Fotokunst ist schön, spannend und sexy – da geht was
Handsigniert, limitiert, exklusiv: bei ‘SILENTPARK, fotokunst. jetzt.‘ bekommt man Fotografie. SILENTPARK ist wahrscheinlich die spannendste Neugründung für den Kunstmarkt in Sachen Fotografie in diesem Jahr. Gleich von Beginn an haben die Gründer Marc Peters und Oliver Wünsche auf den Online-Verkauf ihrer Editionen gesetzt. Die Online-Galerie bietet zeitgemäßen Komfort und ist angenehm übersichtlich layoutet. SILENTPARK hat ein paar spannende Fotografen verpflichten können, unter anderem Kai Senf, Epson art photo award 2007-2008 oder auch Steffen Roth, Canon Profifoto Förderpreis 2008.
Seit kurzem gibt es auch einen Showroom in Hamburg, in der Hallerstraße 5 d-e. Ziel sind weitere Niederlassungen – nach Möglichkeit auch in Berlin.
Ich habe mit Oliver Wünsche über die Lust zu beginnen, über die knappe Ressource Fotografie, über Rechte und Pflichten von Fotografen bei SILENTPARK und einiges mehr gesprochen …

Anemone Färber, Motiv “Rück-Blick”, 2008, 120 x 120 cm Eine vielverpsrechende Diplomarbeit an der HBK Braunschweig © Anemone Färber
bildwerk3/Marko Radloff: Was kann ich bei Ihnen kaufen?
Oliver Wünsche/SILENTPARK: Hochwertige Kunst der Fotografie von Künstlern mit großem Potenzial.
SILENTPARK ist eine verhältnismäßig neue Galerie-Plattform für zeitgenössische und junge Fotografie. Wie wurde die Idee zu SILENTPARK geboren?
Ganz klar, eine Lustentscheidung. Aus dem Bauch heraus, ohne große Analysen und Recherchen. Nach über 10 Jahren in der Wirtschaft, in mehr oder weniger strukturierten Unternehmen, haben wir uns gesagt: “ Fotokunst ist schön, spannend und sexy – da geht was.”
Von der Planung bis zur Umsetzung waren Sie wie schnell?
Die ersten Ideen und Vorgespräche haben wir Anfang des Jahres geführt. Richtig losgelegt haben wir Anfang Mai. Ende Juli sind wir mit unserer Online-Plattform live gegangen.
Nach Ihrer kurzen und intensiven Startphase: Was raten Sie anderen Startern?
Nicht nach links oder rechts schauen. Macht euer Ding und lasst euch nicht von vermeintlichen Fachleuten aus der Kunstszene reinreden.

Kai Senf, Motiv “Schrank”, 2007, 120 x 90 cm Ausgezeichnet mit dem Epson art photo award 2007-2008 © Kai Senf
Wer gab die Mittel für die Startphase? Arbeiten Sie mit Partnern, Sponsoren oder anderen Geldgebern?
SILENTPARK finanzieren wir bis heute aus eigenen Mitteln. Externe Geldgeber für unser Konzept zu gewinnen, ist eher schwierig.
Der Name ‚SILENTPARK’ nimmt Bezug auf … was?
Auf alles, was Fotokunst ausmacht
International – Großes Feld – Entdecken. Und: Ruhe! Fotos sind still. Erst beim längeren Betrachten fängt jedes Bild an, eine Geschichte zu erzählen.
Wie entdecken und gewinnen Sie junge, noch unbekannte Fotografen?
Hier nutzen wir alle Möglichkeiten: Werkschauen der Universitäten, Wettbewerbe, Magazine, Portofoliosichtungen – you name it. Am wichtigsten sind jedoch persönliche Kontakte. Denn unsere Branche lebt von persönlichen Kontakten. Und damit meine ich nicht: „Ich kenne jemanden, der jemanden kennt. Sondern ich kenne jemanden, der mir vertraut…“ – Vertrauen ist sehr wichtig.

Peter Jacoby, Motiv “Florama #4”, 2008, 53 x 80 cm Und auch das Dekorative kommt nicht zu kurz © Peter Jacoby
Als Fotograf unterschreibe ich einen Galerievertrag? Mit welchen Pflichten und auch mit welchen Möglichkeiten und Chancen?
Die Möglichkeit der unendlichen Reproduktion einer Fotografie ist eine der großen Schwächen der Fotografie in der Kunst. Daher haben wir unseren Vertrag auf Exklusivität und Formattreue ausgelegt. Unser Vertrag bezieht sich auf einzelne Fotowerke und sichert die 100%-ige Exklusivität der Werke. Unsere Fotografen verpflichten sich, diese Werke niemals für den Kunstmarkt anderweitig zum Kauf anzubieten. Ziemlich strikt. Aber konsequent und langfristig gedacht. Die Chance für unsere Künstler besteht eben in dieser Exklusivität.
Junge Fotografie erzielt früh Aufmerksamkeit – besonders wenn junge Fotografen bereits Preise gewonnen oder erste Ausstellungen realisiert haben. Gibt es in der Branche mittlerweile ‚Headhunting’ um die besten Nachwuchsfotografen?
Auf jeden Fall! Das Headhunting ist vielleicht nicht so gut organisiert, wie in der Wirtschaft, aber genauso effektiv. Die vielversprechenden Talente werden schon weit vor dem Diplom von Galeristen umworben. Oft zum Leidwesen der Professoren, die ihre Studenten studieren sehen wollen.
Haben Sie einmal daran gedacht, ihren Handel mit Fotografie auf den Handel mit Bildrechten auszuweiten?
Wenn wir unser Geschäft genau nehmen, dann handeln wir ja mit Bildrechten. Nur eben in einer sehr limitierten Form. Aber um die Frage zu beantworten: Nein, der Handel mit Fotokunst und der Handel mit Bildrechten für kommerzielle Zwecke schließt sich aus.

Steffen Roth, Motiv “Bergamo”, 2006, 120 x 120 cm Ausgezeichnet mit dem Canon Profifoto Förderpreis 2008 © Steffen Roth
Sie realisieren Ihre Werke vorzugsweise als LAMBDA-Prints. (Zum Verständnis LAMBDA-Geräte: lasergestützte Großformat-Ausgabegeräte zur hochauflösenden Belichtung von Bildern auf photosensitiven Rollenmaterialien) Wo werden die Abzüge gemacht? Und, sind Tintenstrahl-Großformatdrucke nicht mittlerweile eine preiswertere, qualitativ ebenso interessante Alternative?
Wir arbeiten mit Alstercolor aus Hamburg zusammen, die einen exzellenten Job machen. Die Tintenstrahl/Ink-Jet-Diskussion haben wir intensiv geführt. Preis, Qualität – alles keine Frage. Jedoch ist und bleibt eine Lambda Belichtung eine echte Fotobelichtung. Ein Tintenstrahldruck ist eben nur ein Druck. Oder noch extremer gesagt: „Einen Tintenstrahldruck kann heute jeder zu Hause machen.“ In diesem Punkt sind wir konservativ aber nicht festgelegt.
Seit kurzem gibt es einen Showroom in der Hallerstraße in Hamburg, in dem bis zum 30.12.2008 Fotografien aus Ihrem Angebot zeitgenössischer Fotografie zu sehen sind. Sie planen Ausstellungsräume in Berlin und in Hamburg. Wie realistisch ist diese Zielsetzung für 2009?
Einen weiteren Raum werden wir in jedem Fall eröffnen. Berlin reizt uns am meisten. Aber wer weiß, vielleicht geben wir ja auch einer ganz anderen Stadt den Vorzug und eröffnen in Münster oder Hannover.
Was hat der reale Ausstellungsraum, was der virtuelle nicht hat?
Andersherum: Der virtuelle bietet das ganze Portfolio. Der reale bietet das
Erlebbare, das Direkte, Unmittelbare.
SILENTPARK in fünf Jahren?
Puhh, soweit können wir gerade nicht denken

SILENTPARK Showroom in Hamburg


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Lambda-Prints sind aus Unkenntnis mehr gefragt am Kunstmarkt. Inkjetprints mit der richtigen Tinten-/Papierkombination bieten zur Zeit die bessere “Haltbarkeit”. Dazu ganz interessant sind die Untersuchungen von Image Engineering in Frechen:
http://digitalkamera.image-engineering.de/index.php/Publications/Articles
Und ob das Bild jetzt mit der Technik von Durst ausbelichtet und in RA-4 Chemie entwickelt oder von HP aufs Papier gesprüht wird ist letztendlich egal, denn am Ende ist das Bild der entscheidende Faktor.
Nachtrag – Hier ist der Link mit dem Vergleich der Bildstabilität verschiedener Medien:
http://image-engineering.de/papers/index.php
@Thomas: Das deckt sich eigentlich auch mit unseren Erfahrungen. Inkjetprints haben in den letzten Jahren stark zugelegt hinsichtlich Beständigkeit und Abbildungsvermögen.
Außerdem glaube ich, dass sich durch Druck auf Dauer kontinuierlichere Ergebnisse erziehlen lassen.