9. Dezember 2008 M.R. 0

Daniela Risch – als Fotografin in Berlin und Essen

Die Fotografien von Daniela Risch sind mir wegen ihrer leisen Intensität sofort im Gedächtnis geblieben – und selbst wenn die Fotografin im Interview prägenden Einfluss durch fotografische Vorbilder ausschließt, befindet sie sich mit ihrer Sichtweise doch in der Richtung zeitgenössischer fotografischer Positionen. Risch hat an der fas – Fotoschule am Schiffbauerdamm, an der Ostkreuzschule für Fotografie Berlin bei Prof. Ute Mahler und an der Kunsthochschule für Medien Köln Fotografie studiert. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin und in Essen.

Über diesen Spagat zwischen Metropole und Provinz und auch über das Studium an der Ostkreuzschule für Fotografie habe ich mit Daniela Risch gesprochen. Und natürlich über andere Sachen auch noch …

© Daniela Risch

© Daniela Risch

bildwerk3/Marko Radloff: Sie leben und arbeiten in Essen und in Berlin. Wenn Sie beide Städte miteinander vergleichen: Welche Stadt hat den größeren Charme, wo sind Sie zuhause und welche Stadt ist für Sie als Künstlerin und Fotografin die wichtigere?
Daniela Risch: Ich bin so oft wie möglich in Berlin um Leute zu treffen und an dem Lebensgefühl dort aufzutanken. Mit einigen Unterbrechungen habe ich fast mein ganzes Leben dort verbracht. Das verbindet und hat mich wohl dafür verdorben, das Leben in kleineren Städten schätzen zu können.

Dass ich zur Zeit in Essen lebe, hat mit dem bekannten Problem zu tun, dass sich in Berlin für Kulturschaffende nur schwer der Lebensunterhalt für eine Familie verdienen lässt.

Der Konflikt, an einem Ort zu leben, an dem die Bewohner definitiv andere Prioritäten und Vorstellungen vom Alltag haben als ich, drängt mich geradezu dazu, an diesem Thema zu arbeiten. Zumal ich mich mit Kindern nicht ruhigen Gewissens völlig aus der Gemeinschaft ausklinken kann. Wenn meine Lebensumstände perfekt wären, wäre das wahrscheinlich nicht so produktiv für mich.

© Daniela Risch

© Daniela Risch

Sie haben an der Ostkreuzschule in Berlin Fotografie studiert. Wie ist das Klima an der Schule und was hätten Sie in der Rückschau auf die Studienjahre gern noch einmal und diesmal anders gemacht.
Nach drei Jahren Studium hatte ich für mich das Gefühl noch nicht fertig sein zu können. Ich will noch so viel mehr lernen. Darum bin ich mit meinem Umzug nach NRW an die Kunsthochschule für Medien Köln gegangen.

Das Studium an der Ostkreuzschule hat mir ermöglicht, dort in Köln als Postgraduierte mit Studenten einzusteigen, die bereits einen Abschluss an einer Kunsthochschule haben. Ich konnte also gleich mit spannenden Projekten starten, ohne mich durch die Scheine im Grundstudium arbeiten zu müssen.
Für einige Monate habe ich so in Köln und Berlin parallel studiert.

Sehr schnell merkte ich, wie sehr ich die Seminare an der Ostkreuzschule schätze. Die Lehrer hinterfragen die Arbeiten sowohl künstlerisch als auch inhaltlich sehr genau. Das macht es möglich in den verschiedensten fotografischen Richtungen Unterstützung für seine persönliche Entwicklung zu bekommen.

Die Gespräche in den Seminaren finden in einer überschaubaren, persönlichen Runde statt, in der das Vertrauen für ernste Auseinandersetzungen vorhanden ist. Dabei konnte eine Vielzahl von sehr autonomen Arbeiten entstehen.

Sie arbeiten auch mit bewegten Bildern. Wie wirkt das Filmische, im Gegensatz zum Fotografischen auf unsere Wahrnehmung? Oder auch: Was hat der Film, was das Foto nicht hat?
Bei einem Film habe ich die Möglichkeit an einem Thema zu arbeiten, das für meine fotografische Arbeit nicht mehr greifbar ist.

Für meine Fotos habe ich eine Mischung aus Realität und Inszenierung entdeckt. Ich brauche also immer ein Stück abbildbare Realität die mir hilft mein Bild entstehen zu lassen.

Beim Film, insbesondere mit der Animation, kann ich Szenen aus den verschiedensten Materialien ganz frei konstruieren und in der Gesamtheit mit der Bewegung und dem Ton Dinge erzählen, für die ich keine Einzelbilder finde.

© Daniela Risch

© Daniela Risch

Haben Sie Vorbilder?
Vor der Fotografie habe ich mich schon mit verschiedenen anderen Dingen beschäftigt und hatte immer mindestens ein absolutes Vorbild. Ich habe es aber nie geschafft zu entdecken, wo mein Beitrag liegt, den ich wichtig fände noch beizusteuern.

In der Fotografie gibt es einzelne Arbeiten die ich bewundere, aber es mündet nie in absolute Vorbilder. Und ich glaube, man erkennt in meinen Fotos gar keine Parallelen zu den Fotografen, die mir besonders wichtig sind.

Mit welcher Ausrüstung arbeiten sie am liebsten?
Welche Vorgehensweise bevorzugen Sie beim Finishing?

Je nach Situation bin ich mit meiner Nikon Kleinbildkamera unterwegs oder mit meiner Mamiya7. Die ist trotz Mittelformat so handlich, dass ich kein Stativ brauche.

Für Ausstellungen nehme ich mir immer die Zeit selbst in der Dunkelkammer meine Fotos genau so abzuziehen, wie ich sie haben möchte. Und für Animationsfilme schätze ich Digitalkameras ungemein.

© Daniela Risch

© Daniela Risch

Woran arbeiten Sie gerade?
In der Fotografie beschäftige ich mich gerade mit meinem Blick auf den Ausschnitt Ruhrgebiet den ich erlebe. Also sehr subjektiv und doch wieder auch allgemeingültig für das Dasein in kleinstädtischen Strukturen.

Und es gibt natürlich auch bald einen neuen Kurzfilm. Es geht um ein Gedicht von Elisabeth Bishop.

Bleiben Sie Fotografin?
Da bin ich mir sicher. Der technische und organisatorische Aufwand beim Film und die Zusammenarbeit im größeren Team sind für mich, die ich so gern allein nach meinen Bildern suche, immer eine echte Herausforderung. Und eigentlich sind meine Filme hauptsächlich weitergedachte Bilder.

© Daniela Risch

© Daniela Risch

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