PHOTONEWS Doppelausgabe: Das Kuriose ist das andere

Die Zeitschrift PHOTONEWS erscheint zehn mal im Jahr in Hamburg und ist eine der ambitioniertesten Publikationen. Im Sommer und zum Jahreswechsel gibt es eine Doppelausgabe. Die nächste PHOTONEWS erscheint am 27.01.2009

Heft von vorn oder Heft von hinten beginnen? Nicht selten stehen die langweiligeren Texte gleich am Anfang. Messen und Ausstellungen, die wichtig (!) sind, die man aber nicht besucht hat oder Kongresse, deren Themen lediglich wenigen Eingeweihten zugänglich sind. Ich beginne vorn, denn dieses Heft – wie manches andere eben auch – wird zum Ende immer besser. Bis fast am Schluss ein kleine Sensation passiert …

Die Zeitschrift PHOTONEWS erscheint zehn mal im Jahr in Hamburg und ist eine der ambitioniertesten Publikationen. Im Sommer und zum Jahreswechsel gibt es eine Doppelausgabe. Die nächste PHOTONEWS erscheint am 27.01.2009

Die Zeitschrift PHOTONEWS erscheint zehn mal im Jahr in Hamburg und ist eine der ambitioniertesten Publikationen für Fotografie. Im Sommer und zum Jahreswechsel erscheint regelmäßig eine Doppelausgabe. Die nächste PHOTONEWS wird am 27.01.2009 erscheinen.

Malen mit Licht oder Reflektion der Wahrheit? Was ist Fotografie? Dieser Frage, die wohl eine der unbeantworteten Fragen bleiben wird, gehen Dennis Brudna und Anna Gripp in ihrem Beitrag über die 12. Fotokunstmesse ‘Paris Photo’ nach – im ersten Beitrag im aktuellen Heft. Wie immer kann so ein Bericht das Dabeisein nicht ersetzen. Schwerpunkt der diesjährigen ‘Paris Photo’ war die japanische Fotografie. Für alle Daheimgebliebenen haben D.B. und A.G. den klugen Hinweis auf die unterschiedlichen Ursprünge des Wortes Fotografie mitgebracht: im griechischen ‘phos’-Licht und ‘graphein’-zeichnen, im japanischen dagegen ‘sha’-reflektieren und ‘shin’-Wahrheit.

Christoph Schaden beschreibt den Jubiläumskongress des ESHPh als ‘facettenreiches Patchwork’ zur Geschichte der Fotografie und weißt auf die Festschrift hin, die auf 528 Seiten 44 wissenschaftliche Arbeiten sowie umfangreiches Bildmaterial liefert. Wie auf der Veranstaltung – die in Wien stattfand – ist auch die Festschrift in englischer Sprache verfasst. Die ESHPh ist die ‘European Society for the Histroy of Photography’. Lohnend auch ein Blick in die Vortrags-Liste, die das Spektrum der Veranstaltung und das Gewicht der ESHPh in fotografisch-historischen Dingen ganz gut wiedergibt.

Reinhard Matz hat für PHOTONEWS den Europäischen Monat der Fotografie in Berlin besucht – und da mir Berlin näher liegt als Wien und Paris, der erste Beitrag im aktuellen Heft, in dem ich mich so richtig wohl fühle. Berlin! Berlin und Fotografie! Matz unternimmt einen wachen Sparziergang durch die Metropole, wobei seine Auswahl von der Nähe zum unmittelbaren Wohnort motiviert wird. Matz schaut bei Camera Work vorbei, im Institut Francais, bei Lumas in der Fasanenstraße und sieht Bilder von Roswitha Hecke bei Anna Augstein, ebenfalls in der Fasanenstraße und einige Dinge mehr – im Westteil der Stadt. Sein Vorschlag für alle Berlin Besucher in Sachen Fotografie: ‘Lassen Sie sich treiben und überraschen. Und kaufen Sie Bilder …’

Lust auf den Katalog beziehungsweise auf die Austellung macht Kerstin Stemmel mit ihrem Beitrag über ‘Street and Studio’, einer Ausstellung im Museum Folkwang in Essen – noch bis zum 11. Januar 2009. Konzipiert als ‘urbane Geschichte der Fotografie‘ werden Bilder gezeigt, in denen Straßenfotografie und Studioaufnahmen ihrem Wesen nach zusammenfließen. Beispielhaft seien hier Wolfgang Tillmans‘ Fotografien aus der Londoner U-Bahn.

Sehenswert und mit viel Fleiß fotografiert, die Aufnahmen von Jan Banning, die in einer Zusammenarbeit mit dem Journalisten Will Tinnemans über funf Jahre in den Amtsstuben dieser Welt entstanden sind. Das Projekt “Bureaucratics” umfasst 250 Beamten-Portraits, von denen fünf Beispiele in der aktuellen Ausgabe von PHOTONEWS abgedruckt sind. Eine Auswahl ist derzeit auch in der Berliner Cicero Galerie zu sehen. Zitat Banning: “Basissymbol der Staatsmacht sind ein Tisch und ein Stuhl. Der Tisch dient auch als Barriere zwischen Funktionär und Bürger. Dort sitzt die Regel, die Ausnahme kommt zur Tür herein.”

Peter Piller? Die interessanteste Neuentdeckung aus diesem Heft. Piller ist ambitionierter Sammler fotografischer Fundstücke und Professor für Fotografie in Leipzig. Ein Ausnahmetalent mit einer – für Fotografen – Ausnahmevita. Piller selbst bezeichnet sich als Amateurfotograf. Was angesichts seiner Professur bescheiden und merkwürdig zugleich ist. Piller verweigert sich handwerklicher Könnerschaft ebenso, wie den perfekten Bildern, die Agenturen heutzutage liefern. Solche Bilder findet der Professor aus Leipzig grauenhaft standardisiert und hohl im Aussagewert. Was dann? “Man muss etwas entdecken, das sonst übersehen wird, etwas in einen völlig neuen Kontext stellen.” Das Kuriose ist eben das andere. Bei Peter Piller klingt das sehr sehr glaubwürdig und in dem äußerst lesenswerten Beitrag von Torsten Scheid erfährt man warum.

Und jetzt passierts! Zuvor noch Klaus Plaumanns Einschätzung zu Lage auf dem Bildermarkt und dann, in einem Leserbrief (!) Rolf Nobel – Professor an der Fachhochschule Hannover, Studienrichtung Fotojournalismus (hier einmal bei bildwerk3 im Gespräch) – reagiert auf ein Interview aus der letzten Ausgabe von PHOTONEWS, das Anna Gripp mit der Fotografin Katharina Bosse geführt hat. Zu Erinnerung, Katharina Bosse hat diese Mutterbilder von sich selbst gemacht und damit ein bisschen Aufsehen erregt. Nobel erblickt in ihnen lediglich Belanglosigkeit und ein Kalkühl zur Provokation. Nobel behilft sich mit Andersens Märchen vom ‘Kaiser und dessen neuen Kleidern’ und ruft Katharina Bosse zu: “Sie sind nackt und der ganze erklärerische Schnickschnack über den Deutungszusammenhang ist am Webstuhl der unsichtbaren Kleider gewebt!”

Besser Bosse hätte zu ihren Bildern nix gesagt. Sobald man anfängt zu erklären, wofür man eigentlich keine Erklärung hat, kommen nur Sachen heraus, die man bloss mal irgendwo gehört hat, die man im Zweifel nie richtig verstanden hat, die einem aber helfen sollen, sich selbst zu verorten. Und Bosses Serie ‘A Portrait of the Artist as a Young Mother’? Ich persönlich finde die Bilder nicht übel. Sie haben etwas romantisches, etwas vor der Zeit, als Fabelwesen diese Landstriche bevölkerten. Ein bisschen was von ihrem Geist, steckt noch in dem unseren … oh, lieber nix mehr sagen. PHOTONEWS kaufen!

Ein paar Linkemfehlungen aus dem aktuellen Heft:
The Calendar Connection – www.thecalendarconnection.com
Ein Magazin über Orte – www.orte-magazin.de
Buch+Foto – www.buch-und-foto.de

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