Junge Fotografie der Gegenwart – eine Blattlese
Ja, so ist Fotografie – und sind Fotografen! Unbegreifbar, streitbar und unmöglich vielfältig. Oder wie Falk Schreiber im Editorial des Themenheftes ‘Junge Fotografie der Gegenwart’ schreibt: Manche Fotografen wollen einfach nur die Realität abbilden. Und manche Fotografen glauben nicht einmal, dass es so etwas wie Realität gibt – geschweige denn, dass sie abbildbar wäre’.
Eine wunderschöne Einleitung, die mich auf der Stelle für dieses Heft eingenommen hat. (Nur) Eine Beilage zum Magazin der Popkultur und Gegenwart U_mag, das regelmäßig in Hamburg, im bunkverlag erscheint und das in diesem Monat ebenjene Beilage mit sich führt – ‘Junge Fotografie der Gegenwart‘. Das Magazin gibt’s für wenige 2,50 € in vielen Bahnhofsbuchhandlungen und gut sortierten Zeitschriftenläden.

zoom_book - Junge Fotografie der Gegenwart. Ein Themenheft der Zeitschrift U_mag
Ein besonderes Highlight gleich auf den ersten Seiten ist das Interview mit Peter Bialobrzeski – solche oder so ähnliche Fragen hätte ich Bialobrzeski glaube ich auch gestellt. Und zuallererst eben jene Frage nach dem Zufall. Immer wieder klug danach zu fragen! Und für Fotografen wichtig sich auf ebendiese Frage eine passende Strategie zu überlegen. Von Bialobrzeski erfahren wir, dass bei ihm der Zufall so weit wie möglich ausgeklammert ist und das er von seinen Bildern eine bestimmte Vorstellung hat und versucht, visuelle Belege dafür zu finden.
Das Gleiche gilt für die Frage: Haben Sie bei Ihren jüngsten Bildern die Farbe nachbearbeitet? Und Bialobrzeski darauf: ‘Ja – aber ich habe eher untertrieben’. (das man sich für Bildbearbeitungen immer noch entschuldigen muss, ist ein seltsames Übergangsphänomen.) Im weiteren Verlauf der Antwort wird klar, das Bialobrzeski ein ebenso guter Reflektierer wie Fotograf ist: ‘Die digitale Fotografie oder die Auflösung des Negativs über einen Scan macht nichts weiter, als … nach bestimmten Parametern Farben zu separieren.’ Und am Schluss dieses Absatzes zur Bildbearbeitung: ‘Ich operiere so, dass ich das Bild so finalisiere, wie ich glaube, dass es auszusehen hat.’ Punkt!
Mona Breede inszeniert nicht! Obwohl ihre Serie ‘Choreographien‘ heißt. Eine beeindruckende Städteschau. Seltsam leere und stille Bilder, in denen sich Menschen wie Schauspieler auf einer Bühne wiederfinden – nur eben in den urbanen Schluchten einer wirklichen Stadt. Gleichwohl sie eine Meisterin darin ist, künstlerische Momente in unspektakulären Situationen zu entdecken und zu fotografieren, sind ihre Werke Kompositionen – mit den Mitteln digitaler Bildbearbeitung gefügte Bilder; oder wie es im Beitrag von Falk Schreiber heißt: ‘radikal künstlerische Dartstellungen eines Zustandes, der die Realität nachstellt’.

Mona Breede im zoom_book. Wer die Ausgabe mit der Beilage nicht kaufen möchte, kann sie das Heft online anschauen - komfortabel in einer separaten Flash-Aplikation
Mein Anschau-Tip für dieses Heft und gleichzeitig ein Ausstellungstip zum 3. Europäischen Monat der Fotografie in Berlin. Bilder aus der Serie Choreographien von Mona Breede gibt es in der Galerie Dittmar zu sehen – bis zum 10.01.2009
Auf den folgenden Seiten kommt noch Ingo Taubhorn in seiner Eigenschaft als Kurator des Hauses der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen zu Wort. Das Interview wirkt ein bisschen zerrissen, wie auch Taubhorn ein schwankender zu sein scheint: jemand der Fotografie macht und gleichzeitig für ihre Präsentation verantwortlich ist. ‘Ich kann gut in meiner Rolle hin- und herswitchen.’ Soso.
Um das Heft rund zu machen gibt’s noch jede Menge Ausstellungsempfehlungen für die nächsten Monate und ein paar Buchempfehlungen. Rundum eine lesenswerte Beilage. Glückwunsch.







In der Tat ein schönes Mag. Zu schade, dass es an uns vorbeigegangen ist, haben wir doch genau junge Fotokünstler im Portfolio. Na, wer in Hamburg weilt, ist herzlich eingeladen unsere aktuelle Ausstellung “Die spannendsten Fotokünstler der Zukunft” zu besuchen. Mehr Infos auf unserem Blog.
@Oliver: Schwerin ist nicht soweit weg von Hamburg. Ich hätte eigentlich Lust mir eure Ausstellung anzusehen und ggf. auch in unserem Blog vorzustellen. Also wenn’s geht, schick mal bitte ein paar Infos per Mail.
An: redaktion@bildwerk3.de
[...] eben schmeiße ich meinen Feedreader an, hole neue Blogeinträge ab und lese den Artikel von Marko Radloff auf bildwerk3 über zoom_book. Angeregt vom Artikel habe ich dann gleich mal [...]
Ich liebe diese Mag. Wirklich eine ganz schöne Sache. Am besten gefallen mir die Vorstellungen der jungen Künstler und Künstlerinnen. Hier bekommen sie eine Möglichkeit sich darzustellen und vielleicht eine große Karriere zu starten.
Das Magazin war mir bislang noch unbekannt. Dennoch muss ich sagen, dass es sich durchaus interessant anhört. Ich denke, dass es in der heutigen Zeit sehr wichtig ist die jungen Talente zu fördern und der Welt auch zu präsentieren. Sie brauchen Zuspruch und Anerkennung. Was Sie aber, wenn ich das hier so richtig interpretiere, in diesem Magazin auch bekommen.
Für mich persönlich stellen sich jetzt nur noch zwei Fragen:
Ist dieses Magazin denn nur etwas für Profis auf diesem Gebiet?
Oder können damit auch Laien etwas anfangen?
Das Zitat von Falk Schreiber trifft es also mal wirklich auf den Punkt! Also ich werde mich demnächst mal ordentlich nach diesem Magazin umsehen! Vielen dank und Gruß, Barbara