und durch Internet seine Berechtigung verloren. Aus dieser Sicht befinden wir uns mitten in einem Epochenwechsel.
Hi KP, hi Marko, danke für die ausführlichen Antworten – alles sehr interessante Infos.
Schönes Wochenende
Ich habe mich zugegebenermaßen noch nicht wirklich mit dem Thema Microstock-Fotografie auseinandergesetzt, geschweige denn irgendwo bereits Fotos hochgeladen, aber dennoch halte ich die Entwicklung (zumindest aus Profifotografensicht – der ich nicht bin) für äußerst bedenklich.
Natürlich wird es der eine oder andere es schaffen und von diesen Einzelfällen werden die Hobbyfotografen (zu denen ich mich zähle) lesen und dann denken, oh wunder wie viel und wie einfach sich damit Geld verdienen läßt…
Ich hoffe nur das die Finanzämter diesen Markt im Auge behalten.
Da können sie mehr Geld nachfordend als bei jedem normalem Markt. Die wenigsten hobbyfotografen werden ihre Einkünfte versteuern oder Sozialabgaben abführen.
Aber aus guten Kreisen bekannt, ist man auch da schon am kucken, wie bei ebay.
@Micha Offen gestanden: komische Sorge in diesem Zusammenhang. Wäre jetzt nicht mein erster Gedanke: die Versteuerung von Einkünften aus Microstock?
Aber doch, ein bißchen weiß ich was Du meinst und woher dieser Wind weht: Fotografen, die von ihrer Arbeit leben schreiben Rechnungen, sammeln Belege, beschäftigen Steuerberater und versteuern ganz selbstverständlich ihre Einkünfte. Das werden die meisten Microstocker erstmal nicht brauchen, da sich nennenswerte Einkünfte für die meisten wohl erst langsam entwickeln.
Muss man volljährig sein um Fotos zu verkaufen?